BaFin: Weniger Prüfungen, aber mehr Beschwerden

Detlef Pohl Versicherungen Top News

Der dauerhafte Niedrigzins setzt den Lebensversicherern weiter zu. Noch gibt es jedoch keine Unterdeckung. Was die Aufsichtsbehörde BaFin auf ihrer Jahreskonferenz in Sachen Aufsicht zu erzählen hatte.

Die Lebensversicherer sind robust genug, um die nächsten Jahre zu überstehen, sagt Versicherungsaufseher Frank Grund. Bild: BaFin/Bernd Roselieb

Die Lebensversicherer sind robust genug, um die nächsten Jahre zu überstehen, sagt Versicherungsaufseher Frank Grund. Bild: BaFin/Bernd Roselieb

Lange haben die Lebensversicherer zu jeder Zeit eine volle Beitragsgarantie geboten. Inzwischen rücken davon immer mehr Gesellschaften ab und offerieren nur noch 90, 80 oder gar 60 Prozent. Das Problem Nr. 1 der Lebensversicherer ist nach wie vor das Dauerzinstief. „Über die Folgen für Versicherer und Pensionskassen hatte eine eigenständige Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht berichtet“, sagte Raimund Röseler, Exekutivdirektor Bankenaufsicht und kommissarischer Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), anlässlich der BaFin-Jahrespressekonferenz 2021 am Dienstag in Frankfurt/Main.

Zur Erinnerung: Auf der Konferenz der Versicherungsaufsicht am 22. April wurde bekannt, dass derzeit rund 20 Lebensversicherer und etwa 40 Pensionskassen unter intensivierter Aufsicht stehen. „Aus der intensivierten Aufsicht kommen Pensionskassen nur mit viel Geld und nachhaltiger Finanzierung raus“, so Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der BaFin.

Die Lebensversicherer nutzten aktuell zunehmend ihren Spielraum, um sich des Niedrigzinsumfelds zu erwehren – vor allem im Neugeschäft auf der Produktseite. Gemeint sind Produkte mit abgesenkten oder gestrichenen Garantien. „Solche Kapital schonenden Produkte verändern den Bestand aber nur schrittweise“, gab Grund zu bedenken.

Solvency II braucht nur Evolution, keine Revolution

Die Vorschläge der europäischen Versicherungs- und Betriebsrentenaufsicht Eiopa zur Solvency-II-Reform bringen laut Grund neue Sorgen für deutsche Lebensversicherer „in Gestalt der risikofreien Zinsstrukturkurve“. Dies würde nach jetzigem Stand zu deutlich erhöhten Kapitalanforderungen führen. Die BaFin hoffe auf Nachjustierungen. „Es braucht keine Revolution bei Solvency II, sondern eine sinnvolle Evolution“, betonte Grund.

„Existenzbedrohend ist die Situation für die Lebensversicherer aus heutiger Sicht nicht“, urteilte die Behörde genau vor einem Jahr auf der Jahrespressekonferenz. Diesmal befasste sich Röseler als oberster Bankenaufseher und stellvertretend für den entlassenen Behördenchef Felix Hufeld jedoch grundsätzlicher mit der BaFin-Bilanz. Selbstkritisch gab er zu, in Bezug auf Banken die Aufsicht an die neue Realität anpassen und sich „noch intensiver hinter die Fassade der Institute schauen zu müssen“.

Eigene BaFin-Taskforce für Prüfung vor Ort kommt

Die klassischen Kennziffern wie die Eigenkapitalquote und Liquiditätskennziffern allein reichten nicht aus, um alle Risiken zu erkennen. Das war schon bei Wirecard so – und später auch bei der Greensill Bank, so Röseler. Bei letzterer lobt sich die BaFin selbst für ihre „gute Arbeit“. Man habe „aufgedeckt, dass die Bank das breit diversifizierte Kreditportfolio, das sie in ihrer Bilanz auswies, gar nicht hatte“. In jedem Fall müssten die Aufsichtsansätze gründlich reformiert werden.

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