Milliardenloch bei den Kassen: Versicherten drohen hohe Kosten

Anne Mareile Walter Versicherungen

Die Corona-Pandemie bringt das Fass zum Überlaufen: Die Gesundheitskosten sind im zweiten Krisenjahr enorm gestiegen, zudem treiben teure Gesetze die Ausgaben in die Höhe. Die GKV prognostiziert für 2022 ein milliardenschweres Finanzierungsloch und fordert Finanzspritzen vom Bund, um Versicherten Beitragserhöhungen zu ersparen.

Arzt Bild: Adobe Stock/sebra

Auf die gesetzlich Versicherten könnten zusätzliche Kosten von mehreren hundert Euro pro Jahr zukommen – den Kassen droht 2022 ein milliardenschweres Finanzierungsloch. Arzt Bild: Adobe Stock/sebra

Die Lage hat sich zugespitzt: Das zweite Jahr der Pandemie hat die Gesundheitskosten drastisch steigen lassen, in der Folge müssen gesetzlich Krankenversicherte mit saftigen Beitragserhöhungen rechnen. Nach Berechnung der Krankenkassen könnte sich das Minus bis 2022 auf rund 19 Milliarden Euro belaufen, eine Steigerung des Beitragssatzes um mehr als einen Prozentpunkt wäre die Konsequenz. Dadurch kämen auf die Versicherten zusätzliche Kosten von mehreren hundert Euro pro Jahr zu – eine Situation, die nicht nur durch die Coronakrise verursacht wurde, sondern auch durch kostspielige Gesetze des Bundesgesundheitsministeriums (BMG).

"Die Lage ist tatsächlich dramatisch"

„Die Lage ist tatsächlich dramatisch“, sagte Jens Baas, der Chef der Techniker Krankenkasse, gegenüber dem „Handelsblatt“. Wenn die drohende Finanzierungslücke von bis zu 19 Milliarden Euro ausschließlich durch höhere Beitragssätze gestemmt würde, käme dies einer Erhöhung von rund 1,3 Prozentpunkten gleich – ein in der gesetzlichen Krankenversicherung bislang nicht da gewesener Sprung. Um die finanzielle Lage der Kassen zu stabilisieren, überwies das Finanzministerium im vergangenen Jahr bereits einen zusätzlichen Beitrag von fünf Milliarden Euro in den Gesundheitsfonds. Zusätzlich wurden aus den Rücklagen der Kassen acht Milliarden Euro in den Fonds überwiesen und das BMG hob den durchschnittlichen Zusatzbeitrag um 0,2 Prozentpunkte an.  

Dass die Kassen in diesem Jahr mit ähnlichen Maßnahmen unterstützt werden, scheint in Anbetracht des nahenden Endes der Legislaturperiode immer unwahrscheinlicher. Auch in den Eckwerten zum Bundeshausalt 2022 sind bislang keine zusätzlichen Mittel zur Stabilisierung der Beitragssätze für die Kranken- und Pflegeversicherung eingeplant. „Damit wird ignoriert, dass allein die gesetzliche Krankenversicherung im kommenden Jahr einen zusätzlichen Finanzbedarf von etwa 16 bis 19 Milliarden Euro haben wird“, heißt es dazu in einer Mitteilung des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Abhängig vom weiteren Pandemie-Verlauf und der konjunkturellen Entwicklung könne laut dem GKV-Verwaltungsratsvorsitzenden Uwe Klemens der zusätzliche Finanzierungsbedarf im Jahr 2022 sogar noch deutlich höher ausfallen: „Bereits heute ist absehbar, dass sich die Schere zwischen den sich pandemiebedingt ungewiss entwickelnden Einnahmen und den dynamisch steigenden Ausgaben weiter öffnet.“ Eine entsprechende Positionierung der Politik fehlt.

Sozialabgaben könnten 40-Prozent-Grenze übersteigen

Hinzu kommt: Die möglichen Beitragserhöhungen könnten dafür sorgen, dass die Sozialabgaben die von der Regierung beschlossene Grenze von 40 Prozent übersteigen. Aktuell liegen die Sozialversicherungsbeiträge bei 39,95 Prozent. Und nach der Pandemie ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht: Dann wird aller Voraussicht nach eine Vielzahl an verschobenen Operationen nachgeholt werden.