„Wer in Industriemetalle investiert, hat andere Interessen als ein Goldanleger“

Sachwerte Top News von Marilena Piesker

procontra: Können Berater den Einstieg in Kupfer noch empfehlen?

Raphael Scherer: Ich denke schon. Auch wenn der Preis zuletzt stark gestiegen ist, sehe ich noch Luft nach oben. Schließlich ist das Metall unabdingbar für die Industrie. Außerdem ist Kupfer ein gutes Konjunkturbarometer. Das bedeutet: Steigt der Preis, gehen die Märkte in der Regel von einem wirtschaftlichen Aufschwung aus – was wiederum die Nachfrage nach Kupfer befeuert.

procontra: Welche Entwicklungen könnten den Kupferpreis noch treiben?

Raphael Scherer: Kupfer wird in großen Mengen beim Hausbau verwendet, aber auch in der Elektronik und in Autos. Vor allem Elektrofahrzeuge enthalten große Mengen an Kupfer – dort wird es etwa in Form von Kabeln oder Rotoren eingesetzt. Auch bei der Gewinnung erneuerbarer Energien spielt Kupfer eine Rolle. Zudem war die Produktion in den Minen im vergangenen Jahr eingeschränkt, das hat das Angebot stark geschmälert. Grundsätzlich ist das natürlich eine schöne Entwicklung, aber der ganze Hype um Industriemetalle hat auch einen Nachteil.

procontra: Der wäre?

Raphael Scherer: Steigende Rohstoffpreise sind zwar grundsätzlich erstmal gut für Anleger, aber sie schüren auch Inflationsängste. Und das nicht zu Unrecht, denn am Ende treffen sie die Verbraucher direkt. Erhöhen Kupferminen, aufgrund der Nachfrage die Preise, sind Kupferkabel am Ende der Lieferkette auch für Automobilhersteller im Einkauf teurer – und das geben sie an die Käufer weiter. Hinzu kommt die expansive Geldpolitik der Zentralbanken. Derzeit rechnen viele Anleger mit einem sprunghaften Anstieg der Inflation und versuchen sich dagegen abzusichern.

procontra: Indem sie auf Edelmetalle wie Gold setzen?

Raphael Scherer: Zum Beispiel. Wer in Industriemetalle investiert, hat andere Interessen als ein Goldanleger: Er hofft auf steigende Kurse. Investoren, die auf Gold setzen, wollen sich dagegen vorrangig gegen steigende Verbraucherpreise und Geldentwertung absichern. Gold erfüllt im Portfolio somit einen gänzlich anderen Zweck als Industriemetalle. Ich persönlich halte Gold auch immer noch für ein Instrument, um sich gegen diese Risiken schützen. Was als Investment interessant ist, hängt aber vor allem von der Intention des Anlegers ab. Letzten Endes sollten sich Vermittler fragen, wie risikobereit ist mein Kunde? Daran sollte sich entscheiden, ob sie lieber auf Industriemetalle wie Kupfer oder Lithium setzen oder in Gold investieren wollen.

procontra: Halten Sie Industriemetall-Investments für spekulativ?

Raphael Scherer: Industriemetalle sind grundsätzlich sehr volatil, also schwankungsanfällig, denn sie hängen stark von der Konjunktur ab und bieten definitiv keinen guten Inflationsschutz. Sie eignen sich nicht dazu, Risiken zu diversifizieren. Diese Eigenschaften besitzen vor allem Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin, die nicht ausschließlich nur in der Industrie vorkommen.

procontra: Sehen Sie beim Goldpreis noch Luft nach oben?

Raphael Scherer: Definitiv. Zum einen ist mit der Corona-Krise die Nachfrage nach Gold bei privaten Anlegern gestiegen und wir, als Edelmetallhändler, erfahren derzeit keine Umkehr dieses Trends. Zum anderen ist durch die Pandemie die Schmuckproduktion zum Erliegen gekommen – wenn diese wieder anzieht, werden Nachfrage und Preis wieder steigen.

procontra: Wie sollten Vermittler die Portfolien der Anleger bestücken?

Raphael Scherer: Grundsätzlich ist meine Empfehlung, zehn Prozent eines Portfolios in Edelmetalle zu investieren. Industriemetalle sollten lediglich als Beimischung ins Depot. Wer an einen baldigen Aufschwung hofft, kann auf Kupfer, Eisen, Zink oder Lithium spekulieren.

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Kupfer: Immer noch ein lohnendes Investment?