Reisepolicen: Wo Fallen wegen Corona lauern

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Versicherungen Top News

Auf Feinheiten in den AVB achten

Wie die einzelnen Angebote der Versicherer zu Rücktransport, Leistungsausschlüssen, Vorerkrankungen oder Leistungen bei Pandemie (Beispiel Corona-Virus) konkret abschneiden, wurde bei Finanztest nicht deutlich. Ob und wie im Falle des Corona-Virus gezahlt wird – einschließlich Rücktransport -, wurde nicht publiziert.

Diese Umstände machen die Reiseplanung schwierig. Man muss auch die Qualität der medizinischen Versorgung vor Ort einplanen und die aktuelle Infektionslage. Womöglich befindet sich das Gesundheitssystem im Reiseland gerade im Corona-Ausnahmezustand, was die medizinische Versorgung erschwert.

Als Ausweg bleibt der Krankenrücktransport nach Deutschland. Die damit verbundenen Kosten tragen alle Zusatzversicherer, jedoch mitunter nur, wenn er medizinisch notwendig ist. Bessere Angebote übernehmen die Kosten auch bei medizinisch sinnvollem Rücktransport. Viel entscheidender in der Pandemie kann jedoch sein, ob der Rücktransport medizinisch überhaupt möglich ist und ob die örtlichen Behörden ihn wegen der erhöhten Infektionsgefahr zulassen. Falls nicht, nutzt auch die beste Kranken- oder Reiseabbruchversicherung nichts.

Reiseabbruch in Corona-Zeiten

Apropos Abbruch: Die Versicherer übernehmen die mit Reiserücktritt oder -abbruch verbundenen Kosten, wenn der Grund eine schwere Erkrankung wie Corona, ein Todesfall oder eine Schwangerschaftskomplikation ist. Auch andere unvorhersehbare Ereignisse wie Kurzarbeit oder eine betriebsbedingte Kündigung sind versichert und somit indirekte wirtschaftliche Folgen der Pandemie.

Die Rücktrittsversicherung übernimmt auch die Stornokosten, falls der Reisende selbst oder eine sogenannte Risikoperson wie ein Kind, der Lebenspartner oder die Eltern in eine versicherte Notlage gerät und beispielsweise an Corona erkrankt. Aber viele Policen sind nur eingeschränkt Corona-tauglich. Wird das Zielland erst nach der Buchung vom Auswärtigen Amt als Risikogebiet eingestuft, kann man nicht auf Kosten des Versicherers stornieren, sondern muss sich an den Reiseveranstalter oder die Airline wenden, schreibt Finanztest in der Januar-Ausgabe 2021. Ob die dann Geld erstatten, richtet sich nach deren Geschäftsbedingungen.

Keine Reise ohne Impfung?

Chaotisch wird es, wenn das gebuchte Urlaubsland nun einen Corona-Impfnachweis fordert. Hierzulande gibt es keine Impfpflicht. Wer ungeimpft zu Hause bleiben muss, weil ihn die Airline nicht befördert oder das Zielland nicht einreisen lässt, kann keine Leistungen aus der Reiserücktrittsversicherung erwarten, heißt es bei der Hanse-Merkur. Auch hier sei der Reiseveranstalter erster und einziger Ansprechpartner für die Reisepreis-Erstattung.

Der Reiserücktrittsschutz greift meist auch nicht, wenn der Auslandstrip vom Gesundheitsamt verhindert wird. Bei behördlich angeordneter häuslicher Quarantäne und dadurch verpasster Reise gewähren die Versicherer in aller Regel keinen Schutz. Denn die vorsorgliche Isolation wegen Corona-Verdachts gilt gewöhnlich nicht als versicherter Rücktrittsgrund. Mitunter könnten allerdings Versicherungsbeiträge zurückverlangt werden.

Zusatzbaustein für Corona-Schutz

Rücktritts- oder Abbruch-Policen bieten im Pandemiefall also keine vollständige Sicherheit. Das zeigen auch verschiedene Schaden-Beispiele. Allianz, Travelsecure/Würzburger, Ergo, Hanse-Merkur und manch andere offerieren inzwischen einen „Corona-Reiseschutz“ als Zusatz zur Rücktritts- oder Abbruchversicherung. Der deckt beispielsweise die Reisestornokosten ab, wenn der Versicherte vor Reiseantritt wegen des Verdachts auf Corona-Infektion in Quarantäne muss.

Laut Januar-Ausgabe von Finanztest ist der Pandemiefall bei 16 von 50 getesteten Tarifen voll enthalten, in 18 aber als Rücktrittsgrund ausgeschlossen. Bei den übrigen Angeboten gibt es Einschränkungen.

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