Zahl der Grundsicherungs-Empfänger steigt

Anne Mareile Walter Versicherungen

Immer mehr Menschen plagen im Alter finanzielle Sorgen oder sie müssen sich wegen Krankheit oder Behinderung vom Staat unter die Arme greifen lassen: 1,1 Millionen Menschen haben im Dezember 2020 Grundsicherungs-Leistungen bezogen – die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen.

Grundsicherung Bild: Adobe Stock/bilderstoeckchen

Die Zahl der Bezieher von Grundsicherung steigt. Ein Grund ist die zunehmende finanzielle Schieflage im Alter. Bild: Adobe Stock/bilderstoeckchen

Die Zahl der Menschen, die im Dezember 2020 Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bezogen hat, ist im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, waren das mit knapp 1,1 Millionen Leistungsempfängern rund 14.000 mehr als im Dezember 2019. Dies entspricht einer Steigerung um 1,3 Prozent.

Leistungsberechtigt sind Erwachsene, die entweder dauerhaft voll erwerbsgemindert sind oder eine gesetzlich festgeschriebene Altersgrenze erreicht haben und ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen und Vermögen sicherstellen können. Bei Personen, die vor dem Jahr 1947 geboren wurden, liegt die Altersgrenze bei 65 Jahren. Für nach 1947 Geborene wird die Altersgrenze seit 2012 schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Im Dezember 2020 lag die Grenze daher bei 65 Jahren und neun Monaten. Nach der aktuellen Erhebung von Destatis erhielten mit 51,3 Prozent etwas mehr als die Hälfte aller Grundsicherungs-Empfänger die sogenannte Grundsicherung im Alter.

Hohe Dunkelziffer in puncto Altersarmut

48,7 Prozent bezog die Leistung wegen einer dauerhaft vollen Erwerbsminderung. Dies ist dann der Fall, wenn eine Person wegen Krankheit oder einer Behinderung täglich weniger als drei Stunden unter den üblichen Bedingungen des Arbeitsmarktes tätig sein kann und das über einen nicht absehbaren Zeitraum.

Experten gehen bei der Grundsicherung im Alter allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, das Problem der Altersarmut dürfte demnach weitaus größer sein als aus der Destatis-Erhebung hervorgeht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) untersuchte in den Jahren 2018 und 2019 in einer Studie die Dunkelziffer in Bezug auf Altersarmut und kam zu dem Schluss: Mehr als 60 Prozent der anspruchsberechtigten Senioren verzichten auf den Bezug von Grundsicherung im Alter, mit der sie ihre kleinen Renten aufbessern könnten. Grund dafür seien Unwissen, hohe bürokratische Hürden oder die Scham vor dem Gang zum Amt. Schätzungsweise 625.000 Privathaushalte würden ihren Anspruch auf die Sozialleistung nicht wahrnehmen.