Rentenlücke: Mit diesen Tipps gelingt der Einstieg ins Beratungsgespräch

Julia Thiem Vorsorge Berater Top News

Es gibt immer wieder Kunden, die sorgen schon auf eigene Faust fürs Alter vor. Das ist gut, richtig und wichtig. An wirklich alle Lücken werden sie jedoch nicht gedacht haben – und deswegen gibt es auch immer Beratungsbedarf wie der Fall „Hanna“ zeigt.

Auf einmal ist sie da – die Rentenlücke. Hier sollten Vermittlerinnen und Vermittler beizeiten auf Sicht fahren und richtig beraten. Bild: Adobe Stock/chaliya

Auf einmal ist sie da – die Rentenlücke. Hier sollten Vermittlerinnen und Vermittler beizeiten auf Sicht fahren und richtig beraten. Bild: Adobe Stock/chaliya

Die Ausgangslage

Hanna ist 37, verheiratet, Akademikerin und vor rund zehn Jahren bereits mit einem überdurchschnittlichen Gehalt ins Berufsleben gestartet. Zwar wohnt und arbeitet sie aktuell in Hamburg, wo die Lebenshaltungskosten entsprechend hoch sind. Dennoch schafft es Hanna, 400 Euro monatlich für die Altersvorsorge zurückzulegen, die sie auf jeweils zwei Aktienfonds mit geringen Verwaltungsgebühren verteilt hat.

Für ihre Arbeitskraftabsicherung investiert Hanna in zwei BU-Verträge. Den einen hat sie mit ihrem Berufseinstieg abgeschlossen, mit dem zweiten Vertrag ein paar Jahre später die monatliche BU-Rente an ihre Gehaltssituation angepasst.

Außerdem haben Hanna und ihr Mann das Haus seiner Großmutter in Schleswig-Holstein geerbt. Es ist zwar renovierungsbedürftig, was die beiden aber in den nächsten Monaten angehen wollen. Für den Umbau wollen beide einen Kredit aufnehmen, der jedoch deutlich unter der üblichen Summe für ein Eigenheim liegen wird, sodass beide planen, den Kredit vor dem Ruhestand abbezahlt zu haben.   

Die Beratungsansätze

Auf den ersten Blick ist Hanna sicher nicht die ideale Kundin, da sie bereits gut abgesichert scheint. Das täuscht bei genauerem Hinsehen jedoch. Ihr derzeitiges Monatsnetto liegt bei 4.000 Euro. Die beiden Berufsunfähigkeitsversicherungen bieten zusammen jedoch nur eine monatliche BU-Rente von 2.250 Euro. Rechnet man hier noch die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherungen mit rund 500 Euro ein, haben wir – wenn man denn die empfohlenen 90 Prozent des Monatsnettos absichern will – bereits die erste Lücke von 850 Euro und damit den idealen Einstieg in das Beratungsgespräch entdeckt.

Von dort aus kann es gleich mit der Altersrente weitergehen. Der aktuelle Auszug der Deutschen Rentenversicherung besagt, dass Hanna mit einer gesetzlichen Rente von 1.600 Euro rechnen darf, wenn sie im Schnitt weiterhin Beiträge in der bisher geleisteten Höhe einzahlt – verglichen mit ihrem aktuell zur Verfügung stehenden Nettoeinkommen also ein immenser Abschlag.

Aber: Hanna sorgt ja mit 400 Euro monatlich privat fürs Alter vor. Der Einfachheit halber gehen wir einmal davon aus, dass Hanna gerade erst mit dieser Altersvorsorge begonnen hat, sodass ihr 30 Jahre bis zum Renteneintrittsalter bleiben. Mit Aktien konnte man in den vergangenen 30 Jahren eine durchschnittliche jährliche, reale Rendite – also inflationsbereinigt – von 8,3 Prozent erwirtschaften. Rechnen wir etwas konservativer mit 7 Prozent p.a. hat Hanna bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren nach Steuern eine Summe von knapp 365.000 Euro zur Verfügung.

Die durchschnittliche Lebenserwartung einer in den 1980ern geborenen Frau in Deutschland liegt bei etwa 77 Jahren. Damit stünden Hanna pro Monat rund 3000 Euro aus ihren Sparplänen zur Verfügung, sollte Sie nach Renteneintritt noch 10 Jahre leben. Allerdings sind in Hannas Familie alle recht alt geworden. Ihre Großeltern jeweils über 90 Jahre. Wenn Hanna also nach dem Renteneintritt noch 20 Jahre vergönnt sind, halbiert sich die monatliche Summe aus den Sparplänen schon deutlich, sodass Hanna in Kombination mit der gesetzlichen Rente mit insgesamt 3.100 Euro im Monat auskommen muss. Auch das ist noch realistisch, da sie dann mietfrei mit ihrem Mann in dem gemeinsamen, abbezahlten Haus in Schleswig-Holstein wohnt.

Was das Rechenbeispiel jedoch verdeutlicht: In Hannas Kalkulation ist das Langlebigkeitsrisiko nicht berücksichtigt, sodass sie mit jedem weiteren Jahr, das ihr nach Renteneintritt vergönnt ist, ihren Standard nach unten korrigieren muss. Oder aber sie sichert sich mit einer Versicherungslösung gegen eben dieses Risiko zusätzlich ab. In jedem Fall entsteht hier ein Beratungsbedarf, bei dem man mit entsprechender Vorbereitung beim Kunden mit Kompetenz und Weitsicht punkten kann.

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