AG-Zuschuss: Bürokratiemonster oder leichte Übung?

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Top News

Welche Angebote Axa Bestandskunden macht

Aus Sicht der Versicherer ist es nachvollziehbar, wenn Policen aus Tarifgenerationen mit hohem Rechnungszins nicht mit dem neuen AG-Zuschuss aufgestockt werden können. „Dies kann im Ergebnis zu einer weiteren Risikovorsorge in Form zusätzlicher Zinszusatzreserve führen“, sagt Frederick Krummet, Leiter Corporate Employee Benefits im Axa-Konzern. Im Durchschnitt handelt es sich um Kleinstbeträge.

Für alle Bestandsverträge bei Axa gilt aber zum Glück für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Berater: Der AG-Zuschuss kann im bestehenden Vertrag zur Entgeltumwandlungsvereinbarung umgesetzt werden. „Wir machen zwischen den einzelnen Tarifgenerationen keinen Unterschied und erlauben die Aufstockung in der seinerzeit abgeschlossenen Tarifgeneration“, bekräftigt Krummet. Das hatte er bereits auf dem profino-bAV-Kongress im Interview angekündigt.

Auf Nachfrage von procontra ergänzte Krummet nun: „Bei Risikoversicherungen, etwa der betrieblichen BU-Versicherung, erhöhen wir die Leistungen um den AG-Zuschuss, ohne eine erneute Gesundheitsprüfung durchzuführen.“ Für den Zuschuss werde das aktuelle Eintrittsalter zugrunde gelegt.

Hilfe von Axa auch für potenzielle Neukunden

Axa macht Arbeitgebern und Beratern auch Angebote für Entgeltumwandlungen, die bei Wettbewerbern eingedeckt sind, die den AG-Zuschuss nicht in Bestandsverträgen zulassen. „Wir bieten den Neuabschluss eines Kollektivvertrags zur Relax bAV-Rente Comfort Plus bei uns an“, so Krummet. Voraussetzungen: Der durchschnittliche Monatsbeitrag für den AG-Zuschuss beträgt mindestens 12 Euro, das künftige bAV-Neugeschäft wird im Kollektivvertrag bei Axa angemeldet und es werden mindestens zehn Personen (innerhalb von 12 Monaten) versichert.

Zusätzlich müsse das Verhältnis von Neuverträgen (AG-Zuschuss) und neuen Verträgen (Entgeltumwandlung) mindestens 2:1 betragen. „Möchte man 20 Verträge zur Umsetzung des AG-Zuschusses versichern, so müssen mindestens 10 Neuverträge zur Entgeltumwandlung versichert werden“, erklärt Krummet.

Probleme bei der Berechnung des Zuschusses

In jedem Fall muss demnächst festgelegt werden, wie der AG-Zuschuss genau berechnet wird. Der Gesetzgeber hat dazu schwammige Vorgaben gemacht, die sich in der Praxis nicht oder nur schlecht umsetzen lassen. „Statt der angestrebten einfachen Lösung drohen hohe Komplexität und Verunsicherung“, hatte Cera schon vor einiger Zeit kritisiert. „Nach entsprechender vertraglicher Flankierung ersetzt der Zuschuss bisherige Beitragsteile des Arbeitnehmers, was letztlich bei 100 Euro Beitrag nur 13,04 Euro Zuschuss, also gut 13 Prozent bedeutet, denn 86,96 Euro Umwandlung zuzüglich 15 Prozent ergeben den vereinbarten Beitrag von 100 Euro“, erklärt Cera.

Auch Axa-Experte Krummet kommt auf ähnliche Größenordnungen. Dagegen meint Rentenberater Rehfeldt: „Der Zuschuss muss auf Basis des alten Umwandlungsbetrages berechnet werden, bei 100 Euro Umwandlungsbetrag beträgt der Zuschuss also 15 Euro.“ Würde man über einen Dreisatz rechnen (100*100/115), beträgt der Zuschuss nur 13,04 Euro und damit weniger als 15 Prozent, konstatiert der Rentenberater. „Dies würde eine doppelte Kürzung beim Arbeitnehmer bedeuten, nämlich einmal eine Kürzung der Entgeltumwandlung und dann noch eine Kürzung des Zuschusses, was der Gesetzesbegründung für das BRSG widerspräche“, so Rehfeldt, der eine spezielle Website für Arbeitgeber und Berater installiert hat.

Die Berechnungsweise wird also kontrovers diskutiert. Das letzte Wort scheint längst noch nicht gesprochen zu sein. Es bleiben spannende Monate bis zum Start der neuen Regelung für Entgeltumwandlungen, die vor 2019 vereinbart worden waren.

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