Diebe lassen E-Autos links liegen

Martin Thaler Versicherungen Panorama

Die Zahl der Autodiebstähle ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. In welchen Bundesländern das Diebstahlrisiko weiterhin hoch ist und warum die Besitzer älterer Fahrzeuge ins Visier der Täter geraten, zeigt ein neuer Bericht des Bundeskriminalamtes.

E-Auto Bild: Pixabay/distelAPPArath

E-Autos stehen nach Angaben des Bundeskriminalamtes bei Autodieben selten auf der Beuteliste. Bild: Pixabay/distelAPPArath

Gute Nachrichten für deutsche Autofahrer hatte diese Woche das Bundeskriminalamt im Gepäck: Denn im vergangenen Jahr wurden wesentlich weniger Fahrzeuge gestohlen als noch 2019. Insgesamt 14.025 Pkw kamen 2020 abhanden – ein Rückgang um 14,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (16.431).  

Den deutlichen Rückgang führten die Kriminalisten auch auf die Corona-Pandemie zurück. Staatliche Maßnahmen wie Grenzschließungen hätten sich auf das Tatgeschehen ausgewirkt, heißt es von Seiten des BKA. So seien vor allem während des ersten bundesweiten Lockdowns in den Monaten April und Mai jeweils 1.000 Fahrzeuge weniger gestohlen worden als noch im Vorjahreszeitraum.  

20 Prozent mehr Fälle in Bremen

In Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt kamen Autodiebe deutlich seltener zum Zuge – hier betrug der Rückgang bei den als gestohlen gemeldeten Fahrzeugen jeweils knapp ein Drittel. Auch in den meisten anderen Bundesländern registrierte die Polizei sinkende Fallzahlen – lediglich in Nordrhein-Westfalen und Bremen schlugen Diebe 2020 häufiger zu als im Vorjahr. Im norddeutschen Stadtstaat gab es 2020 sogar knapp 20 Prozent mehr Fälle.  

In absoluten Zahlen hat Nordrhein-Westfalen mittlerweile Berlin als Hauptstadt der Autodiebe abgelöst. Während an Rhein und Ruhr die Zahl der Autodiebstähle auf 3.937 stieg sanken die Fallzahlen in Berlin deutlich von 4.270 im Jahr 2019 auf 3.286 im vergangenen Jahr – ein Minus von 23 Prozent.  Auf den weiteren Plätzen folgen Niedersachsen (963), Brandenburg (888) und Hamburg (862).  

Kaum von Bedeutung für Autodiebe sind hingegen Elektrofahrzeuge bzw. Fahrzeuge mit Hybrid- bzw. zusätzlichem Elektroantrieb. Das Diebstahlaufkommen bei Fahrzeugen mit alternativen Antriebsarten befinde sich weiterhin auf „sehr niedrigem Niveau“, teilte das BKA mit.  

Auch die Zahl der gestohlenen Lkw entwickelte sich im vergangenen Jahr weiter rückläufig. 627 „Brummis“ kamen 2020 dauerhaft abhanden – das waren 24,1 Prozent weniger als noch 2019 (839). Im Vergleich zu 2016 (1.534) hat sich die Zahl der gestohlenen Lkw sogar mehr als halbiert.  

Fahrzeugteile für Diebe weiterhin lukrativ

Ein weiterhin lukratives Betätigungsfeld für Autodiebe stellt hingegen der Diebstahl bestimmter Fahrzeugteile dar, wie das Bundeskriminalamt berichtet – konkrete Fallzahlen werden im aktuellen Bundeslagebild allerdings nicht genannt. Eine gängige Masche ist es dabei unter anderem, Unfallfahrzeuge aus den USA mithilfe von in Deutschland gestohlenen Einzelteilen wiederaufzubauen und dann zu veräußern. Unter anderem in Litauen gebe es zu diesem Zwecke Spezialwerkstätten, die auf dieses „Geschäftsmodell“ setzen.  

Vermehrt festgestellt wurde 2020 auch der Diebstahl von Katalysatoren aus älteren Autos. Diese würden von geschulten Tätern in Windeseile und weitgehend geräuschlos entfernt – oftmals aus Autos, die im öffentlichen Raum abgestellt sind. Insbesondere der hohe Anteil von seltenen Metallen macht den Diebstahl für die Täter lukrativ.