Selbstständige Frauen sind „Verliererinnen der Krise“

Anne Mareile Walter Versicherungen Berater

Die Coronakrise hat bei den selbstständigen Frauen ein größeres Loch in die Haushaltskasse gerissen als bei den selbstständigen Männern. Auch in puncto Altersvorsorge klafft eine Lücke zwischen den Geschlechtern – die Pandemie verstärkt die Unterschiede.

Friseur Bild: Adobe Stock/javiindy

Weil viele Frauen in Jobs arbeiten, für die aktuell Kontaktbeschränkungen gelten, sind ihre Einbußen durch die Pandemie oft größer als die der Männer. Bild: Adobe Stock/javiindy

In Zeiten geschlossener Kitas und Schulen kümmern sich viele Frauen um die Kinderbetreuung – und haben als Selbstständige im Job zum Teil mit höheren finanziellen Einbußen zu kämpfen als Männer. Die „Verliererinnen der Coronakrise“: So bezeichnet eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die selbstständigen Frauen im Vergleich zu den selbstständigen Männern.

Größere psychische Belastung bei den Frauen

Insgesamt mussten 4,2 Millionen Selbstständige durch die Corona-Pandemie Einbußen verkraften. Dabei verringerte sich das Einkommen der Frauen um 63 Prozent, bei den Männern war das bei 47 Prozent der Fall. Ein Grund: Frauen arbeiten häufiger in Wirtschaftszweigen, die von den aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen betroffen sind – in der Kultur- und Kreativbranche beispielsweise, dem Gastgewerbe oder in Friseursalons. „Die Eindämmungsmaßnahmen der Pandemie treffen Frauen daher mit einer 60 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit als selbstständige Männer“, machte Studienautor Johannes Seebauer deutlich. Doch nicht nur wegen finanzieller Einbußen seien Frauen in der Pandemie schlechter gestellt als Männer: Ihre psychische Belastung sei größer, Depressions- und Angstsymptome hätten bei ihnen zugenommen.

Dabei werden nicht nur Unterschiede zwischen Männern und Frauen bezüglich der aktuellen Einkommenssituation durch die Pandemie vergrößert. Die „Gender Gap“ verstärkt sich auch in puncto Altersvorsorge. „Gerade in Zeiten von Corona stellen Frauen die eigenen Bedürfnisse wieder stärker hinter die der Familie zurück. Sie reduzieren Arbeitszeit, um sich um Kinder oder ältere Angehörige zu kümmern“, macht Allianz-Personalvorständin Laura Gersch deutlich. „Was das für sie langfristig bedeutet, damit setzen sich die wenigsten auseinander.“ Laut einer Analyse der Allianz, für die 1.000 Teilnehmerinnen befragt wurden, wissen 80 Prozent der Frauen nicht einmal, dass sie in der Altersvorsorge schlechter abschneiden als die Männer. Zu einem Zeitpunkt, zu dem sie noch effektiv für ihr Rentenalter vorsorgen könnten, sind sich demnach die wenigsten bewusst, dass es ein gesellschaftliches Problem in Deutschland gibt, das sie direkt betrifft.

Den Abstand in der Vorsorge von Frauen zu Männern schätzten die Teilnehmerinnen mit durchschnittlich 25 Prozent ebenfalls deutlich zu niedrig ein. Der tatsächliche Vorsorgeunterschied liege laut Eurostat und OECD bei 36 bis 46 Prozent. 59 Prozent der befragten Frauen war zudem die Höhe ihrer späteren Rentenzahlungen nicht bekannt. In diesem Punkt würden sich Männer und Frauen allerdings kaum unterscheiden. Doch Männer hätten häufiger lückenlose Erwerbsbiografien und würden dadurch nicht nur stabiler in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, sondern auch stärker von den Angeboten der betrieblichen Altersversorgung profitieren. Zudem schließen sie häufiger private Vorsorgeverträge ab.

Starkes Interesse an digitaler Rentenübersicht

Von entscheidender Bedeutung sei es darum, bestehende Informationsdefizite abzubauen. „Die staatliche Initiative für eine digitale Rentenübersicht begrüßen wir. Diese kann nicht früh genug kommen“, lobte Gersch das Regierungsvorhaben. Denn wer seinen Vorsorgebedarf richtig einschätzen könne, “entscheidet auf einer ganzen anderen Faktengrundlage”. Statt sich mühsam durch einen Papierberg wühlen zu müssen, soll die digitale Plattform einen transparenten Überblick über Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge bieten. Allerdings ist der Start erst für den Herbst 2023 geplant, 2022 soll mit einer Testphase begonnen werden. Dass seitens der Bevölkerung das Interesse an einem solchen Angebot groß ist, illustrieren Zahlen der Allianz. Diese hatte mit dem digitalen Rentenkompass ihre eigene Version der Rentenübersicht präsentiert. Dieser ist seit knapp einem Jahr online und wirdinzwischen von mehr als 200.000 Menschen genutzt, so das Unternehmen.

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