All-Risk-Versicherungen: Alles andere als Rundum-Sorglos-Paket

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Obwohl die Axa selbst verschiedene Allgefahrenpolicen anbietet, sieht er diese kritisch. „All-Risk-Policen haben zwar für risikoaverse Kunden ihre Daseinsberechtigung, sollten aber erst am Ende eines Beratungsgesprächs stehen“, rät Hunold. An erster Stelle sollten Makler die Absicherungsbedarfe der Kunden erfragen, empfiehlt er, und nur bei extrem risikoscheuen Kunden die kostspieligen Allgefahrenversicherungen als Option auf den Tisch legen.

Ist die entsprechende Klientel erstmal gefunden, sind All-Risk-Policen gerade am Anfang sehr beratungsintensiv. Beispiel Hausratversicherung: „All-Risk-Versicherer brauchen als Basis für ihre Kalkulation aktuelle und nach Sachgruppen differenzierte Versicherungssummen“, sagt All-Risk-Vermittler Floetemeyer. Vom Chagall-Kunstwerk bis zum Toaster: Makler sollten die Versicherungssumme so adäquat wie möglich aufführen, damit auch wirklich alles versichert ist und die Prämie die richtige Höhe hat. Um Versicherungssummen möglichst präzise zu ermitteln, macht Floetemeyer Hausbesuche, denn häufig schätzen Kunden diese selbst niedriger ein, als sie tatsächlich sind.

Achtung, Obliegenheiten!

Die größten Stolpersteine in der Beratung lauern aber nicht bei der Versicherungssumme, sondern bei den Obliegenheiten, also den Verpflichtungen der Versicherten gegenüber der Versicherung. Ob ein offen gelassenes Fenster oder das Fehlen einer Alarmanlage schon als fahrlässig gilt, sollten Berater vorab klären und ihren Kunden deutlich mitteilen. Verhält sich der Versicherte aus Anbietersicht fahrlässig, kann das im Schadenfall zum Problem werden. „Makler haben oft nicht alle Obliegenheiten auf dem Schirm“, sagt Hunold von der Axa. „Kunden dürfen sich eben auch bei einer All-Risk-Police nicht in dem Glauben wähnen, alles sei versichert, auch wenn sie grob fahrlässig Obliegenheitspflichten verletzen.“

Das gilt für gewerbliche ebenso wie für private All-Risk-Policen. „Fast alle Rechtsstreitigkeiten nach Schadenfällen drehen sich um das Thema Obliegenheiten“, sagt Cäsar Czeremuga. Er ist Rechtsanwalt und Berater für Unternehmen im Haftungs- und Versicherungsrecht bei der Kanzlei Wilhelm Rechtsanwälte in Düsseldorf. Rechtsstreitigkeiten zu Obliegenheitsthemen landen immer wieder auf seinem Tisch.

Oft sind die Obliegenheiten sehr vage formuliert, bemängelt der Jurist. Typisch ist etwa eine Klausel, in der steht, der Versicherungsnehmer solle „alle gesetzlichen, behördlichen oder in dem Versicherungsvertrag vereinbarten Sicherheitsvorschriften beachten“. Was genau das bedeutet, weiß nicht einmal der Anwalt.

Weit gefasste Klauseln wie diese sind aus Versicherersicht aber notwendig. „Im Umkehrschluss würde es bedeuten, der Versicherer müsste alle diese Vorschriften explizit als Obliegenheiten in die Allgemeinen Versicherungsbedingungen aufführen“, erklärt Christian Buschkotte, Managing Director beim der Provinzial-Tochterfirma Andsafe, die Inhaltsversicherungen für Unternehmen anbietet.

Trotzdem ist diese Klausel im Schadenfall häufig Streitgrund zwischen Versicherungsnehmern und Versicherern, warnt Rechtsanwalt Czeremuga. Um solchen Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, sollten Makler jeden noch so kleinen Punkt abklären und im Zweifel bei den Anbietern Rückfragen stellen, empfiehlt er.

Das gilt ebenso für alle Obliegenheiten privater All-Risk-Policen. „Damit eine All-Risk-Police am Ende für den Kunden und seinen Makler tatsächlich ein echtes „Rundum-Sorglos-Paket“ für viele Jahre ist, müssen Makler besonders kompetent und gründlich beraten“, sagt All-Risk-Makler Floetemeyer. „Dann hält die Schadenbearbeitung am Ende, was der Vertrag verspricht.“

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