BU-Versicherung: Anbieter punkten mit Gesundheits-Services

Anne Mareile Walter Versicherungen Berater

Immer mehr Inhaber von Berufsunfähigkeitsversicherungen interessieren sich für Zusatzangebote aus dem Bereich Gesundheitsvorsorge: Laut einer aktuellen Befragung ist vor allem dann die Nachfrage groß, wenn es um Hilfe bei der Organisation von häuslicher Pflege oder von medizinischen Hilfsmitteln geht.

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Neben Krankenversicherern bieten mittlerweile auch immer mehr BU-Versicherer Leistungen aus dem Gesundheitssektor an. Mit Apps oder der Organisation von Reha-Maßnahmen setzen sie auf Prävention. Bild: Adobe Stock/Kzenon

Unterstützung bei der Reha-Vorbereitung, der Facharztsuche oder beim Einholen von medizinischen Zweitmeinungen: Das Angebot dieser und ähnlicher Gesundheitsservices ist längst kein Alleinstellungsmerkmal der privaten Krankenversicherer mehr. Auch erste Berufsunfähigkeitsversicherer positionieren sich mit derartigen Dienstleistungen am Markt. Nach einer aktuellen Erhebung der Ratingagentur Assekurata unter 500 Inhabern einer selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung interessieren sich immer mehr Kunden für solche Dienstleistungen, ein großer Teil der Befragten (35 Prozent) schreibt solche Gesundheitsservices aber eher der KV zu. Vor allem bei Vorsorge- und Früherkennungsinitiativen ist das der Fall. Dass mindestens ein Angebot im Bereich des Gesundheitsservice auch eine Leistung der BU sein kann – daran denken nur rund sechs Prozent der Versicherungsnehmer.

 

Bisher lag der Schwerpunkt der BU-Versicherer vor allem auf der Unterstützung des Kunden im Kontext der beruflichen Rehabilitation, als Serviceleistung gab es beispielsweise ein individuelles Coaching oder ein Bewerbungstraining. Doch immer mehr Versicherer setzen auf Prävention, damit der Fall der Berufsunfähigkeit gar nicht erst eintritt. Zum Leistungskatalog zählen dann auch Erinnerungen an Vorsorgeuntersuchungen, Gesundheits-Apps oder Angebote zur medizinischen Beratung am Telefon. Von den Kunden wird das offenbar honoriert: Ganze 90 Prozent der Befragten hatten an mindestens einem der angegebenen Services Interesse. Dabei wünschten sich mit mehr als 60 Prozent die meisten Umfrage-Teilnehmer Unterstützung bei der Organisation von häuslicher Pflege und Hilfsmitteln. Mehr als 50 Prozent empfanden das Bereitstellen von Coaching-Programmen und einen Zweitmeinungsservices als wichtig. Gesundheits-Apps und Online-Programme zur unterstützenden Therapie sowie Angebote zur Früherkennung wünschten sich hingegen 40 Prozent der Befragten von ihrer BUV oder KV.

Pandemie vergrößert das Potenzial

Dabei legten die Autoren der Befragung einen Fokus auf die drei häufigsten Erkrankungen, die zu Berufsunfähigkeit führen – psychische, orthopädische sowie onkologische Diagnosen. Nur fünf Prozent lehnten Gesundheitsservices in diesem Kontext ab. Administrative Services, wie beispielsweise die Unterstützung bei Terminbuchungen für Klinikaufenthalte, wurden in allen drei Krankheitsfeldern gleichermaßen stark nachgefragt. Bei den psychischen Erkrankungen hingegen standen vor allem Coaching-Programme hoch im Kurs.

Befragte, die bereits einen BU-Antrag gestellt haben, ordneten Gesundheitsservices fast drei Mal stärker der BU zu als Menschen ohne Antragserfahrung. Über die Gründe könne aus Sicht der Autoren der Befragung nur spekuliert werden. „Möglicherweise ist einigen Kunden die hohe Bedeutung von Gesundheit im Kontext der Berufsunfähigkeit nicht bewusst und der Zusammenhang zwischen gesundheitlicher Beeinträchtigung und beruflicher Leistungsfähigkeit wird erst im Rahmen des Leistungsantragsprozesses deutlich“, heißt es dazu in der Erhebung. Ohnehin brachten nur wenige Kunden Gesundheitsservices ausschließlich mit der BUV in Verbindung, stattdessen schrieben sie derartige Leistungen eher der Krankenversicherung zu. Für BU-Versicherer schlummere hier großes Potenzial, so das Fazit der Autoren. Und: „Infolge der Corona-Pandemie dürften die Fallzahlen im Bereich Psyche auch in der BUV steigen.“ Laut einer Analyse der Universität Oxford erleide jeder dritte Covid-Patient Langzeitschäden an Nerven oder Psyche.