Gewerbeversicherung: Selbstbehalte als Vertragsretter?

Versicherungen Top News von Carla Fritz

Höhere Prämien, höhere Selbstbehalte. Darunter macht es die Assekuranz in Industrie und Großgewerbe derzeit vielfach nicht. Als Teil des Risk-Managements ist die Eigenbeteiligung am Schaden aber auch für kleinere Betriebe generell ein Thema, bei dem Maklerexpertise gefragt ist.

Selbstbehalte als Vertragsretter? Bild: Adobe Stock/ Gina Sanders

Beim Thema Selbstbehalte sind auch kleine und mittelständische Firmen einmal mehr auf Maklerexpertise angewiesen. Bild: Adobe Stock/ Gina Sanders

Anziehende Prämien im Industrie-Gewerbebereich und deutlich höhere Forderungen nach Eigentragung von Risiken, etwa in der industriellen Feuerversicherung. In dieser Kombination im Grunde ein Widerspruch, für Industrie und Großgewerbe aber inzwischen vielfach Realität. Große Maklerhäuser wie Funk und Marsh haben die angespannte Marktsituation in ihren aktuellen Analysen thematisiert.

Als Rettungsanker in schwierigen Zeiten sind Selbstbehalte vor diesem Hintergrund augenblicklich sehr populär: für die Firmenkundschaft des Maklers im Hinblick auf bezahlbare Prämien und Erhalt des Versicherungsschutzes. Für die Versicherer, um im Schadenfall Kosten zu sparen. „Selbstbehalte sind im Grunde ein Instrument der Gleichrichtung der Interessen von Versicherungsnehmer und Risikoträger.“ Was Alexander Skorna, Leiter Business Development beim Versicherungsmakler und Risk Consultant Funk, dabei als Ziel definiert, lässt sich in der Praxis allerdings nicht immer so einfach auf einen Nenner bringen. Das räumt er selbst auch ein. „Je nach Risikoqualität reden wir mitunter über Selbstbehalte von mehreren Millionen Euro.“

Dass Unternehmen von heute auf morgen einen Eigenanteil in dieser Größenordnung stemmen, sei selbst für große Firmen nicht immer einfach. Dafür braucht es nach seinen Worten einen gewissen Übergang in Form einer Risikofinanzierungsperiode. Diese schone den Liquiditätsbedarf gerade in angespannten Zeiten wie heute. „Wir entwickeln etwa flexible Mischformen aus Eigentragung, Risikofinanzierung und Risikotransfer, die am Markt zurzeit am Entstehen sind.“ Geeignete Modelle für den Kunden zu strukturieren, zu erklären und letztlich zu empfehlen, darin sieht er in einer komplexer werdenden Welt eine wesentliche Aufgabe des Maklers.

Auf Maklerexpertise sind beim Thema Selbstbehalte auch kleine und mittelständische Firmen einmal mehr angewiesen. Mit festen, seltener prozentualen Selbstbehalten als gängige Varianten sind die Spielräume hier im Tarifgeschäft zwar wesentlich kleiner, aber im Detail dann eben doch wieder sehr verschieden. Nicht nur, was Selbstbehaltsstufen und Beitragsersparnis angeht.

Ärgernis im Schadenfall

Ein genereller Selbstbehalt von null Euro in der Bauhandwerker-Haftpflichtpolice erweist sich näher besehen dann möglicherweise doch nicht als das, was der Kunde sich auf den ersten Blick davon verspricht. „Häufig folgt einige Seiten weiter im Kleingedruckten eine Liste mit Ausnahmen. Genau für solche Schäden, die besonders häufig vorkommen – Bearbeitungs- und Mietsachschäden – gibt es dann doch eine Selbstbeteiligung“, sagt Nico Locker, Bereichsleiter Maklerorganisation der Inter. Von versteckten Selbstbehalten will er bei solchen Angeboten am Markt nicht sprechen. „Aber viele Kunden haben diese Regelung, wenn es zum Schadenfall kommt, eben nicht mehr auf dem Schirm.“ Ärger sei so oft programmiert.

Um derartige Missverständnisse zu vermeiden, verzichte die Inter in den aktuellen Tarifgenerationen in der standardisierten Variante auf Ausnahmen. „Der Selbstbehalt im Bauhandwerker-Haftpflichtvertrag gilt für alle Leistungsbausteine.“ Die 1.000 Euro Selbstbehalt, die hier im Maximum zur Wahl stehen, nehmen jedoch die wenigsten und dafür lieber eine höhere Prämie in Kauf. „Wir arbeiten mit Zuschlägen“, sagt Locker. Das sind 30 Prozent mehr, wenn der Selbstbehalt vollständig abgewählt wird. „Die meisten entscheiden sich für null bis 150 Euro“, nach seinen Worten die typischen Schäden, die der Handwerker aus eigener Tasche bezahlen kann und will, um Diskussionen mit dem Kunden und im Zweifelsfall auch mit dem Versicherer zu vermeiden.

Seite 1: Ärgernis im Schadenfall
Seite 2: Selbstbehalt – ja oder nein?