Riester-Vorsorge: „Wir befinden uns in einer Abwärtsspirale“

Anne Mareile Walter Versicherungen

Im Coronajahr 2020 verringerte sich die Zahl der Riester-Verträge erneut: Nach einer aktuellen Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft ging der Bestand um 160.000 zurück. Nach Prognosen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge sei schon 2022 nicht mehr mit einem Neugeschäft zu rechnen – falls sich politisch nichts ändere.

Rente Bild: Adobe Stock/leeyiutung

Der Trend bei der Anzahl der abgeschlossenen Riesterverträge zeigt aktuell nur in eine Richtung: 160.000 weniger Kontrakte als im Vorjahr registrierte der Bund für 2020. Bild: Adobe Stock/leeyiutung

Der Zuspruch schwindet – immer weniger Menschen nutzen die Riesterrente zur privaten Altersvorsorge: 16,37 Millionen staatlich geförderte private Altersvorsorgeverträge registrierte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) für das Jahr 2020, ein Rückgang um 160.000 gegenüber dem Vorjahr. Damit hat sich der Vertragsbestand das dritte Jahr in Folge vermindert. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) sieht die Entwicklung mit großer Besorgnis: Wenn die Politik nicht endlich am Regelwerk der komplizierten Verträge schraube, werde sich diese Entwicklung fortsetzen.

„Die Zahlen sind nicht überraschend“, sagt Claus Morgenstern vom DIA. „Wir befinden uns in einer Abwärtsspirale. Wenn politische Reformen bei den Riesterverträgen weiterhin ausbleiben, wird 2022 ein Neugeschäft kaum noch möglich sein.“ Die einkommensabhängigen Vergabekriterien für die Riesterzulage seien unnötig kompliziert und müssten überarbeitet werden. Außerdem sorge die vom Bund für das kommende Jahr geplante Absenkung des Höchstrechnungszinses auf 0,25 Prozent dafür, dass die 100-prozentige Beitragsgarantie bei der Riesterrente „nicht mehr darstellbar“ sei – ein zusätzliches Problem. Die Konsequenz: „Anleger werden sich zurückziehen und die Kündigungen werden zunehmen“, prognostiziert Morgenstern.

Coronakrise hatte wenig Einfluss

Bereits in den Jahren 2018 und 2019 war der Vertragsbestand bei der Riestervorsorge zurückgegangen. In den Jahren zuvor hatte es noch ein leichtes Wachstum gegeben. So hatte das BMS vor neun Jahren sogar einen Zuwachs von neun Millionen registriert. Im Coronajahr 2020 sank in allen Riestervarianten – Versicherungsverträge, Banksparverträge, Investmentfondsverträge, Wohnriester – der Vertragsbestand im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Rückgang im vergangenen Jahr könne aus Sicht von Claus Morgenstern auch damit zu tun gehabt haben, dass sich viele Erwerbsbiografien geändert hätten. „Viele Menschen waren verunsichert und dürften möglicherweise auch deshalb Verträge beendet haben“, vermutet er. Auf den allgemein negativen Trend bei der Riestervorsorge habe die Pandemie-Situation aber sicher nur bedingt Einfluss gehabt.