Maklerhaftung: Erhöhte Beratungspflicht bei ausländischem Wohngebäudeversicherer?

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung Versicherungen

Aus Sicht der Richter am OLG hätte der Makler seinen Kunden genauer über die Identität des Risikoträgers aufklären müssen. Zwar seien die Richter der Einschätzung, dass der Makler zum Zeitpunkt der Vertragsvermittlung nichts von der fehlenden Finanzkraft des Liechtensteiner Versicherers gewusst hatte. Aus Gründen der Wahrheit und Klarheit des Angebots hätte der Makler aber genauer auf die Identität der „hierzulande weithin unbekannten ausländischen Gesellschaft“ eingehen müssen. Knackpunkt sei hier allein schon, dass die Absicherung von Zahlungsausfällen im Falle der Wahl eines ausländischen Versicherers gegenüber einer in Deutschland ansässigen Gesellschaft eingeschränkt sein kann. Dies sei allgemein bekannt.

Konkret hätte das Antragsformular dem Kunden verdeutlichen müssen, dass sich sein Antrag an einen weiteren Versicherungsvermittler richtete, der das Risiko wiederum bei einem ausländischen Versicherer platzieren werde. Weder diese Vermittlungs- beziehungsweise Vertragskonstruktion noch der ausländische Risikoträger seien dem Mann verständlich aufgezeigt worden. Unabhängig davon, ob der Kunde die Beratungsdokumentation unterzeichnet hätte, habe diese aus formalen und gestalterischen Gründen nicht den Ansprüchen an eine ordentliche Beratung genügt.

Trotzdem kein Schadensersatz

Trotz dieser bewiesenen Verletzung der Beratungspflicht wurde der Makler aber nicht zu Schadensersatz verurteilt. Dafür war die besondere Konstellation des Falles ursächlich. Denn der Hauseigentümer hatte im Verlauf des Verfahrens zwar erklärt, dass er sich bei korrekter Beratung nicht für diesen Tarif des Liechtensteiner Versicherers entschieden hätte. Er machte jedoch recht konfuse Aussagen, wie er sein Haus ansonsten abgesichert hätte.

So ließ er offen, ob er in Folge einer korrekten Beratung seinen Altvertrag beibehalten hätte. Dieser hätte für den geschilderten Schadenfall (Ableitungsrohr außerhalb des Gebäudes) aber keinen Versicherungsschutz geboten. Schadensersatz müsste der Makler aber nur leisten, wenn er seinen Kunden durch einen Beratungsfehler um tatsächlichen Versicherungsschutz gebracht hätte.

Als weitere Option gab der Mann an, dass er einen anderen Vertrag abgeschlossen hätte – entweder bei dem Liechtensteiner Versicherer oder bei einem ganz anderen Anbieter. Die unklaren Absichten des Mannes ließen die Richter zu dem Schluss kommen, dass für ihn nur eine „Quasi-Deckung“ vorgelegen habe. Man könne also nicht mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Mann bei korrekter Beratung des Maklers über ausreichenden Versicherungsschutz für seinen Schaden verfügt hätte. Die Berufung des Mannes wurde deshalb zurückgewiesen, wodurch er leer ausging. Eine Revision des Urteils wurde nicht zugelassen.

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