Das sind die Lebensversicherer mit den größten Marktanteilen

Martin Thaler Versicherungen Top News

Corona? Niedrigzinsen? Egal! Auch 2020 erfreuten sich Lebensversicherungen bei den Kunden großer Beliebtheit, die Beitragseinnahmen der Versicherer stiegen weiter. Wer besonders profitieren konnte, zeigt ein Blick auf die Marktanteilsverschiebungen.

Marktanteile der Lebensversicherer Bild: Pixabay/congerdesign

Welcher Lebensversicherer konnte bei den Marktanteilen im vergangenen Jahr zulegen?Bild: Pixabay/congerdesign

Weder die Kritik aufgrund hoher Abschlusskosten, die politische Diskussion um einen Provisionsdeckel noch die Corona-Pandemie konnten der Lebensversicherung etwas anhaben: Auch 2020 genoss die Lebensversicherung bei Sparern hohes Vertrauen: Mit 98,50 Milliarden Euro lagen die Beitragseinnahmen noch über denen des Rekordjahres 2019 (98,10 Milliarden), wie nun der Zweitmarkthändler Policen Direkt errechnete. „Der Gesamtmarkt zeigt sich angesichts COVID-19 insgesamt weitgehend stabil“, wertete Henning Kühl, Leitender Aktuar von Policen Direkt, das Ergebnis. „Das Kundenvertrauen in das Produkt Lebensversicherung bleibt demnach auch im ersten Krisenjahr ungebrochen.“  

Allianz weiterhin dominant

Weiterhin nimmt unter den einzelnen Anbietern die Allianz eine dominierende Stellung ein. Insgesamt 28,08 Prozent der Marktanteile – gemessen nach den Bruttobeitragseinnahmen – entfielen auf die Münchener. Nachdem die Allianz von 2018 auf 2019 ihren Marktanteil deutlich ausbauen konnte und auf gutem Wege war, ein Drittel aller Beitragseinnahmen auf sich zu vereinen, büßte der „blaue Riese“ im vergangenen Jahr leicht Marktanteile ein – so waren 2019 noch 29,26 Prozent aller Beitragseinnahmen auf ihn entfallen. Die Allianz Leben hatte im Frühjahr vermeldet, dass 2020 das Neugeschäft um gut elf Prozent rückgängig gewesen war. Begründet wurde dies mit der Zurückhaltung der Sparer seitens der Corona-Pandemie.  

Seine Position am Markt weiter ausbauen konnte hingegen die deutsche Nummer 2 unter den Lebensversicherern, die R+V. Ihr Marktanteil stieg von 6,03 (2019) auf 7,06 Prozent. Der Genossenschaftsversicherer begründete seine guten Zahlen unter anderem mit einem gestiegenen Vorsorgebedürfnis vieler Menschen wie auch mit der im vergangenen Jahr umgebauten Produktwelt. Wie auch die Allianz hatte sich die R+V von der 100-Prozent-Garantie verabschiedet. In neuen Verträgen werden nun nur noch maximal 90 Prozent der eingezahlten Beiträge garantiert.  

Gewinner und Verlierer

Mit der Generali (5,54 Prozent), der Debeka (3,84) und der BayernLV (3,41) konnten auch die nächstgrößeren Versicherer bei den Marktanteilen leicht zulegen. Von den zehn beitragsstärksten Unternehmen konnten auch die Alte Leipziger, Axa und Nürnberger weiter anbauen, negativ verlief die Entwicklung hingegen für die Zurich und Proxalto, die ehemalige Generali Leben.  

Die Zahlen zeigen: Vor allem in unsicheren Krisen-Zeiten scheinen viele Kunden in erster Linie auf große Anbieter zu setzen, da diese augenscheinlich zum einen mit Sicherheit in Verbindung gebracht werden. Darüber hinaus scheinen aus Sicht der Kunden größere Anbieter eher in der Lage, aufgrund eines professionellen Portfolio-Managements im aktuellen Niedrigzinsumfeld attraktive Renditen zu erwirtschaften.

Tatsächlich zeigt sich beim Geschäft mit Lebensversicherungen eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Während einige Anbieter in den vergangenen Jahren Kunden und Verträge hinzugewinnen konnten und sich finanzstark präsentieren, werden für andere Anbieter die Niedrigzinsen zu einer immer schwerer zu schulternden Last.  

Laut Angaben der Finanzaufsicht Bafin befinden sich derzeit 20 Anbieter unter intensivierter Aufsicht. Exekutivdirektor Frank Grund drohte bereits mit einem Verbot des Neugeschäfts, sollte aus Sicht der Bafin erkennbar werden, dass einzelne Anbieter die Kapitalanforderungen gemäß Solvency II bis 2032 nicht erfüllen können.