Pepp: Neue Wasserstandsmeldungen von der Europa-Rente

Detlef Pohl Berater Top News Versicherungen

Ob Vorsorgekonto, Deutschland- oder Extra-Rente: Neue Ideen, kapitalgedeckte Altersvorsorge auf neue Füße zu stellen, tragen bisher nicht. Nun hat die EU-Kommission die Europa-Rente aufgegleist. Die Details zeigen enorme Schwächen.

Ob ein beratungsintensives Thema wie die Altersvorsorge komplett online vertrieben werden kann, ist fraglich, sagt Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des bAV-Beraters Longial. Bild: Longial

Ob ein beratungsintensives Thema wie die Altersvorsorge komplett online vertrieben werden kann, ist fraglich, sagt Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des bAV-Beraters Longial. Bild: Longial

Rentenlücken und Probleme mit der Portabilität haben die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) und die EU-Kommission 2015 dazu gebracht, eine grenzüberschreitende Altersvorsorge in Angriff zu nehmen. Herausgekommen ist Pepp (Pan-European Personal Pension Product). Mit dieser grenzüberschreitend gültigen Europa-Rente sollen EU-Bürger zusätzlich zu bestehenden Vorsorgemöglichkeiten eine private Altersversorgung aufbauen können.

Sowohl Angestellte, Arbeitslose und Selbständige als auch Studenten sollen auf das Angebot zurückgreifen können. Geworben wird damit, dass das standardisierte private Vorsorgeprodukt besonders leicht verständlich, kostengünstig, digital und transparent sein soll.

Rente soll ins Ausland ziehen können

Wer in einen anderen EU-Mitgliedsstaat zieht, kann seinen Pepp-Vertrag mitnehmen und dort, ohne den Anbieter wechseln zu müssen, weiter ansparen. Sogenannte Regulierungsstandards stellen weitere Kernmerkmale wie Transparenzanforderungen, Anlagevorschriften und -optionen sowie das Wechselrecht sicher. Von Beginn an gab es viel Pro und Contra. Kritiker argwöhnen, dass die weltgrößte Fondsgesellschaft Blackrock hinter der Idee steckt.

Inzwischen wurde die PEPP-Verordnung im Amtsblatt der EU-Kommission veröffentlicht. In Deutschland soll die Umsetzung im Rahmen des „Gesetzes zur begleitenden Ausführung der Verordnung (EU) 2020/1503 und der Umsetzung der Richtlinie EU 2020/1504 zur Regelung von Schwarmfinanzierungsdienstleistern (Schwarmfinanzierung-Begleitgesetz) und anderer europarechtlicher Finanzmarktvorschriften“ erfolgen. Die erste Lesung fand am 26. März im Bundestag statt. Der Bundesrat hatte bereits vorher positiv reagiert und die Bundesregierung aufgefordert, noch in dieser Legislaturperiode einen Gesetzentwurf vorzulegen.

Ob das klappt, darf bezweifelt werden. Die GroKo hat es bisher ja nicht einmal geschafft, die im Koalitionsvertrag verabredete Reform der Riester-Rente umzusetzen. Das mindert die Chance zur kurzfristigen Umsetzung eines europäisches Standard-Produkts, quasi die Konkurrenz zur Riester-Rente.

Anbieter bremsen Riester-Rente wegen Beitragsgarantie aus…

Die Europa-Rente soll sechs verschiedene Anlagemöglichkeiten bieten. Herzstück ist bei allen das Basis-Pepp. Diese Standardoption zeichnet sich durch niedrige Kosten aus: Verwaltungskosten und Provisionen müssen beim Basis-Pepp insgesamt auf ein Prozent des jährlichen Beitrages begrenzt werden. Dazu zählen auch die Kosten für Beratung und Vertrieb. Spätestens alle fünf Jahre darf man den Anbieter wechseln, wobei Wechselkosten limitiert sind.

Das Basis-Pepp muss auch eine Garantie bieten – entweder als Kapitalgarantie, bei der der Anleger wie bei der Riester-Rente mindestens seine eingezahlten Beiträge zurückbekommt -, oder durch Instrumente zur Risikobegrenzung wie eine konservative Anlagestrategie oder eine „Lebenszyklusstrategie“ (Life-Cycle-Modell).

Seite 1: Warum Pepp Konkurrenz für Riester-Rente ist
Seite 2: Woran es vor allem für Anbieter krankt