Schutzschirm für den Handel wird nicht länger aufgespannt

Anne Mareile Walter Versicherungen

Am 30. Juni läuft das Hilfspaket von Bund und Warenkreditversicherern zur Aufrechterhaltung der Lieferketten aus, eine Verlängerung ist nicht geplant. Die Marktlage habe sich ausreichend entspannt.

Schirm Bild: Adobe Stock/grafxart

Ende Juni hat der Rettungsschirm von Bund und Warenkreditversicherern zur Aufrechterhaltung der Lieferketten ein Ende. Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen habe sich stabilisiert. Bild: Adobe Stock/grafxart

Weniger Aufträge und wachsende Unsicherheit wegen ausstehender Rechnungen: Im April vergangenen Jahres beschloss der Bund gemeinsam mit Kreditversicherern ein Rettungspaket, das Zahlungsausfälle bis 30 Milliarden absicherte, um so die Lieferketten in Deutschland während der Corona-Pandemie aufrecht zu erhalten. Am 30. Juni läuft der Schutzschirm planmäßig aus, eine Verlängerung ist laut Bundesfinanzministerium (BMF) und Warenkreditversicherern angesichts der aktuellen Marktlage nicht notwendig. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hält das Ende des Hilfspakets ebenfalls für sinnvoll.  

Denn: Die Kreditversicherer könnten ihren Kunden nun wieder einen fundierten Versicherungsschutz ohne staatliche Unterstützung anbieten, teilte das BMF mit. Die wirtschaftliche Lage habe sich so weit entspannt, dass staatliche Eingriffe zurückgenommen werden könnten. Diese Sicht teilt auch der am Schutzschirm beteiligte Kreditversicherer Euler Hermes: Die Unternehmen hätten sich auf die Krise eingestellt, der Zweck des Hilfspakets sei erfüllt. „Die Insolvenzen bleiben trotz eines leichten Anstiegs um voraussichtlich sechs Prozent auch 2021 auf niedrigem Niveau“, begründete Euler Hermes-CEO Ron van het Hof weiter.   

Erst 2022 könnten die Insolvenzen wieder steigen

Im Coronajahr 2020 seien die Insolvenzen um 15,5 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit 1993 gesunken, nach aktueller Schätzung von Euler Hermes würden die Unternehmenspleiten Ende 2021 mit einer Zunahme um sechs Prozent immer noch unterhalb des Niveaus von 2019 liegen. Erst 2022 könnte es nach Angaben von Euler Hermes einen Anstieg um 15 Prozent geben – dies sei aber noch weit entfernt von den Höchstständen nach der Wirtschaftskrise 2009. „Unsere Kunden konnten ihre Geschäfte nahezu unverändert fortführen – trotz Wirtschaftskrise“, sagte van het Hof.  

Auch die Zurich hält eine weitere Verlängerung des Schutzschirms für unnötig. „Wir haben damit einen wichtigen Beitrag in der Corona-Krise geleistet, um unseren Kunden in diesen schwierigen Zeiten zur Seite zu stehen“, machte Zurich-Vorständin Petra Riga deutlich. Nach dem 30. Juni könne den Kunden auch ohne Maßnahmen des Bundes ein entsprechender Versicherungsschutz zur Verfügung gestellt werden.  

Ein Teil der Prämieneinnahmen ging an den Bund

Das Hilfspaket war im Frühjahr 2020 geschnürt worden und sollte dazu beitragen, Lieferketten und Warenströme in einem Umfang von rund 420 Milliarden Euro zu stabilisieren. Die daran beteiligten Kreditversicherer verpflichteten sich, ihre Kreditlimite weitgehend aufrecht zu erhalten und sich an Schadenzahlungen im Rahmen des Schutzschirms mit zehn Prozent zu beteiligen. Ausfallrisiken, die über der 30-Milliarden-Euro-Garantie des Bundes lagen, hatten die Kreditversicherer zu tragen. Im Gegenzug floss ein Teil der Prämieneinnahmen – erst 65, später 60 Prozent – der Versicherer an den Bund. An dem Rettungspaket sind unter anderem die Versicherer Atradius, Coface, Credendo, Euler Hermes, R+V und Zurich beteiligt.