All-Risk-Versicherungen: Alles andere als Rundum-Sorglos-Paket

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Allgefahren-Policen suggerieren den jederzeitigen Rundum-Schutz und scheinen für Makler daher ein unkompliziertes Geschäft. Doch die teuren Policen schränken die Klientel ein und bergen im Schadenfall böse Überraschungen.

All-Risk-Versicherungen Bild: Adobe Stock/ Visual Generation

Auch mit Allgefahrenpolicen können Versicherungsnehmer nicht jeden Schaden absichern. Oft gibt es eine ganze Reihe an Risiken, die ausgeschlossen sind. Bild: Adobe Stock/ Visual Generation

Ein Sturm fegt über das Land, beschädigt das Dach des Hauses eines versicherten Kunden und verursacht einen riesigen Schaden. Der Versicherte ist sich sicher, dass seine Gebäudeversicherung für den Schaden aufkommt, immerhin deckt seine Police Sturmschäden ab. Doch dann folgt die böse Überraschung: Die Versicherung kommt nur für Schäden ab Windstärke acht auf – ärgerlich, denn der aktuelle Sturm lag mit 7,8 nur leicht darunter, war aber nicht weniger folgenschwer. Auf den Makler, der die Police vermittelt hat, kommen nun unangenehme Diskussionen zu. Im schlimmsten Fall muss er sogar für den Schaden haften, wenn er den Kunden beim Abschluss nicht ausreichend beraten hat.

Solche bösen Überraschungen in der Schadenbearbeitung gehören für Makler zum unliebsamen Teil des Jobs. Eine Lösung für das Problem bieten All-Risk-Versicherungen. Sie finden sich im privaten Bereich am häufigsten bei Wohngebäude- sowie Hausratversicherungen wieder, im gewerblichen Bereich in Form von Inhaltsversicherungen. Zu den bekanntesten Anbietern von All-Risk-Policen gehören etwa die Hiscox, die Helvetia, die Axa, die HDI, die Bayrische und die Allianz.

(K)ein Rundum-Sorglos-Paket

Im Vergleich zu den Standard-Versionen haben diese Policen einen entscheidenden Vorteil: Ob Einbruch-, Feuer- oder Sturmschäden – Makler und Versicherte müssen im Vertrag nicht mühsam zusammensuchen, was die Police alles abdeckt. Sie versichert automatisch alle Risiken, die nicht explizit ausgeschlossen sind. „Diese Sicherheit, dass eine bestmögliche Absicherung gewählt wurde, minimiert nicht nur die Haftung des Maklers, die Police ist auch für den Kunden deutlich sinnvoller und verständlicher“, sagt Daniel Steinberger, Berater beim Versicherungsmakler Fairfekt. Er vermittelt All-Risk-Policen und weiß deren Vorteile zu schätzen.

Allerdings ist eine Versicherung, die jedes Risiko abdeckt, zu schön – und auch zu teuer –, um wahr zu sein. Auch mit Allgefahrenpolicen können Versicherungsnehmer nicht jeden Schaden absichern: „Es gibt je nach Tarif noch eine ganze Anzahl an Risiken, die ausgeschlossen sind“, erklärt Steinberger. Dazu gehören bei Gebäudeversicherungen beispielsweise oft Kriegsereignisse, Allmählichkeits- oder Bauschäden. Das Problem: „Kunden könnten sich in falscher Sicherheit wiegen, weil der Tarif zwar „All-Risk“ heißt, aber es eben doch einfach nicht möglich ist, alle Eventualitäten zu versichern“, warnt Steinberger.

Damit es in der Haftung hinterher nicht zu Schwierigkeiten kommt, müssen Berater deshalb auch bei All-Risk das Kleingedruckte lesen und den Kunden sämtliche Ausschlüsse erklären, sodass gar nicht erst Fehlvorstellungen entstehen.

Eine Preisfrage

Trotz der Ausschlüsse ist in Allgefahren-Policen immer noch einiges mehr abgedeckt als in Standardversicherungen der gleichen Art. Das hat allerdings auch seinen Preis: All-Risk-Versicherungen kosten Versicherte häufig mindestens das Doppelte der Prämien, die sie für Standard-Sachversicherungen zahlen müssten, weiß Robert Floetemeyer, Experte für Sachversicherungen und All-Risk-Policen beim Makler Hoesch & Partner. So können All-Risk-Hausratversicherungen schnell 1.500 bis 1.600 Euro im Jahr kosten. Daher sind sie nach wie vor ein Nischenprodukt. „Private Allgefahren-Versicherungen für Gebäude und Hausrat können als Premium-Segment angesehen werden“, sagt Floetemeyer. „Sie nehmen in der Regel hochwertige Haushalte in gehobenen Wohnlagen in den Fokus.“

Einige Anbieter haben bei ihren Versicherungssummen sogar Limits nach unten und versichern etwa nur einen Hausrat mit einem Mindestwert von 300.000 Euro. Entsprechend haben es Berater gerade im Privatbereich nicht leicht, Kunden für diese Police zu gewinnen. „Nur alteingesessene und traditionsreiche Versicherungsmakler verfügen über die erforderlichen Verbindungen, um hier erfolgreich einen Schwerpunkt ihrer Geschäftsausrichtung setzen zu können.“, erklärt Floetemeyer.

Bessere Vermittlungschancen haben Makler alternativ bei Kunden mit hohem Sicherheitsbedürfnis aus dem gehobeneren Mittelstand. Allerdings sehen Experten aus der Branche das teilweise kritisch. „All-Risk-Policen sind für Kunden vor allem über den Preis miteinander vergleichbar, kaum aber über den Inhalt. Daraus ergibt sich die Gefahr, dass risikoaverse Kunden alles Mögliche versichern wollen und Risiken mitbezahlen, die sie gar nicht versichern müssten“, warnt Claus Hunold, Leiter des Maklervertriebs Komposit bei der Axa.

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