BU-Wunschzettel: Was Versicherte im Leistungsfall fordern

Martin Thaler Berater Versicherungen

Wie gut die BU-Versicherung wirklich ist, zeigt sich in der Regel erst im Leistungsfall. Was die Kunden dann erwarten, hat nun die Ratingagentur Assekurata ermittelt.

BU-Wunschzettel Bild: Adobe Stock/Rebel

Besitzer einer BU-Versicherung haben für den Leistungsfall konkrete Wünsche. Bild: Adobe Stock/Rebel

Die Relevanz einer Berufsunfähigkeitsversicherung kann nicht deutlich genug hervorgehoben werden – ein Punkt, bei dem sich ausnahmsweise Verbraucherschützer wie auch Versicherer einig sind. Allerdings erkennen Kunden erst im Schadensfall, was ihre Versicherung wirklich taugt. So ist es kaum überraschend, dass es Verbrauchern hierbei besonders wichtig ist, dass ihre BU-Versicherung im Fall der Fälle schnell leistet, der Leistungsantragsprozess also schnell durchschritten wird.  

Dies ergibt eine Umfrage der Kölner Ratingagentur Assekurata unter 500 Besitzern einer Selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung: Drei von fünf Befragten erklärten, dass ihnen eine schnelle Bearbeitung ihres Antrags besonders wichtig sei. Laut Angaben des GDV vergehen zwischen Leistungsantrag und Entscheidung des Versicherers durchschnittlich 106 Tage. Allerdings kann die Bearbeitungsdauer von Fall zu Fall und Versicherer zu Versicherer stark variieren – entscheidend sei hier nicht nur der Anbieter, sondern auch der Krankheitsfall. Während Krebserkrankungen vergleichsweise schnell geprüft würden, benötigten psychische Erkrankungen laut Daten des Hannoveraner Analysehauses Franke & Bornberg deutlich länger.

Mehr Tempo bei der Leistungsregulierung sowie mehr Verbraucherrechte forderte erst vor wenigen Tagen die Bundestagsfraktion der Linken. Deren Antrag an die Bundesregierung sieht unter anderem vor, dass die Versicherer bei Vorliegen von zwei Attesten die Berufsunfähigkeiten ihres Kunden sofort anzuerkennen haben.

Leistungsprüfer mit entscheidender Rolle

Neben einer schnellen Bearbeitung ihres Antrags wünschen sich die meisten Versicherungsnehmer darüber hinaus einen festen Ansprechpartner (46,8 Prozent), der sie betreut. Jeder Dritte legt zudem hohen Wert darauf, dass von seinem Sachbearbeiter seine individuelle Situation berücksichtigt werde.  

Entsprechend groß sei somit – der Digitalisierung zum Trotz – die Rolle, die dem Leistungsprüfer zukomme. „Eine faire Leistungsregulierung gelingt in der Berufsunfähigkeitsversicherung letztlich nur, wenn der Antragsteller von Beginn an aktiv in den Prozess eingebunden und individuell betreut wird“, erklärt Juliane Löffler, Senior-Analystin bei Assekurata. Viele Versicherer setzten darum weiter auf persönliche Betreuung, meist via Telefon. Dies ermögliche nicht nur eine individuellere Prüfung, da der Leistungsprüfer einen besseren Einblick in den konkreten Fall bekomme, sondern beschleunige auch den Prozess, da sich Rückfragen und Unklarheiten auf diesem Wege einfacher klären ließen.  

Relativ erstaunt zeigen sich die Asssekurata-Analysten darüber, dass gerade einmal ein Fünftel der Befragten Unterstützung beim Ausfüllen des Selbstauskunft-Fragebogens wünschte. Die Praxis würde schließlich zeigen, dass viele Versicherungsnehmer hierbei Schwierigkeiten hätten, insbesondere bei der Beschreibung der beruflichen Tätigkeit. Eine Erklärung für diese Diskrepanz liefert Assekurata gleich mit: So hätten die Befragten noch niemals einen Selbstauskunfts-Fragebogen ausfüllen müssen und wüssten dementsprechend wenig über die etwaigen Probleme und Schwierigkeiten.  

Angebote der Versicherer

Allerdings haben auch viele Versicherer mittlerweile das Ausfüllen des Fragebogens als wesentliche Hürde im Antragsprozess identifiziert und bieten Hilfestellung. So würde vielfach bereits in einem Erstgespräch auf die Anforderungen der Selbstauskunft aufmerksam gemacht. Manche Versicherer gehen sogar einen Schritt weiter und bieten an, die Tätigkeitsbeschreibung zusammen mit dem Leistungsprüfer durchzuführen.

Insgesamt machten die Versicherer somit schon vieles richtig, glaubt Löffler. Grund, sich auf den erzielten Ergebnissen auszuruhen, bestehe aber nicht: „Aber gerade die Komplexität in der Leistungsregulierung sowie die sich stetig verändernden Kundenanforderungen zwingen die Unternehmen dazu, ihre Services im Antragsprozess auch immer wieder auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls anzupassen.“

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