Betriebsrenten: Solides Sicherungsnetz bei Firmenpleiten

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Ähnlich positiv betrachtete Henriette Meissner, Geschäftsführerin der Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH, die Lage. „Während des ersten Lockdowns waren die Befürchtungen der Arbeitnehmer groß. Doch jetzt ist der Blick in die Zukunft eher optimistisch“, meinte sie und gab Angestellten die Empfehlung mit auf den Weg: Die bestehende bAV sollte überprüft werden, um sich zu vergewissern, dass tatsächlich alles richtig gemacht wurde. So lohne sich ein Blick in die Bezugsrechte und es könne beispielsweise wichtig sein, sich in der aktuellen Pandemie-Zeit das Einsetzen eines Lebensabschnittsgefährten in die bAV noch einmal genau anzuschauen.  

Arbeitgeber kaufen nicht die "Katze im Sack"

Auch das 2019 ergangene EuGH-Urteil sorgte aus Sicht der Diskussionsteilnehmer für eine sichere Grundlage der Betriebsrenten. Demnach ist der PSV verpflichtet, Pensionskassenzusagen im Falle einer Insolvenz abzusichern, wenn das Einkommen des ehemaligen Arbeitnehmers wegen der Kürzung unter die von Eurostat ermittelte Armutsgefährdungsschwelle fällt. Nach einer Gesetzesänderung, die ab dem 1. Januar 2022 gültig ist, muss der PSV grundsätzlich für Pensionskassenzusagen einstehen. Auch damit ein insolventes Unternehmen leichter an einen neuen Inhaber übergeben werden kann, muss der PSV aus Sicht des EuGH die Anwartschaften der Mitarbeiter bis zum Eintritt der Insolvenz übernehmen – ab dem Zeitpunkt der Unternehmensübergabe ist der neue Inhaber in der Pflicht. Aus Sicht von Henriette Meissner eine sinnvolle Maßnahme. „Kein Arbeitgeber will die Katze im Sack kaufen“, sagte sie. 

Ebenfalls für unwahrscheinlich hielten es die Diskussionsteilnehmer, dass infolge der Pandemie reihenweise Lebensversicherer Insolvenz anmelden – immer wieder wird angesichts des andauernden Niedrigzinsumfelds und der damit verbundenen Probleme für die Lebensversicherer über eine solche spekuliert. Zuletzt hatte Ende vergangenen Jahres Allianz-Chef Oliver Bäte vor der Pleite von Lebensversicherern gewarnt. Tritt dieser Fall ein, kommt Protektor für die Versicherungsansprüche auf, die Verträge der Versicherten bleiben erhalten. Bbvs-Geschäftsführer Rehfeldt sah an dieser Stelle keinen Grund zur Panik: „Bisher hat aber noch kein einziger Lebensversicherer Insolvenz angemeldet.“