Kohle-Investments: Welche Vermögensverwalter hier nachhaltig agieren

Martin Thaler Investmentfonds

Kohle gilt als Klima-Killer. Die französische NGO Reclaim Finance hat nun 29 Vermögensverwalter auf ihre Kohle-Investments untersucht. Die deutschen Asset Manager landeten dabei nur im Mittelfeld – mit einer Ausnahme.

Kohlekraftwerk Bild: Pixabay/Benita5

Kohle hat von allen Energieträgern die schlechteste Klimabilanz - entsprechend drängen Umweltschützer Vermögensverwalter und Versicherer, solche Investments zu unterlassen. Bild: Pixabay/Benita5

Kohle besitzt unter allen fossilen Energieträgern die schlechteste Klimabilanz: Laut Angaben der Naturschutzorganisation Nabu werden durch die Verbrennung von Steinkohle pro erzeugter Kilowattstunde rund 900 Gramm CO2 freigesetzt, bei Braunkohle sind es sogar über 1.000 Gramm. Zudem werden durch die Verbrennung weitere schädliche Elemente wie Schwefeldioxid, Stickoxide und verschiedene Schwermetalle freigesetzt. Entsprechend kritisch schauen Umweltschützer auf die Absicherung von Kohlekraftwerken durch Versicherer.  

Nun hat sich die französische NGO Reclaim Finance mit Hilfe der deutschen Umweltschutzorganisation Urgewald zum ersten Mal die Klimaambitionen von 29 führenden Vermögensverwaltern insbesondere im Hinblick auf Kohle-Investments angeschaut.

"Wenig mehr als heiße Luft"

Das Ergebnis fällt bescheiden aus: So zeige die Studie, dass sich zwar 16 der 29 untersuchten Vermögensverwalter langfristigen Klimazielen unterworfen haben, Kohle-Investments allerdings nur selten ausgeschlossen werden. So gelten zwar für 23 Billionen Euro der von den Investoren verwalteten Vermögensanteile langfristige Klimaziele, nur für 15 Prozent hiervon gilt jedoch ein Ausschluss von Investitionen in Kohlefirmen.  

„Vermögensverwalter haben uns in den letzten Monaten eine Flut von Klimaneutralitätsversprechen produziert. Unsere Studie zeigt jedoch, dass diese Ankündigungen wenig mehr als heiße Luft sind. Es ist ganz einfach: Ernst gemeinte Klimaverantwortung ist nicht mit andauernden Investitionen in Kohle kompatibel“, kommentierte Lara Cuvelier, Sustainable Investment Campaignerin bei Reclaim Finance das Studienergebnis.  

Die untersuchten deutschen Vermögensverwalter schnitten laut Studie nur mittelmäßig ab. Auf Platz 16 der untersuchten Asset Manager findet sich die Deka Bank wieder. Zwar habe die Sparkassen-Tochter im April 2020 Kohle-Beschränkungen für alle Publikumsfonds eingeführt, diese befinden sich nach Auffassung der Umweltschützer allerdings nur auf niedrigem Niveau.  

Einen Platz hinter der Deka findet sich die DWS, die Fondstochter der Deutschen Bank, gefolgt von Pimco und Europas größtem Vermögensverwalter Allianz Global Investors. Auch hier gibt es eine Kohlerichtlinie – diese gelte aber nur für die Eigenanlagen, nicht aber für das für Dritte verwaltete Vermögen, das das dreifache Volumen besitzt.  

Während die vorderen Plätze von französischen Unternehmen wie Axa, Natixis und Amundi eingenommen werden, hat sich mit der Union Investment auch ein deutscher Vermögensverwalter in die Spitzengruppe geschlichen. Unter den deutschen Vermögensverwaltern habe Union Investment derzeit die strengsten Kohle-Ausschlusskriterien, so die Studienautoren. So sind Kohlebergbauunternehmen ab einem Umsatz von fünf Prozent ausgeschlossen. Auch in Energieunternehmen, bei denen Kohle mehr als 25 Prozent am Energiemix ausmacht und die über keine glaubwürdige Klimastrategie verfügen, wird nicht investiert. Im Gesamtklassement landete Union Investment damit auf dem sechsten Rang. 

Klimaschützer fordern konkrete Taten

Eine Ausnahme stellen sowohl bei Union Investment als auch bei den anderen Vermögensverwaltern Investitionen in den deutschen Energieversorger RWE da, obwohl dieser – laut Studie – „Europas größter Klimakiller“ sei. So hatte vor kurzem die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass die Axa zukünftig keine Risiken der Essener mehr decken wolle, da diese zu stark auf Kohlestrom setzen würden. Allerdings plant der Stromerzeuger bis 2040 klimaneutral zu sein – ein Transformationsprozess, der mit viel Enthusiasmus nach außen getragen wurde. Und hierauf setzen offenbar auch die Vermögensverwalter.  

Nichtsdestotrotz besteht aus Sicht von urgewald, die die Studie mitgezeichnet haben, weiterhin großer Nachbesserungsbedarf: „Auf vollmundige Klimabekenntnisse und -initiativen deutscher Vermögensverwalter müssen konkrete Taten folgen“, erklärte Kathrin Petz, Energie- und Finanzcampaignerin der NGO. „Insbesondere die für die Publikumsfonds zuständigen Allianz-Töchter und die DWS als größte Akteure hierzulande müssen jetzt verbindliche Klima-Vorgaben bei den von ihnen verwalteten Vermögen einführen. DWS darf Kohle-Ausschlüsse nicht länger nur auf die Nische der eigenen Nachhaltigkeitsfonds beschränken und Allianz nicht auf die Eigenanlagen.“ Auch im Hinblick auf Investments in Gas- und Ölfirmen verlangte Petz mehr Klarheit seitens der Asset Manager.  

Die gesamte Studie finden Sie hier.

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