Fahrradschutz: Langfinger haben es schwerer, machen aber größere Beute

Martin Thaler Berater Versicherungen

Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist im vergangenen Jahr – auch Corona-bedingt – zurückgegangen. Uneingeschränkten Grund zur Freude gibt es bei den Versicherern jedoch nicht.

Fahrradfahren boomt Bild: Pixabay/3194556

Fahrradfahren boomt in Deutschand – dabei greifen die Deutschen zu immer kostspieligeren Fahrrädern, vernachlässigen jedoch oft ihren Versicherungsschutz. Bild: Pixabay/3194556

Nicht nur die Zahl der Wohnungseinbrüche ging im vergangenen Jahr deutlich zurück, auch Fahrraddiebe kamen 2020 weniger zum Zug. Das geht aus neuen Zahlen hervor, die der Versichererverband GDV an diesem Donnerstag vorlegte: So wurden 2020 insgesamt 145.000 versicherte Drahtesel gestohlen – 5.000 weniger als noch im vergangenen Jahr.  

Und das, obwohl Fahrradfahren in Deutschland zuletzt einen wahren Boom erlebte. Laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) stieg die Zahl der Räder im vergangenen Jahr auf 79 Millionen, allein im vergangenen Jahr stieg der Absatz um 17 Prozent. Käufer mussten teils lange Wartezeiten in Kauf nehmen, bevor sie mit ihrem neuen Zweirad vom Hof des Händlers radeln konnten – vielfach konnten die Händler die rasant steigende Nachfrage nicht mehr befriedigen.  

Schadenssumme bleibt gleich

Trotz einer Vielzahl neuer und meist hochwertiger Fahrräder ging die Zahl der Diebstähle allerdings zurück. Pandemiebedingt, glaubt GDV-Geschäftsführer Jörg Asmussen: „Aufgrund von Corona blieben viele Menschen zu Hause. Die Fahrräder waren seltener im Freien unbeaufsichtigt abgestellt. Somit haben sich auch weniger Gelegenheiten zum Diebstahl eröffnet.“  

Trotz sinkender Fallzahlen blieb die Schadenssumme mit 110 Millionen Euro allerdings auf dem Niveau des Vorjahres. Das liegt in erster Linie daran, dass die Deutschen zu immer teureren Fahrrädern greifen, wie auch die ZIV-Zahlen verdeutlichen: Insbesondere E-Bikes erfreuen sich steigender Beliebtheit. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 43,4 Prozent mehr elektronisch unterstützte Fahrräder verkauft als noch 2019. Insgesamt hat sich der durchschnittliche Verkaufspreis in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt (siehe Tabelle).  

Immer teurere Fahrräder

JahrDurchschnittl. Verkaufspreis je Fahrrad (inkl. E-Bikes)
20201.279 Euro
2019982 Euro
2018756 Euro
2017698 Euro
2016643 Euro
2015557 Euro

Ein Trend, den verzögert auch die Versicherer zu spüren bekommen. So stieg die durchschnittliche Entschädigung im vergangenen Jahr auf 730 Euro pro Fahrrad, 2019 waren es 720 Euro gewesen, vor zehn Jahren lediglich 400 Euro.  

Die Zahl der Fahrrad-Diebstähle insgesamt (versichert und nicht versichert) sank im vergangenen Jahr laut Polizeilicher Kriminalstatistik um sechs Prozent auf 260.000. Besonders hoch, Opfer eines Fahrraddiebstahls zu werden, ist das Risiko für die Bewohner der Stadtstaaten. So kamen in Berlin auf 100.000 Einwohner insgesamt 752 Diebstähle. Noch höher lag diese Zahl in Hamburg (789) sowie Bremen (876). Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt lag die Zahl der Diebstähle je 100.000 Einwohner bei 314. Besonders gering ist das Risiko dabei im Südwesten von Deutschland – in Rheinland-Pfalz kamen auf 100.000 Bewohner 151 Fahrrad-Diebstähle, im Saarland lag diese Zahl sogar noch darunter (104).  

Viele Räder sind nicht versichert

Viele dieser Diebstähle waren zudem nicht versichert. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag von Check24 hat über die Hälfte der Fahrradbesitzer (55 Prozent) seinen Untersatz nicht versichert. Selbst Besitzer der meist sehr kostspieligen E-Bikes knausern oftmals am notwendigen Schutz – über ein Viertel gab an, keinen Versicherungsschutz zu besitzen.  

Versichert ist ein Fahrrad häufig über die eigene Hausratversicherung. Allerdings erstreckt sich der Versicherungsschutz hier meist nur auf die eigenen vier Wände, sprich Wohnung, Keller oder Abstellraum. Fahrräder, die auf der Straße gestohlen werden, werden nur ersetzt, wenn entweder eine spezielle Fahrradversicherung abgeschlossen wurde oder die Hausrat-Versicherung eine entsprechende Klausel enthalte. Über eine solche verfügten laut GDV jedoch nur 46 Prozent der rund 26 Millionen Hausrat-Policen.

Für Makler ergibt sich hieraus folglich eine Gelegenheit, den Fahrrad-Boom für ein Gespräch mit ihren Kunden zu nutzen, um den Hausrat-Schutz zu optimieren.