Betriebsrenten: Solides Sicherungsnetz bei Firmenpleiten

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Seit Mai gilt das Gesetz zur Abmilderung der Corona-Folgen nicht mehr und Unternehmen müssen wieder Insolvenz anmelden. Das schürt bei vielen Angestellten Ängste um die Sicherheit ihrer Betriebsrenten. Nun gaben Experten Entwarnung und klärten auf.

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Der Pensionssicherungsverein (PSV) und der Lebensversicherungs-Fonds Protektor bieten ein solides Auffangnetz, wenn es darum geht, Betriebsrenten-Ansprüche im Falle einer Insolvenz zu sichern. Bild: Adobe Stock/ginton

Nachdem Ende April die Sonderregelung zur Aussetzung der Insolvenz-Antragspflicht ausgelaufen ist, rückt bei vielen Mitarbeitern eine Frage besonders in den Fokus: Wie sicher ist die Betriebsrente im Falle einer Unternehmenspleite? Fabian Dittrich vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) diskutierte darüber mit Experten. Tenor der Debatte: Deutschland ist in puncto bAV-Absicherung bei einer Unternehmensinsolvenz gut aufgestellt. Durch den Pensionssicherungsverein (PSV) und den Lebensversicherungs-Fonds Protektor gehen Angestellten Betriebsrenten-Ansprüche nicht verloren.  

Pleitewelle wird nicht erwartet

„Elf Millionen Arbeitnehmer stehen unter dem Insolvenzschutz des Pensionssicherungsvereins. Dazu kommen 1,3 Millionen aus den Pensionskassen. Das gibt es so in Europa nicht“, stellte der ehemalige PSV-Vorstand Hans Melchiors klar. Der PSV ist per Gesetz dazu verpflichtet, bei Unternehmensinsolvenzen die Betriebsrenten-Ansprüche der Versorgungsberechtigten zu übernehmen, dies betrifft Rentner wie Rentenanwärter. Komme es zu einer Insolvenz, seien für Arbeitgeber mehrere Stufen zu beachten, erklärte Karsten Rehfeldt, Geschäftsführer der bbvs Beratungsgesellschaft für betriebliche Versorgungssysteme: Verpflichtungen müssten angezeigt und bestätigt werden, auch die Zustimmung der Gesellschafter sei nötig. „Die Rentenzusage muss ausfinanziert sein“, sagte Rehfeldt.  

Dass in den kommenden Monaten tatsächlich eine Pleitewelle bei den Unternehmen eintritt – diese Einschätzung unterschrieben die anwesenden Experten so nicht. „Das ist wie ein Blick in die Glaskugel“, meinte der frühere PSV-Vorstand Melchiors. Bei der Finanzkrise im Jahr 2008 habe sich das Ausmaß der Insolvenzen beispielsweise erst nach der Rezession gezeigt. 2020 sei eine besondere Situation eingetreten. „Wir hatten den zweithöchsten Beitragssatz in der PSV. Das war weniger auf die Pandemieproblematik zurückzuführen, als vielmehr auf Rezessionsansätze aus dem Vorjahr, die sich bemerkbar machten.“ Die Annahme von Finanz-Staatssekretär Jörg Kukies, dass mit einer Steigerung der Insolvenzzahlen um 30 Prozent zu rechnen sei, sage über die Finanzsituation des PSV nichts aus. Denn: Fünf Prozent der PSV-Mitglieder würden für 90 Prozent des PSV-Beitrags aufkommen. „Wenn diese Unternehmen in eine Schieflage geraten, dann hätte das großen Einfluss“, machte Melchiors deutlich. Er sei jedoch optimistisch, dass der Beitragssatz nicht übermäßig steigen werde, sondern sich eher auf dem Niveau des Vorjahres bewege. „Die Regierung hat zur Unterstützung der Wirtschaft einiges unternommen.“ 

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