Dread Disease versus Grundfähigkeit – wer sichert besser ab?

Versicherungen Berater Top News von Mathias v. Hoven

Sowohl die Grundfähigkeits- als auch die Dread-Disease-Versicherung beanspruchen für sich, eine Alternative zur BU zu sein. Doch welches Produkt überzeugt wirklich?

Grundfähigkeits- oder Dread-Disease-Versicherung als Alternative zur BU? Was sind ihre jeweiligen Vor- und Nachteile? Bild: Adobe Stock/Wayhome Studio

Grundfähigkeits- oder Dread-Disease-Versicherung als Alternative zur BU? Was sind ihre jeweiligen Vor- und Nachteile? Bild: Adobe Stock/Wayhome Studio

Durch die gestiegene Zahl der Angebote, sowohl für Grundfähigkeits- als auch die Dread Disease-Absicherung wird der Markt unübersichtlicher. So gibt es alleine bei der Grundfähigkeitsversicherung in Deutschland über 20 verschiedene Anbieter. Das macht die Beratung nicht einfacher, denn es fordert Vermittler, das richtige zu empfehlen und den Überblick zu bewahren.

Ausweitung der Leistungskataloge

In den letzten Jahren hat es auch bei der Grundfähigkeitsversicherung einen Überbietungswettbewerb gegeben. Die Versicherer haben immer mehr Grundfähigkeiten in den Leistungskatalog aufgenommen. Beispielsweise die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder eines Smartphones sind jetzt häufig mitversichert, ebenso wie der Pflegefall und ein Tätigkeitsverbot infolge einer Infektion. Und nicht jede Erweiterung bedeutet eine wirkliche Verbesserung des Versicherungsschutzes. So ergibt der Einschluss einer Demenz für Personen unter 67 eigentlich keinen Sinn, da in dieser Altersgruppe weniger als 0,1 Prozent aller Personen an Demenz erkranken.

Ähnlich ist die Entwicklung bei der Dread-Disease-Versicherung. Die Canada Life bietet beispielsweise Versicherungsschutz für 55 schwere Krankheiten, der um weitere 25 Krankheiten ergänzt werden kann. Bei der Nürnberger Versicherung sind 50 schwere Krankheiten versichert. Die Ideal Versicherung wirbt damit, dass in ihrem Tarif „TotalProtect“ alle schweren Krankheiten abgesichert sind. Die Ideal weist darauf hin, „dass wir keinen festen Katalog an Erkrankungen haben. Versichert ist Ihr Gesundheitszustand.

Die auslösende Krankheit spielt keine Rolle!“ Es ist erkennbar, dass es am Markt einen Überbietungswettbewerb darin gibt, möglichst viele Krankheiten abzusichern, um dadurch zusätzliche Verkaufsargumente zu haben. Standard sind bei der Dread Disease Krankheiten wie Krebs, Parkinson oder Multiple Sklerose sowie Schlaganfall, Herzinfarkt und schwere Unfälle. Soweit so gut. Beide Alternativen rüsten auf und erweitern ihre Leistungen. Das ist für den Versicherungsnehmer ja erstmal erfreulich. Doch wie sieht es in den Details aus?

Feinheiten in den Definitionen

Für den Leistungsfall entscheiden nicht nur die Anzahl der versicherten Grundfähigkeiten oder Krankheiten. Vielmehr gilt es dann in die konkreten Bedingungen zu schauen. Und hier wird es für Vermittler schnell unübersichtlich. Ein Beispiel: Die Definition des Sprechens ist bei den einzelnen Angeboten in der Grundfähigkeitsversicherung unterschiedlich. Ein guter Tarif leistet schon, wenn „die Umwelt“ die gesprochenen Worte nicht mehr verstehen kann, wie dies beispielsweise beim Tarif „Work Life Comfort“ der Signal Iduna der Fall ist. Mit dieser Definition wird bereits geleistet, wenn fremde Personen, beispielsweise die Verkäuferin im Supermarkt, den Versicherten nicht versteht.

In anderen Tarifen ist dagegen das enger gefasste „soziale Umfeld“ festgelegt. Also Freunde und Familienangehörige, die den Sprechenden auch bei undeutlicher Aussprache durch Gewohnheit eher verstehen. Manche Versicherer formulieren eher unbestimmt, beispielsweise die Zurich (Tarif „Grundfähigkeitsschutzbrief“): „Ein Verlust der Grundfähigkeit des Sprechens liegt vor, wenn die versicherte Person aufgrund körperlicher Ursachen die Fähigkeit verloren hat, eine verständliche Sprache zu produzieren oder Worte spricht, die ohne jegliche Bedeutung oder Vorkommen in jeglicher bekannten gesprochenen Sprache sind.“

Auch im Bereich der Psyche gibt es in der Grundfähigkeitsversicherung sehr unterschiedliche Regelungen. Bei manchen Tarifen gibt es hier keine Leistungen. So sind beispielsweise im Tarif GRFV der Württembergischen weder psychische Gesundheit noch geistige Leistungsfähigkeit versichert. Bei anderen Anbietern ist nur Demenz versichert, während umfassende Angebote auch bei schwerer Depression oder Schizophrenie leisten bzw. dies zumindest als zusätzlichen Baustein anbieten. Psychische Krankheiten sind mittlerweile die Hauptauslöser für eine Berufsunfähigkeit. Bei der Dread Disease sind psychische Krankheiten bestenfalls als Zusatzbaustein versicherbar. Der BU-Experte Matthias Helberg sieht in der Vorsicht der Versicherer zum Einschluss der Psyche eine Strategie: „Die Vermeidung von Leistungsfällen. Das bedeutet dann im Umkehrschluss nur auch: Vermeidung von potenziellem Nutzen für die Versicherten. Und dieses Potenzial liegt jetzt ja schon bei 30 Prozent bis über 40 Prozent der Ursachen, weswegen Menschen arbeitsunfähig, berufsunfähig oder erwerbsgemindert werden: Wegen psychischen Erkrankungen. Die Tendenz ist seit Jahren steigend und die Auswirkungen von Corona und Lockdown kommen nun noch dazu.“

Seite 1: Erweiterung der Leistungskataloge
Seite 2: Bestimmung des Leistungsfalls
Seite 3: Einmalzahlung oder monatliche Rente?