„Wir haben teils Aktien im Fonds, die sich verzwanzig- oder verdreißigfacht haben“

Investmentfonds Top News von Heike Gorres

Kein nachhaltig orientierter Fonds war in der jüngeren Vergangenheit so erfolgreich wie der Green Benefit Global Impact der Fondsboutique Green Benefit AG. Wir sprachen mit Gründer und Fondsberater Manfred Wiegel über seinen strikten Nachhaltigkeitsansatz, zukünftige Technologien und grünen Wasserstoff.

Manfred Wiegel Bild: Green Benefit AG

Manfred Wiegel ist Gründer und Vorstand der Fondsboutique Green Benefit AG in Fürth und verantwortet als Advisor den Green Benefit Global Impact Fund. Bild: Green Benefit AG

Mit einem sehr strikten Nachhaltigkeitsansatz hat eine kleine Fürther Fondsboutique über die vergangenen zwölf Monate 180 Prozent Gewinn gemacht. Fondsberater Manfred Wiegel erklärt, welche Investments für ihn nicht infrage kommen und bei welchen Themen er zukünftiges Potential sieht.

procontra: Herr Wiegel, der Fonds Green Benefit Global Impact hat wegen seiner starken Wertentwicklung in den vergangenen Monaten viel Aufmerksamkeit erhalten. Sehen Sie darin auch eine Anerkennung Ihres Anlageansatzes?

Manfred Wiegel: Die Wertentwicklung ist natürlich sehr erfreulich, weil wir so das Vertrauen unserer Investoren zurückzahlen können. Als Verwalter von Geld ist ja unser eigentlicher Auftrag, eine gute Performance zu erzielen. Wenn wir das noch mit einem nachhaltigen Ansatz tun können, ist es umso schöner. Am meisten freut uns, dass wir zeigen können, dass man mit nachhaltigen Investments richtig gutes Geld verdienen kann.

procontra: Was sind die wesentlichen Aspekte Ihres Ansatzes?

Wiegel: Wir konzentrieren uns auf Aktien sogenannter Pure-Player im Umweltbereich, also auf Unternehmen, die allein in einem bestimmten Sektor tätig sind. Etwa im Bereich Solar, Wasserstoff/Brennstoffzellen oder Elektromobilität/Batterien. Aus zehn Sektoren suchen wir weltweit die aus unserer Sicht interessantesten Unternehmen heraus. Kategorisch ausgeschlossen sind Bereiche wie Agrar-Gentechnik, Erdöl, Fracking, Kohle und Atomkraft.

procontra: Einige ESG-Fonds schließen Atomkraft konsequent aus. Einzelne Fondsanbieter, die die Reduktion des Kohlendioxidausstoßes als Nachhaltigkeitsansatz verfolgen, investieren auf unterschiedliche Weise auch in Kernenergie. Ohne sie sei der CO2-Ausstoß nicht ausreichend einzudämmen, lautet das Argument.

Wiegel: Diese Ansicht teile ich nicht, anders als zum Beispiel Bill Gates oder auch Frankreich. In diesem Punkt folge ich gern dem Ansatz in Deutschland. Ich habe mit großen Schmerzen erlebt, was Fukushima angerichtet hat und davor Tschernobyl. Nur aus dem CO2-Argument heraus kann man aus meiner Sicht kein Befürworter von Kernenergie mehr sein. Es gibt immer mehr „grüne“ Technologie aus erneuerbaren Energien und anderen Formen wie Wasserstoff, die sich immer weiter entwickeln. Atomkraft ist allenfalls eine Brückentechnologie gewesen. Allein schon wegen des Themas Endlager ist sie für mich ein No-Go.

procontra: Aktien von Mischkonzernen nehmen Sie nicht in das Portfolio auf. Auch auf diese Weise setzen Sie Ihr Ausschließlichkeitsprinzip konsequent um. Wie ordnen Sie vor diesem Hintergrund einen Best-in-Class-Ansatz ein als Ansatz für Nachhaltigkeit?

Wiegel: Das ist eine wichtige Frage. Viele Nachhaltigkeitsfonds und ETF haben zum Beispiel Konzerne mit Geschäftsfeldern wie Erdöl im Portfolio. In einem Best-in-Class-Ansatz, den die meisten dieser Fonds anwenden, ist es dann eben der „sauberste“ unter den Ölwerten. Sehr prominent war 2010 der Fall der explodierten Ölplattform Deepwater Horizon, die eine große Ölpest im Golf von Mexiko verursacht hat. Damals mussten sich zahlreiche Manager von Nachhaltigkeitsfonds die Frage stellen lassen, warum die involvierte British Petrol im Portfolio enthalten ist.

procontra: Mittlerweile gibt es zahlreiche unverbindliche und teils wachsweiche Siegel, Ratings, Zertifikate. Die oft genannten ESG-Kriterien sind ebenfalls nicht verbindlich definiert. Greenwashing ist insgesamt Tür und Tor geöffnet. Wie könnte dieser Problematik begegnet werden?

Wiegel: Aus unserer Sicht kann man dieser Problematik nur über eine hohe Transparenz über die Investitionen in einem Portfolio begegnen. Anleger sollten sich die Inhalte genau anschauen, gegebenenfalls nachfragen und dies mit ihren Vorstellungen einer grünen Kapitalanlage abgleichen. Nur dann kann jeder für sich selbst Greenwashing ausschließen. Denn letztlich legt jeder für sich selbst fest, was „grün“ ist und was nicht.

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