Profit aus Pandemiezahlungen: Mehr Kunden bei der HDI

Anne Mareile Walter Versicherungen

Mit rund 80 Millionen Euro hat die HDI Gastronomen entschädigt, die infolge der Pandemie von Betriebsschließungen betroffen waren. Und das zahlte sich aus: In den Monaten Januar und Februar konnte der Versicherer die Zahl der Neukunden im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln.

Restaurant Bild: Adobe Stock/Maurizio

Leere Lokale – von der HDI bekamen Gastronomen im Rahmen ihrer BSV die infolge des Lockdowns entstandenen Schäden erstattet. Dem Versicherer bescherte das viele Neukunden. Bild: Adobe Stock/Maurizio

Seit dem ersten Lockdown ist der Streit um die Betriebsschließungsversicherungen (BSV) ein Dauerbrenner in den Gerichtssälen. Regelmäßig reichen Gastronomen und Hoteliers Klage ein, da ihr Versicherer die infolge der Coronakrise entstandenen Schäden nicht erstattete – mit dem Argument: Die Pandemie sei nicht versichert. Wenige Versicherer, unter anderem die Signal Iduna sowie die HDI, fielen aus der Reihe: Sie entschädigten die Gastronomen klaglos für die Folgen der Pandemie. Bei der HDI zeigt das nun positive Effekte: Das Neugeschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen verdoppelte sich in den ersten zwei Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

BSV greift nur noch bei individueller Schließung

„Kunden und Makler finden unsere Haltung sehr gut“, erklärte dazu Christopher Lohmann, der als Talanx-Vorstand HDI Deutschland leitet. Die Zahlungen während der Krise hätten in Bezug auf die positive Geschäftsentwicklung eine große Rolle gespielt. Rund 79 Millionen Euro wurden für Schäden aus Betriebsschließungen gezahlt. Laut einer Pressemitteilung der HDI sei die Entscheidung, Schäden durch das Corona-Virus über die BSV mit abzudecken, ein wichtiges Signal für eine „verlässliche Partnerschaft“ gewesen und habe die Position der HDI bei kleinen und mittelständischen Unternehmen gestärkt.

Bei den Firmen und freien Berufen will der Versicherer nun weiterwachsen. Nachdem sich die Beitragseinnahmen mit diesen Kunden 2020 auf 450 Millionen Euro summiert hatten, sollen diese bis 2025 auf 800 Millionen Euro steigen. Das entspräche einem Plus von 70 Prozent.

Auch künftig will die HDI Pandemierisiken durch die Betriebsschließungsversicherung mit abdecken. Dies wird aber nicht mehr, wie im vergangenen Jahr, bei Allgemeinverfügungen der Fall sein, also bei Schließung aller Lokale. Stattdessen werden Schäden nur noch dann erstattet, wenn ein Restaurant oder Hotel individuell auf Anordnung der Behörden seinen Betrieb einstellen muss – beispielsweise, wenn ein Mitarbeiter an Corona erkrankt ist.

Gerichte entschieden häufiger zugunsten der Versicherer

Die Frage, ob durch die BSV Coronaschäden mit abgesichert sind, wird derzeit vor zahlreichen Gerichten in Deutschland verhandelt. Die Urteile fallen höchst unterschiedlich aus – auch, weil die jeweils zugrundeliegenden Bedingungswerke sehr divers sind. Entscheidend ist häufig die Frage, ob der Verweis auf das Infektionsschutzgesetz dynamisch oder statisch formuliert ist. Im Fall einer dynamischen Verweisung haben einige Gerichte, unter anderem das Landgericht München I, zugunsten der Versicherungsnehmer entschieden. Letztlich überwiegt jedoch wohl die Zahl der Urteile zugunsten der Versicherer – allerdings waren einzelne Versicherer auch durch die Schließung eines Vergleichs einem negativen Urteil entgangen. Rechtssicherheit wird erst durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs zu erwarten sein, für das noch einige Jahre ins Land gehen können