Aktienrente: Das FDP-Modell bei Lichte besehen

Detlef Pohl Berater Top News

Welche Annahmen getroffen wurden

Das Niveau der Ansprüche aus der gesetzlicher Altersvorsorge würde durch die Reform ab 2030 zunächst stabilisiert und begänne nach 2040 tendenziell wieder zu steigen. Die Studie rechnet mit „eher moderaten Annahmen zur Höhe der Rendite von 6,5 Prozent pro Jahr, die sich bei einer internationalen Anlagestrategie auf Aktienbasis langfristig erreichen lässt“. Volle Entfaltung gäbe es erst nach 2060, wenn Zugangsrentner während ihrer gesamten Erwerbsphase, also mehr als 40 Jahre, in die gesetzliche Aktienrente eingezahlt hätten.

Die Langfassung der Studie enthält Beispielrechnungen aus Sicht der Versicherten. Für vier typisierte Erwerbsbiographien der Geburtsjahrgänge 1964, 1973, 1983 und 1992 wird jeweils ein Durchschnittsverdiener (40 Entgeltpunkte), ein Geringverdiener-Mann (22 Entgeltpunkte), eine Geringverdiener-Frau mit Kind und langer Erziehungsphase (15 Entgeltpunkte) sowie eine Geringverdiener-Frau, die jedoch nur ein Jahr nach der Geburt pausiert (25 Entgeltpunkte) herangezogen.

Mindestens 11 Prozent mehr Rente ab 2040

Ausgewiesen werden die veränderten Renten nach Abzug von Sozialbeiträgen und Einkommensteuer, inflationsbereinigt und ohne Berücksichtigung weiterer Alterseinkommen. Ergebnis: Die Einführung einer Aktienrente kann bereits bei einer Ansparphase bis 2040 die bis dahin absehbare Absenkung des GRV-Rentenniveaus so gut wie wettmachen, so die Studie. Die Zugangsrenten 2040, also für den Jahrgang 1973, erhöhen sich unter den getroffenen Annahmen netto um 11,1 bis 13,1 Prozent, während das konventionell bestimmte Sicherungsniveau (vor Steuern) der GRV-Renten gegenüber 2019 um 12,7 Prozent zurückgeht.

Beim Jahrgang 1992, der 2060 in Rente geht, würde die Aktienrente dann netto sogar zu einer Steigerung von rund 30 Prozent gegenüber der heutigen GRV-Rente führen, nur die Geringverdiener-Frau mit langer Kindererziehungspause erreicht nicht ganz so hohen Werte (fast 22 Prozent Steigerung). „Die Ergebnisse der Ruhr-Universität bestärken uns in unserem Reformvorschlag“, fasst Vogel die Studie zusammen. „Gerade Menschen mit geringen Einkommen würden so erstmals von den Chancen der globalen Aktienmärkte profitieren und zu Unternehmensteilhabern werden“, so der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitiker. Das diene unmittelbar der Generationengerechtigkeit.

Ob der Reformvorschlag, der eine gewisse Faszination besitzt, auf fruchtbaren Boden fällt, hängt auch vom Ergebnis der Bundestagswahl am 26. September ab. In Umfragen vom 12. Mai liegt die FDP bei 11,0 bis 12,0 Prozent der Stimmen und wäre damit viertstärkste Kraft im neuen Bundestag. Umfragen sind jedoch traditionell nur eine Momentaufnahme und treffen selten das tatsächliche Wahlergebnis.

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