Cyberversicherung: Der Markt bewegt sich

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Versicherungen

Die Cyberversicherung lässt die Goldgräberstimmung hinter sich, sagen Versicherer und Berater. Zur Marktentwicklung fragten das Analysehaus Assekurata und eine Kommunikationsagentur nach Zahlen – auch zu Schäden, Preisen und Engpässen.

Nur 40 Prozent der Erst- und Rückversicherer empfinden die Profitabilität als gut oder sehr gut. Das könnte zu steigenden Preisen oder Rückzug aus der Cyberabsicherung führen. Bild: Pixabay/kalhh

Derzeit bewerten nur rund 40 Prozent der Erst- und Rückversicherer die Profitabilität als gut oder sehr gut. Das könnte zu steigenden Preisen oder Rückzug aus der Cyberabsicherung führen. Bild: Pixabay/kalhh

Die Mehrheit der Anbieter (47 Prozent) und Spezialvermittler (78 Prozent) von Cyberversicherungen in Deutschland (68 Prozent) bewertet die aktuelle Marktlage als „eher stark“. Vor zwei Jahren hatten 68 Prozent die Lage noch als schwach eingeschätzt. Mittelfristig erwarten 64 Prozent der Versicherer und 100 Prozent der Großmakler eine starke oder sehr starke Marktentwicklung.

Dies ist ein Ergebnis der gemeinsamen Studie „Quo vadis Cyber-Insurance 2021?“ des Analysehauses Assekurata und der Kommunikationsberatung Instinctif Partners nach Anfrage bei aktuell 40 Anbietern von Cyberdeckungen (Erst- und Rückversicherer) sowie 19 Groß- beziehungsweise Spezialmaklern, von denen insgesamt 26 geantwortet haben.

Es ist die zweite Umfrage beider Firmen nach 2019 zur Entwicklung des Marktes von Cyberversicherungen. Im Fokus standen weniger Produktfeatures, sondern Fragen zur Marktentwicklung und wesentlichen Einflussfaktoren für eine erfolgreiche Marktpositionierung. „Auf Goldgräberstimmung folgt Professionalisierung“, sagte Hubert Becker von Instinctif Partners in einem virtuellen Fachgespräch zur Vorstellung der Ergebnisse am Montag.

Wenig harte Fakten zum Cybermarkt

Im Markt werden aktuell 42 Versicherer mit Cyberangebot ausgemacht. Das Prämienvolumen 2020 lag bei rund 110 Millionen Euro (GDV-Schätzung). Von Marktdurchdringung kann noch keine Rede sein, obwohl laut Studie etwa 64 Prozent der Unternehmen eine Cyberdeckung besitzen. Die Zahl der Verträge (Industrie, Gewerbe und Privatkunden) stieg von 50.000 im Jahr 2018 auf geschätzte 125.000 im Jahr 2020.

Dass die Erwartungen von Versicherern vorsichtiger als die von Spezialmaklern sind, mag an den Unwägbarkeiten der noch jungen Cybersparte liegen. Während die Nachfrage weiter steigt, sind die Kapazitäten insbesondere im Bereich der Industrie schon von ersten Engpässen geprägt. Hintergrund: Derzeit bewerten nur rund 40 Prozent der Erst- und Rückversicherer die Profitabilität als gut oder sehr gut, weitere 40 Prozent als befriedigend, aber 13 Prozent auch mangelhaft.

Fast vier von fünf Versicherern (79 Prozent) beobachten steigende Schadenzahlen. Eine mittelfristige Erhöhung der Beiträge wird dadurch immer wahrscheinlicher. Hielten 2019 noch 44 Prozent der befragten Anbieter die Beiträge für langfristig auskömmlich, sind es jetzt nur noch 14 Prozent.

Steigende Nachfrage, steigende Preise?

Die Nachfrage nach Cyberdeckungen ist seit 2019 vor allem im Industriesegment gestiegen. Hier sehen 80 Prozent der Anbieter eine steigende Nachfrage; im Bereich KMU/Gewerbe sind es 54 Prozent, im Privatsektor nur 20 Prozent. „Da das Gefahrenpotential nicht schrumpft, kann sich das Angebot an verfügbarer Deckungskapazität vor allem für Industrierisiken als Engpass herausstellen“, prognostiziert Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.

„Die größten Motivatoren für den Abschluss einer Cyberdeckung sind weiterhin konkrete Schadenerfahrungen (86 Prozent), inzwischen gefolgt von der öffentlichen Berichterstattung über Cybervorfälle (81 Prozent)“, sagt Becker. 2019 lagen diese Werte noch bei 63 beziehungsweise 41 Prozent.

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