Altersvorsorge: Zinslos in die Zukunft – aber wie?

Detlef Pohl Berater Top News

Wenn die vollständige Beitragsgarantie nicht kippt, bleiben bAV-Beitragszusagen und die Riester-Rente auf der Strecke. Warum das schon 2022 droht, machten die Pensionsaktuare auf ihrer virtuellen Jahrestagung 2021 in der vergangenen Woche deutlich.

Es muss künftig mit weniger Garantien gehen, weil Versorgungslücken sich anders nicht nachhaltig füllen lassen, sagt Aktuar Friedemann Lucius, Vorstandschef des IVS. Bild: Heubeck

Es muss künftig mit weniger Garantien gehen, weil Versorgungslücken sich anders nicht nachhaltig füllen lassen, sagt Aktuar Friedemann Lucius, Vorstandschef des IVS. Bild: Heubeck

Wegen der Niedrigzinsen wird ab 2022 für das Neugeschäft in der Lebensversicherung der Höchstrechnungszins von 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent gesenkt. Damit wächst auch der Druck in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) auf die Garantien, denn in der weit verbreiteten Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) wie auch bei der betrieblichen Riester-Rente sind weiterhin 100 Prozent Garantie vorgeschrieben, ebenso bei der privaten Riester-Rente.

Seit längerem fordern die deutschen Aktuare, bei Riester und der BZML von der gesetzlich vorgeschriebenen 100-Prozent-Garantie abzurücken. „Andernfalls gibt es morgen am Markt vermutlich keine Riester-Rente und BZML mehr“, prophezeite Guido Bader, bislang Vorstandschef der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) und nun „Past President“ im Vorstand des Gremiums. „Der vollständige Beitragserhalt mündet in einen Realwertverlust“, so Bader weiter auf der virtuellen Jahrestagung der DAV und der Deutschen Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik.

Warum sich Politik mit Absenkung von Garantien schwertut

Aktuell scheint die Politik zu Absenkungen des Garantieniveaus in der BZML und bei der Riester-Rente nicht bereit zu sein. „Bei der Anpassung von Garantien bei Altersvorsorge-Produkten braucht es gute Kommunikation und Transparenz, ehe sich etwas bewegt“, sagte Burkhard Balz, Vorstand der Deutschen Bundesbank, auf der Tagung. „Die Abschaffung der 100-Prozent-Garantie ist für die Politik nicht leicht, da viele Bürger risikoavers anlegen wollen“, ergänzte Gundula Roßbach. Am Ende erwarteten die Sparer eine verlässliche Zusatzrente, weshalb wiederum Politiker auf Garantien schauen, fügte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund hinzu. Und dabei wohl auch Wahlen im Blick haben, darf man angesichts der gescheiterten Riester-Reform ergänzen.

Herbert Schneidemann, bisher Vize- und nun Vorstandschef der DAV, sieht im kollektiven Sparen einen wichtigen Beitrag zur Generationengerechtigkeit. „Gegenüber dem Individualsparen, etwa mit ETF-Vermögensverwaltung, bekommt Kunde ein gemischtes Portfolio mit Volatilitätsabfederung im Kollektiv und über die Zeit“, ermuntert er Berater zu offensiven Kundengesprächen. Es brauche keine neuen Staatsfonds-Modelle, sondern Vertrauen. „Dazu gehört, dass die Politik ein flexibles Garantiespektrum zwischen 0 und 90 Prozent auch in der bAV und bei Riester erlaubt“, so Schneidemann, im Hauptberuf Vorstandschef der Bayerischen, auf der Tagung weiter.

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