Munich Re-Chef fordert Rettungsfonds auch für Cyberangriffe

Florian Burghardt Versicherungen

Die Versicherungsbranche gibt offen zu, dass die Corona-Pandemie ihre Schutzmöglichkeiten sprengt. Ein gemeinsamer Rettungsfonds von Staat und Wirtschaft wurde bereits mehrfach gefordert. Laut Munich Re-Chef Wenning sollte dieser sogar ausgeweitet werden.

Munich Re-CEO Joachim Wenning hält einen staatlich-privatwirtschaftlichen Rettungsfonds für unverzichtbar – auch für systemische Cyber-Risiken. Bild: Munich Re

Munich Re-CEO Joachim Wenning hält einen staatlich-privatwirtschaftlichen Rettungsfonds für unverzichtbar – auch für systemische Cyber-Risiken. Bild: Munich Re

Die Corona-Pandemie belastet die ganze Welt und auch die Versicherungsbranche. Corona-bedingte Schäden und anderweitige Kosten haben bei vielen Unternehmen die Gewinne einbrechen lassen. So auch bei der Munich Re, einem der weltgrößten Rückversicherer und Muttergesellschaft der Ergo Group. Laut Munich Re-CEO Dr. Joachim Wenning hätte der Gewinn im Geschäftsjahr 2020 voraussichtlich 2,8 Milliarden Euro betragen statt wie nun 1,2 Milliarden Euro.

In seiner Rede an die Aktionäre kam Wenning gestern, anlässlich der Jahreshauptversammlung, auch auf die Bewältigung systemischer Risiken jenseits der Grenzen der Versicherbarkeit zu sprechen. Einen „Schulterschluss zwischen Regierungen, Unternehmen und Gesellschaften“ halte er „für unverzichtbar“. Die konkrete Idee eines staatlich gestützten Pandemie-Risikopools sei geeignet, um Kompetenzen und Möglichkeiten von Staat und Privatwirtschaft für eine gemeinsame Lösung zu bündeln, so Wenning.

Risikopool auch für Cyberangriffe

Damit bestärkte der Munich Re-Chef seine Forderung aus dem Vorjahr: Versicherung und Staat könnten gemeinsam „den Impfstoff für die Wirtschaft“ liefern. Dieser müsste allerdings nicht auf Pandemien beschränkt bleiben, sondern sei auch für andere systemische Risiken denkbar. Schließlich könnten auch Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur oder auf systemrelevante Netzwerke die Versicherungswirtschaft an ihre Grenzen bringen. Erst kürzlich hatte der GDV den Transportversicherern aufgrund des möglichen Schadenausmaßes zu einer Ausschlussklausel für Silent-Cyber-Risiken geraten.

Wie ein solcher Pandemiefonds beziehungsweise Risikopool konkret aussehen könnte, darüber wird in der Branche allerdings noch diskutiert. Als offene Fragen stehen etwa eine verpflichtende oder freiwillige Maßnahme sowie die Reihenfolge, in der Versicherungen und Staat leisten würden im Raum. Der GDV hatte bereits im letzten Sommer zwei mögliche Varianten skizziert, auch von Vermittler- und Versicherungsnehmerverbänden gibt es Ideen. Die Europäische Versicherungsaufsicht Eiopa sammelt zudem Vorschläge für die Versicherbarkeit des Pandemierisikos.

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