Starkregen: Mehr als jedes zehnte Haus gilt als erheblich gefährdet

Martin Thaler Berater Versicherungen

Starkregenereignisse bergen ein erhebliches Schadenspotential und können praktisch überall stattfinden – doch nicht jedes Haus ist in gleichem Maße bedroht, wie neue Daten des GDV zeigen. Dieser ordnet nun sämtliche Häuser in Starkregenschadensklassen ein.

Starkregen Bild: Pixabay/FelixMittermeier

Mehr als deutschlandweit jedes zehnte Haus gilt als erheblich von Starkregenereignissen bedroht, zeigen neue GDV-Daten. Bild: Pixabay/FelixMittermeier

Für fast jeden vierten Wohnhausbesitzer in Thüringen besteht eine erhebliche Gefahr, Opfer eines Starkregen-Ereignisses zu werden. Dies zeigt eine neue Gefährdungsabschätzung, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst und dem Ingenieurbüro IAWG durchgeführt hat.  

Drei Gefährdungsklassen

Diese teilt Wohngebäude in insgesamt drei Gefährdungsklassen ein. Häuser, die in Klasse eins eingeteilt werden, unterliegen dabei dem geringsten Risiko – hierunter sind Gebäude subsumiert, die auf einer Kuppe oder am oberen Bereich eines Hanges liegen. In Klasse zwei befinden sich Häuser, die am Fuße eines Hangs oder auf einer Ebene, nicht aber in der Nähe eines Baches liegen. In Klasse drei, für die das Starkregen-Risiko am höchsten ist, sind all diejenigen Häuser zusammengefasst, die im Tal oder an einem Bachlauf liegen.  

Deutschlandweit betrachtet liegt damit mehr als jedes zehnte Haus (12 Prozent) in der höchsten Gefährdungsklasse – besonders häufig betrifft das Hausbesitzer in Thüringen, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Der überwiegende Teil der insgesamt 21,87 Millionen untersuchten Häuser (66 Prozent) wurde in die mittlere Gefährdungsklasse eingruppiert, gut jedes fünfte Haus (22,5 Prozent) gilt als vergleichsweise sicher. 

„Eine geringere Gefährdung bedeutet jedoch nicht, dass hier kein Starkregenrisiko besteht“, betonte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. "Unsere Statistiken zeigen: Starkregen kann überall, auch weit ab von Gewässern oder in Tallagen, zu Überschwemmungen führen und immense Schäden anrichten.“ Nichtsdestotrotz habe die Lage des Hauses neben der Regenintensität einen entscheidenden Einfluss auf das Ausmaß von Starkregenschäden.  

Die Starkregengefährdungsklasse wurden bereits in das Informationssystem ZÜRS Geo, das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen, integriert. Allerdings sollen die Erwartungen in der Schadenerwartung zwischen den einzelnen Starkregengefährdungsklassen geringer ausfallen als zwischen den einzelnen ZÜRS-Zonen. So bleibt es abzuwarten, welche Auswirkungen das auf den Versicherungsschutz haben wird.  

Nur 45 Prozent haben Elementarschutzversicherung

Immer wieder klagten in der Vergangenheit Hausbesitzer, Verbraucherschützer und Makler, dass für besonders gefährdete Häuser kaum Versicherungsschutz zu bezahlbaren Preisen zu bekommen sei. Die Versicherer bestreiten dies.  

Insgesamt hatten Ende 2019 jedoch gerade einmal 45 Prozent aller Hausbesitzer eine Elementarversicherung, mit der Starkregenereignisse abgesichert sind – dies bedeutete einen leichten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr (43 Prozent).  

Große Unterschiede bei der Starkregen-Gefährdungslage gibt es auch bei den deutschen Großstädten, wie Zahlen des GDV zeigen.

Die Städte mit den meisten Häuser in Starkregengefährdungsklasse 3

 

StadtSchadengefährdungsklasse (SGK) 1 in %SGK 2SKG 3
Wuppertal32,953,213,9
Freiburg im Breisgau6,979,313,8
Chemnitz18,568,013,5
Hagen18,468,912,7
Regionalverband Saarbrücken23,264,812,0
Erfurt11,976,112,0
Heidelberg20,268,711,1
Aachen24,865,59,6
Stuttgart21,869,29,1
Bremen29,961,19,0