Ruhestands-Management: Versicherer lassen Chancen meist ungenutzt

Anne Mareile Walter Versicherungen

Versicherer könnten bei einer allumfassenden Begleitung des dritten Lebensabschnitts punkten: Laut einer aktuellen Studie steckt im Ruhestands-Management bei den über 50-jährigen Kunden großes Marktpotential – aktuell allerdings nur durch Kooperationen.

Rente Bild: Adobe Stock/Piotr Wawrzyniuk

Automatisierte Technik erleichtert den Alltag im Ruhestand: Ambient Assisted Living ist ein Aspekt, den Versicherer künftig stärker fokussieren sollten. Bild: Adobe Stock/Piotr Wawrzyniuk

Ein Smartphone-Klick aktiviert sämtliche elektronischen Geräte, der Rauchmelder informiert bei Brandverdacht den Nachbarn und der Einbruchschutz funktioniert vollautomatisiert: Ambient Assisted Living soll für mehr Lebensqualität im Rentenalter sorgen. Auch durch finanzielle Sicherheit, Vorsorge für die Gesundheit oder Mobilität steigt naturgemäß das Wohlbefinden im Alter. Für die Versicherungsbranche liegt in diesen Segmenten großes Potenzial. Das zeigt nun auch eine Studie der KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der V.E.R.S. Leipzig unter 21 Versicherern. Demnach werde in dieses Geschäftsfeld von Seiten der Assekuranz zwar bereits investiert, aber offenbar ist noch deutlich Luft nach oben.

Partnerschaften für eine Rund-um-Betreuung

Aktuell fehle den Versicherern die nötige, über das normale Kerngeschäft hinausgehende Kompetenz, um den Bereich Ruhestandsmanagement ganzheitlich anzugehen. Dabei bedeutet Ruhestandsmanagement: „Die Planung und das Ausleben des Ruhestands mit dem Ziel, das individuelle Wohlbefinden und die Lebensqualität im Alter“ sicherzustellen. Bislang liefern die Versicherer ihren 50-plus-Kunden Services zum Erhalt der Lebensqualität sowie Beratung in Finanz- und Rechtsfragen aber nur in eingeschränkter Form. Daher empfehlen die Studienautoren strategische Partnerschaften, um eine Rund-um-Betreuung der über 50-Jährigen in den Angebotskatalog mit aufnehmen zu können.

Dies ist einem Großteil der befragten Versicherer bewusst: 90 Prozent gaben an, zu wissen, ein entsprechendes Leistungsportfolio nur in Zusammenarbeit mit Partnern anbieten zu können. Um in dem Geschäft effektiv Fuß zu fassen, legen die Autoren ihnen eine Erweiterung des heutigen Geschäftsmodells und Leistungsportfolios nahe. Mit Hilfe von Partnerschaften könnten nichtversicherungstypische Bereiche wie Mobilität, Rechtsberatung oder Assistance-Angebote abgedeckt werden – für die Mehrheit der Versicherer offenbar einen Versuch wert: 78 Prozent verorten in der Beratung der über 50-Jährigen ein hohes bis sehr hohes Marktpotenzial. Das sieht auch Christian Schareck, Head of Insurance bei KPMG, so und konkretisiert: „Einerseits bildet sich der Markt gerade erst. Auf der anderen Seite entstehen aus demografischen Gründen neue Bedarfe und ein gesteigertes Kundeninteresse.“ 

69 Prozent wollen investieren

Hinsichtlich der Beratungsthemen hat die Kundengruppe 50 plus einen eindeutigen Favoriten: Für 85 Prozent steht der Bereich der Gesundheit an erster Stelle. Erst dahinter folgt ein Interesse für die Beratungssegmente Vollmachten, Altersvorsorge und Testament. Hier könnten Versicherer in Kooperation mit Partnern ansetzen. „Versicherer verstehen sich häufig als Lebensbegleiter, haben jedoch ihren Blick noch nicht ausreichend dafür geschärft, sich für das Geschäftsfeld Ruhestandsmanagament zu öffnen“, fasst Fred Wagner vom V.E.R.S. Leipzig zusammen. Originäre Versicherungsleistungen könnten mit Angeboten, beispielsweise im Bereich Ambient Assisted Living, kombiniert werden – damit das Leben im Ruhestand so gut wie möglich gestaltet werde.