Offenlegung: Was 34d-Vermittler jetzt ändern müssen oder nicht

Detlef Pohl Berater IDD Top News

Die EU-Offenlegungsverordnung ist seit vier Wochen in Kraft. Sie soll zu mehr Transparenz in Sachen Nachhaltigkeit führen, doch bei Vermittlern herrscht Unsicherheit. 34f-Vermittler sind gar nicht betroffen und Versicherungsmakler nur bedingt.

Fondspolicen-Vermittler müssen in ihren Beratungsprozess künftig Nachhaltigkeitsrisiken einbeziehen, weiß Ralf Berndt, Vertriebsvorstand der Stuttgarter Leben. Bild: Stuttgarter

Fondspolicen-Vermittler müssen in ihren Beratungsprozess künftig Nachhaltigkeitsrisiken einbeziehen, weiß Ralf Berndt, Vertriebsvorstand der Stuttgarter Leben. Bild: Stuttgarter

Die Offenlegungsverordnung (englisch: Sustainable Finance Disclosure Regulation) zwingt die Finanzbranche zu mehr Transparenz rund um das Thema Nachhaltigkeit. Diese Verordnung (kurz: TVO) bringt im Moment jedoch vielfach Unsicherheit, weil sie zeitlich der geplanten Änderungsverordnung zu den Delegierten Verordnungen zur IDD vorgreift, die ab 2022 auf Änderungen beim Vertrieb von Versicherungsanlageprodukten dringt, insbesondere zu Informationspflichten und Wohlverhaltensregeln.

Grundsätzlich gilt jetzt: Betroffen sind von den Offenlegungspflichten „Finanzmarktteilnehmer“, also Anbieter von Finanz- und Versicherungsanlageprodukten, darunter Versicherer, Fonds und Vermögensverwalter, sowie „Finanzberater“. Letztere sind Kreditinstitute, Wertpapierfirmen, Asset Manager und Verwalter alternativer Investmentfonds, sofern sie Anlageberatung anbieten (nach Artikel 2).

Fondspolicen-Maklerhäuser ab 3 Beschäftigten betroffen

Auch Versicherungsmakler mit 34d-Zulassung gelten als Finanzberater und sind betroffen, sofern sie Versicherungsanlageprodukte vermitteln. Finanzanlagenvermittler mit 34f-Zulassung sind nicht betroffen, sofern sie keine zusätzliche 34d-Zulassung besitzen und keine Fondspolicen vermitteln. Doch auch Versicherungsmakler sind nicht betroffen, wenn die Maklerfirma maximal zwei Mitarbeiter beschäftigt.

Größere Maklerfirmen ab drei Beschäftigten, die Fondspolicen vermitteln, sollten ab sofort auf diese Punkte achten:

  • Man muss auf der Firmenhomepage darüber informieren, wie Nachhaltigkeitsrisiken in die Anlageberatung einbezogen werden (Artikel 3 TVO).
  • Zudem muss auf der Homepage offengelegt werden, wie der Berater seine Vergütungspolitik mit Nachhaltigkeitsrisiken in Übereinstimmung bringt (Artikel 5 TVO). Da dürften ganz allgemein formulierte Informationen ausreichen.
  • In vorvertraglichen Informationen muss erläutert werden, wie Nachhaltigkeitsrisiken in die Beratungstätigkeit einbezogen werden (Artikel 6). Dies kann genauso geschehen wie auf der Homepage. Zudem muss in den vorvertraglichen Informationen auch angegeben werden, wie sich die ermittelten Nachhaltigkeitsrisiken voraussichtlich auf die Rendite von Finanzprodukten auswirken.
  • Sie müssen auf ihren Internetseiten auch veröffentlichen, ob sie bei der Auswahl von Finanzprodukten, die Gegenstand der Anlageberatung sind, Nachhaltigkeitsrisiken sowie negative Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren (englisch: Principal Adverse Impacts, kurz: PAI) berücksichtigt worden sind (Artikel 4).

All dies kann jedoch gar nicht in hoher Qualität oder zum jetzigen Zeitpunkt erfolgen. Beispiel PAI: Diese Informationen müssen nur Finanzmarktteilnehmer mit mehr als 500 Mitarbeitern auf ihren Internetseiten veröffentlichen, und auch dies erst ab 30. Juni 2021. PAI für jedes einzelne Produkt müssen Emittenten erst ab Ende 2022 veröffentlichen.

Seite 1: Inwiefern Makler überhaupt betroffen sind
Seite 2: Warum der Beratungsprozess erst 2022 betroffen ist

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