Rennpferde als Investment – hohe Rendite trifft hohes Risiko

Martin Thaler Sachwerte Top News

Um deren Potenzial zu bestimmen, überprüft Rauscher eine Vielzahl an Kriterien: An erster Stelle wird hier in der Regel die Abstammung genannt – Kunden können hier mithilfe eines sogenannten Pedigrees die Ahnen des Pferdes bis hin zu den Urgroßeltern zurückverfolgen. „Papier ist aber geduldig“, schränkt Makler Jokisch allerdings ein. „Im Gegensatz zu einem Auto, bei dem sich aus den Papieren die Leistungsdaten genau ablesen lassen, weiß man bei einem Pferd nie, was man bekommt.“

Zwar seien die Chancen auf sportliche Erfolge höher, wenn die Eltern ebenfalls sportlich und keine Ackergäule gewesen seien, eine Garantie bekomme man allerdings nicht. Rauscher überprüft deshalb eine Vielzahl an Kriterien: Neben Größe und Entwicklung des Pferdes spielt auch der Anbieter selbst sowie das Verhalten des Tieres eine große Rolle. „Athleten sollten in sich ruhen“, verrät Rauscher. Zusätzlich fließen auch die Ergebnisse einer veterinärmedizinischen Untersuchung (Herz, Lunge, Kehlkopf) in die Bewertung mit ein, die Rauscher schließlich an seine Kunden weiterreicht. Auch Jokisch – obwohl selbst Pferdenarr – greift bei der Auswahl der Pferde ebenfalls auf ein Netzwerk aus Reitern, Bereitern und Trainern zurück. „Selbst als Pferdenarr ist man hier Laie, da es sich um einen sehr speziellen Teilbereich handelt“, sagt Jokisch.

Anleger, die bei ihm in Pferde investieren möchten, steht erst einmal eine gründliche Risikoanalyse bevor – erst danach wird entschieden, ob das Investment in ein einzelnes Pferd oder in einen Pferdepool die geeignete Anlage für den Kunden ist. Andere Beteiligungsformen an der Anlageklasse Pferd gibt es nicht. Zwar existiert mit dem „Equi Future Champions“ zwischen 2012 und 2016 ein Pferdefonds, dieser war nach dem Tod des Gründers John Baumann jedoch eingestellt worden, eine Neuauflage fand nicht statt.

Einzelpferd oder Pferdepool

„Investiert man in ein einzelnes Pferd ist die Chance auf Renditen am höchsten, allerdings auch das Risiko“, erklärt Jokisch. Pferde sind kein Sparplan mit garantierten Renditen, sondern Lebewesen: Gerade wenn es um den Profisport geht, kann ein lädierter Knöchel bereits das sportliche Aus für das teure Ross bedeuten. Auch psychischer Druck ist ein nicht zu unterschätzender Faktor – nicht jedes Tier wird mit diesem fertig.

Wunderpferd Totilas kann auch an dieser Stelle wieder als Beispiel dienen: Kurz nach seinem Kauf für besagte 10 Millionen Euro durch den niedersächsischen Pferdegroßhändler Paul Schockemöhle musste sich der „lackschwarze Tänzer“ aufgrund diverser Verletzungen aus dem Profisport zurückziehen – lukrative Preisgelder waren so nicht mehr möglich, Totilas diente ab diesem Zeitpunkt nur noch als Deckhengst. Besitzer Schockemöhle bezeichnete seinen Kauf später als „Fehlinvestition“.

Einem Totalverlustrisiko können Anleger zwar mit einer entsprechenden Versicherung zwar vorbeugen, sollten aber auch deren Kosten nicht unterschätzen. Wie hoch diese ausfallen können, macht Makler Jokisch anhand eines Beispiels deutlich: „Angenommen Sie kaufen ein Pferd für 100.000 Euro müssen Sie dieses erst einmal ausbilden lassen. Hierfür werden geschätzt weitere 25.000 Euro benötigt.“ Hinzu kommen die Kosten für die Versicherung, für die abhängig vom Umfang zwischen fünf und zehn Prozent des Marktwertes des Pferdes kostet. „Das sind in unserem Fall noch einmal fünf- bis zehntausend Euro. Auch wenn die Versicherung ihnen den Marktwert des Pferdes erstattet, haben Sie immer noch einen Verlust von über 30.000 Euro.“

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