BU-Fakten: Die richtige Rentenhöhe und die Realität

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Im Moment gibt es im Wochentakt neue Ratings und Analysen zur BU-Absicherung. Von bedarfsgerechter Absicherung kann keine Rede sein. Nun gibt es auch Daten zu Erfahrungen von Kunden, die schon einen Antrag auf BU-Rente gestellt haben.

Durchschnittlich 1.000 Euro versicherte BU-Rente pro Monat können im Einzelfall viel zu wenig sein, sagt Andreas Ludwig, Bereichsleiter Rating & Analyse bei M&M. Bild: M&M

Durchschnittlich 1.000 Euro versicherte BU-Rente pro Monat können im Einzelfall viel zu wenig sein, sagt Andreas Ludwig, Bereichsleiter Rating & Analyse bei M&M. Bild: M&M

Das neue BU-Rating von Morgen & Morgen (M&M) bescheinigt den Versicherern gute handwerkliche Arbeit bei den Bedingungen. Mehr als 70 Prozent der untersuchten Tarife bekamen die Höchstnote. Genannt wurden auch wichtige Marktdaten. Demnach bekommen derzeit rund 267.000 Kunden eine BU-Leistung – im Schnitt sieben Jahre lang. Typisches Alter beim BU-Eintritt sind 44 Jahre, Tendenz fallend.

Die Qualität der Beratung scheint in vielen Fällen mit der Qualität der Bedingungen nicht Schritt zu halten. „Optimierungsfähig bleibt die durchschnittlich versicherte BU-Rente von 1.000 Euro pro Monat“, sagt Andreas Ludwig. Es sei erfreulich, dass die versicherte Rente im letzten Jahr um 1,6 Prozent gestiegen ist, „dennoch ist das bei Betrachtung von Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten immer noch zu wenig“, so der Bereichsleiter Rating & Analyse bei M&M.

Daraufhin hakte procontra bei Ludwig nach, in welcher Bandbreite die Renten liegen. M&M hat dazu in einem speziellen Tool Ergebnisse von Beratungen, die mit M&M Office vorgenommen wurden, protokolliert und die Daten anonymisiert. Dieser Blick hinter die Kulissen umfasst nach Unternehmensangaben mehr als einer halbe Million Berechnungen aus den letzten 12 Monaten. Das sind zwar nicht immer die endgültigen Vertragsdaten, sondern die Daten, die bei M&M Office von Vermittlern eingegeben wurden, lässt aber Schlüsse auf die vereinbarte Rentenhöhe zu.

Große Bandbreite der beratenen BU-Rentenhöhe

Ergebnis: Von allen potenziellen Kunden haben demnach 41 Prozent eine Monatsrente zwischen 501 und 1.000 Euro ins Auge gefasst, weitere 29 Prozent eine Höhe zwischen 1.001 und 1.500 Euro sowie 16,5 Prozent zwischen 1.501 und 2.000 Euro. Nennenswert sind noch 7,3 Prozent mit einer Rente zwischen 2.001 und 2.500 Euro. Alle anderen Rentenbereiche brachten es nur auf sehr geringe Prozentzahlen.

Wie die Auswertungen weiter zeigen, kann dies bei einzelnen Zielgruppen ganz anders aussehen. Von generell zu geringer Rentenhöhe kann also weder in den Beratungen an sich noch bei den Kundenwünschen- und -möglichkeiten ausgegangen werden. Beispiel Angestellte: Hier ist eine tendenziell höhere Absicherung als bei Beamten nötig. Tatsächlich liegen die Werte bei versicherten Höhen zwischen 1.000 und 2000 Euro denn auch höher als im Gesamtmarkt und bei Beamten, die ja im BU-Fall schon vom Dienstherrn teilweise abgesichert sind.

Angestellte:

  • 501 – 1.000 Euro: 28,1 Prozent,
  • 1.001 – 1.500 Euro: 32,4 Prozent,
  • 1.501 – 2.000 Euro: 23,1 Prozent,
  • 2.001 – 2.500 Euro: 10,3 Prozent.

Beamte:

  • 501 – 1.000 Euro: 55,7 Prozent,
  • 1.001 – 1.500 Euro: 31,3 Prozent,
  • 1.501 – 2.000 Euro: 6,5 Prozent,
  • 2.001 – 2.500 Euro: 1,0 Prozent.

Individuelle Verhältnisse entscheiden

Die richtige BU-Rentenhöhe richtet sich nach den individuellen finanziellen Verhältnissen und der persönlichen Risikoneigung. „Auf der einen Seite ist es sinnvoll, dass BU-Risiko abzusichern, doch auf der anderen Seite ist der Abschluss einer BU-Rente nur die halbe Miete“, schrieb Volker Looman kürzlich in seiner FAZ-Kolumne.

Der Finanzanalytiker rechnete für einen Rechtsanwalt (32) mit gut 3.300 Euro Nettoeinkommen vor, dass er maximal 90 Prozent seines Gehalts absichern könnte. Dies kostet bei einem Anbieter mit gutem Preis-Leistungsverhältnis knapp 200 Euro und läuft bis zum Renteneintritt mit 67. Doch was kommt danach? In jedem Fall fließt die BU-Rente nicht lebenslang (bis auf wenige Ausnahmen am Markt, etwa LV 1871).

Seite 1: Wie die Bandbreite der BU-Rentenhöhe aussieht
Seite 2: Wie im BU-Fall fürs Alter vorsorgen?