BVK: Kampfansage an den GDV

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Deutliche Worte hat BVK-Präsident Michael Heinz bei der Jahresversammlung des Vermittlerverbandes nicht nur an die Politik, sondern auch in Richtung der Versicherer gerichtet. Beim Thema Vergütung präsentierten sich die Grünen wesentlich konzilianter.

Michael Heinz Bild: BVK

BVK-Präsident Michael Heinz fand deutliche Worte gegenüber dem Versichererverband GDV. Bild: BVK

Angesichts des nahenden Bundestagswahlkampfs bringen sich derzeit nicht nur die politischen Parteien in Stellung, auch die Interessenverbände kämpfen darum, mit ihren Forderungen, Ideen und Konzepten gehört zu werden.  

Michael Heinz, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute, fand auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung die deutlichsten Worte aber nicht gegenüber der Politik, sondern in erster Linie gegenüber dem Versicherer-Verband GDV. Anlass hierfür war ein Statement des GDV-Hauptgeschäftsführers Jörg Asmussen zum 20. Geburtstag der Riester-Rente, in dem dieser sich für ein „einfaches, digital vertriebenes und kostengünstiges Standardprodukt aussprach“.  

Rudern nicht mehr in dieselbe Richtung

Eine Aussage, die BVK-Chef Heinz zwar nicht als Kriegserklärung, wohl aber als Kampfansage wertet – stellt sie doch seiner Meinung die Beratungsleistungen der gut 200.000 Versicherungsvermittler infrage. „Ohne Beratung keine Vermittlung“ hält der BVK dagegen und warnt vor einem Bruch zwischen Versicherern und dem Vermittlervertrieb. „Es wird für uns immer schwieriger, in dieselbe Richtung zu rudern“, merkte Heinz an und unterstrich den hohen Beratungsaufwand bei Riester-Produkten. „Riester heißt nicht nur abschließen, sondern begleiten“, erklärte Heinz.  

Wer den Abschluss einer Riester-Rente jedoch mit dem Gang zum Kaugummi-Automaten gleichsetze, müsse hingegen mit dem „erbitterten Widerstand“ des Verbands rechnen. „Wenn sie den Kampf haben, dann kriegen sie ihn“, formulierte Heinz es angriffslustig. Relativierungsversuche von Oliver Brüß, Vertriebsvorstand der Gothaer und somit in der stattfindenden Diskussionsrunde der Repräsentant der Versicherer, wollte Heinz nicht gelten lassen. „Wenn jemand wie Asmussen eine solche Aussage tätigt, ist davon auszugehen, dass diese mit dem GDV-Präsidium abgestimmt ist.“ Dennoch streckte Heinz zugleich die Hand zum Dialog aus: „Steigen Sie in unser Boot ein, auch im Sinne der Verbraucher.“  

Welche Zukunft die Riester-Rente hat, bleibt abzuwarten. Dass das bestehende System dringend reformiert werden muss, unterstrichen jedoch die anwesenden Politiker von CDU und Bündnis 90/Die Grünen einstimmig, wenn auch die Ausgangslage grundverschieden ist.  

Während Stefan Schmidt, Bundestagsabgeordneter der Grünen und Mitglied des Finanzausschusses, das bestehende System als „nicht lebensfähig“ charakterisierte, stellt es für Carsten Brodesser, finanzpolitischer Sprecher der Union, angesichts von über 16 Millionen abgeschlossenen Verträgen ein Erfolgsmodell dar, das entsprechend weiterentwickelt werden soll. „Zutiefst enttäuscht“ sei er, so Brodesser, dass diese Fortentwicklung nicht bereits in der bestehenden Legislaturperiode erfolgt sei.

Der schwarze Peter liege hier aber eindeutig bei der SPD, die angesetzten Gespräche mit Verweis auf die Corona-Pandemie verschoben und dann nicht wieder aufgegriffen hätte. Brodesser äußerte die Vermutung, dass das Thema bewusst von Finanzminister Olaf Scholz ausgesessen worden sei. „Damit wird das sozialpolitische Ziel, eine sichere Altersvorsorge zu ermöglichen, untergraben“, befand der CDU-Politiker.  

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