Wann Steuern auf die Versicherungsleistung fällig sind

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Versicherungen Meistgeklickt

Unterschiede bei gesetzlicher und privater Unfallpolice

Auch alle nicht einkunftsbezogenen Schadenersatzrenten und Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung werden nicht besteuert. Komplizierter ist es bei privaten Unfallpolicen, die über die Firma abgeschlossen werden:

  • Arbeitnehmer ist Versicherungsnehmer: Einmalige Zahlungen des Versicherers zählen zu den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit (und sind so zu versteuern), wenn kumulativ diese Voraussetzungen erfüllt sind: Es handelt sich um Entschädigungen für entgangene oder entgehende Einnahmen aus nichtselbständiger Tätigkeit, der Unfall ist im beruflichen Bereich eingetreten und die Versicherungsbeiträge sind ganz oder teilweise als Werbungskosten angesetzt worden. Wiederkehrende Leistungen aus einer privaten Unfallversicherung, die gleichbleibend über die Lebenszeit gezahlt werden, sind als Leibrenten mit dem Ertragsanteil zu versteuern.
  • Arbeitgeber ist Versicherungsnehmer: Ist er alleiniger Anspruchsberechtigter, stellen die Beiträge des Arbeitgebers keinen Arbeitslohn dar. Leitet er im Schadenfall Versicherungsleistungen an den Arbeitnehmer weiter, führen die bislang gezahlten Beiträge bei der Auszahlung zu Arbeitslohn in Form von Barlohn, begrenzt auf die ausgezahlte Versicherungsleistung. Dies gilt unabhängig davon, ob der Unfall im beruflichen oder privaten Bereich des Arbeitnehmers eingetreten ist. Ist der Arbeitgeber zum Schadensersatz gesetzlich oder arbeitsvertragsrechtlich verpflichtet, sind die Versicherungsleistungen steuerfrei.

Bei Betriebsunterbrechung kommt es darauf an

Aktuell stellt sich die Steuerfrage bei Sachversicherungen insbesondere im Zusammenhang mit Entschädigungen aus der Betriebsunterbrechungsversicherung. Obwohl der Betrieb im Mittelpunkt steht, sind die Versicherungsleistungen keinesfalls generell betriebliche Einnahmen. Die Rechtsprechung unterscheidet drei Fallkonstruktionen:

  • Betriebliche Risiken: Die Ansprüche gehören zum Betriebsvermögen, die Versicherungsleistungen sind Betriebseinnahmen, die Beiträge sind Betriebsausgaben. Auch ein Quarantänerisiko ist betrieblich veranlasst. Zudem gehören betriebsspezifische Krankheits- oder Unfallrisiken zur betrieblichen Sphäre.
  • Allgemeine private Risiken: Krankheits- oder unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit ist der privaten Lebensführung zuzurechnen. Der Verlust der Gesundheit stellt ein allgemeines Lebensrisiko dar. Versicherungsleistungen, die den Vermögensschaden durch Arbeitsunfähigkeit ersetzen sollen, sind nicht steuerpflichtig. Dies gilt auch für Praxisausfallversicherungen, die Freiberufler abschließen können, da sie einer Krankentagegeldversicherung entsprechen, entschied der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 19. Mai 2009 (Az.: VIII R 6/07).
  • Gemischte Versicherungen: Von den Versicherern werden auch gemischte Policen angeboten, die sowohl Krankheitsrisiken als auch betriebliche Gefahren abdecken. „Hierbei ist eine Aufteilung erforderlich“, schreibt Steuertip. Nur soweit die Beiträge betrieblichen Gefahren zuzuordnen sind, stellen sie Betriebsausgaben dar. Die Versicherungsleistungen sind entsprechend Betriebseinnahmen.

Höhere Versicherungsteuer droht

Übrigens: Auch auf viele Versicherungsbeiträge wird Steuer erhoben, auf zahlreiche Personenversicherungen zum Glück bislang nicht. Das wird sich jedoch ändern: 2022 tritt das „Gesetz zur Modernisierung des Versicherungsteuerrechts und zur Änderung dienstrechtlicher Vorschriften" in Kraft. Damit wird die Befreiung von der Versicherungsteuer, die ansonsten meist 19 Prozent beträgt, bei einigen Personenverträgen eingeschränkt.

Betroffen sind davon private Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen, aber auch Kranken- und Pflegeversicherungsverträge, für die nun Abgaben anfallen. Steuerfreiheit wird nur noch gewährt, wenn es um die Versorgung der natürlichen Person oder Angehöriger dient. Durch die Änderungen müssen Ehegatten, die in der PKV mitversichert sind, im Scheidungsfall die Steuer entrichten, kritisiert der PKV-Verband. Das Gesetz betrifft nur Verträge, die ab 2022 neu abgeschlossen werden.

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