„Der BRIC-Ansatz ist heute überholt“

Investmentfonds von Heike Gorres

Die große Zeit der BRIC-Fonds ist vorbei. Einst galten Brasilien, Russland, Indien und China als die vier wichtigsten und wachstumsstärksten Schwellenländer. Allein in Deutschland gab es knapp 50 Fonds, die die Bezeichnung BRIC im Namen trugen. Davon ist heute nur noch eine Hand voll übrig. Warum das so ist, erklärt Andreas Köchling, Fondsanalyst bei Scope Analysis.

Andreas Köchling. Bild: Scope Analysis

Andreas Köchling, Fondsanalyst und stellvertretender Leiter des Fondsratings bei Scope Analysis, Bild: Scope Analysis

procontra: Die BRIC-Anlageidee vor 20 Jahren war, dass Brasilien, Russland, Indien und China wegen ihrer rasanten Wirtschaftsentwicklung und Größe die besten Investmentchancen unter den Schwellenländern böten. Hat sich dies bestätigt?

Andreas Köchling: Diese Länder haben damals nicht nur eine weit überdurchschnittliche Wirtschaftsentwicklung erwarten lassen, sondern hatten auch recht gut entwickelte Aktienmärkte – anders als viele andere aufstrebende Staaten. Dies hat der BRIC-Ansatz sehr gut verbunden. Wirtschaftlich, von der Bevölkerungszahl und von den Auswirkungen auf die Weltwirtschaft her gesehen spielen diese Volkswirtschaften eine große Rolle.

procontra: Es war aus Ihrer Sicht damals also kein reiner Marketingbluff, sondern es steckte auch Substanz dahinter?

Köchling: Ja, definitiv. Es war damals eine sehr gute Idee und mit dem Begriff „BRIC“ sensationell in eine Marketingform gegossen. Was damals aber eigentlich schon klar war, man zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht so klar gesehen hat: Dass sich diese vier Länder sehr unterschiedlich entwickeln würden, politisch, wirtschaftspolitisch und wirtschaftlich. Es war gedacht, dass sich die Märkte überdurchschnittlich entwickeln würden – zwar jeweils etwas unterschiedlich, aber doch steil nach oben. Wir haben mit den Jahren jedoch eine sehr unterschiedliche Entwicklung der politischen Landschaft in diesen Ländern erlebt, eine sehr unterschiedliche Entwicklung der Volkswirtschaften und somit eine sehr unterschiedliche Entwicklung der Aktienmärkte.

procontra: Es hat sich viel getan in den vergangenen 20 Jahren. Wie würden Sie den Ansatz heute beurteilen? Ist er womöglich am Ende?

Köchling: Ich würde es anders ausdrücken: Der Ansatz ist heute überholt, aus mehreren Gründen. Zum einen gibt es inzwischen zahlreiche weitere Entwicklungs- und Schwellenländer, die ebenfalls eine große Relevanz in der Weltwirtschaft und an den Finanzmärkten erreicht haben. Die BRIC-Länder sind zwar immer noch die großen Player. Aber das reicht heute nicht mehr aus. Warum sollte man sich anderer Performance-Quellen berauben oder umgekehrt Positionen im Depot haben, die ein höheres Risiko bergen als andere?

procontra: Goldman Sachs hat den hauseigenen BRIC-Fonds 2015 mit einem breiteren Schwellenländer-Aktienfonds verschmolzen. War das eine Schlussglocke für BRIC-Fonds?

Köchling: Ich würde nicht unbedingt Schlussglocke sagen, aber es war ein starkes Signal. Den Fachleuten war da allerdings schon länger klar, dass das Thema BRIC für eine Schwellenländeranlage zu eng geworden war. Investoren hat es gezeigt, dass sie in dem Bereich womöglich um- oder weiterdenken sollten. BRIC ist zwar weiterhin ein spannendes Thema. Es trifft das Thema Emerging Markets insgesamt aber nicht mehr gut genug.