Kfz-Werkstattbindung: Welche Entfernung ist angemessen?

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung

Die Werkstattbindung senkt den Beitrag für die Kfz-Versicherung. Aber lohnt sich das, wenn man im Schadenfall bis zu 50 Kilometer und auf eigene Kosten in die nächste Partnerwerkstatt fahren muss? Darüber musste nun das OLG Celle entscheiden.

Das Auto nach einer Panne auf eigene Kosten noch bis zu 50 Kilometer weit zur nächsten Vertragswerkstatt bugsieren – ist das für Kfz-Versicherte hinnehmbar? Bild: Pixabay/SofiLayla

Das Auto nach einer Panne auf eigene Kosten noch bis zu 50 Kilometer weit zur nächsten Vertragswerkstatt bugsieren – ist das für Kfz-Versicherte hinnehmbar? Bild: Pixabay/SofiLayla

Wer bei der Prämie für seine Kfz-Versicherung sparen will, setzt nicht selten auf die Werkstattbindung. Wer sich dafür entscheidet, erhält in der Regel einen Rabatt, darf sein Fahrzeug im Schadenfall aber nur in eine der Werkstätten bringen, mit denen sein Versicherer eine Vereinbarung unterhält.

Dass sich aus dieser Rabatt-Vereinbarung auch Nachteile ergeben können, zeigt ein Urteil vom 25.02.2021 vor dem Oberlandesgericht Celle (Az.: 13 U 33/19). Geklagt hatte ein Kfz-Versicherer gegen seinen Mitbewerber. Grund: Der andere Anbieter hatte in einer Klausel seiner Kfz-Bedingungen festgelegt, dass Versicherte mit Werkstattbindung im Schadenfall eine Strecke von bis zu 50 Kilometern vom Unfallort bis zur nächsten Partnerwerkstatt in Kauf nehmen müssten. Zu viel, befand der andere Kfz-Versicherer.

50 Kilometer sind nicht zumutbar

Dem stimmte auch das Gericht zu. Zwar bestärkte es das System der Werkstattbindung zur Kostenreduzierung. Die Verpflichtung, das defekte Auto 50 Kilometer in eine Partnerwerkstatt zu bringen oder abschleppen zu lassen, belaste den Autobesitzer allerdings unangemessen – zumal dieser hier die Kosten für die Verbringung in die Werkstatt selbst tragen müsse. Außerdem könnten diese Verbringungskosten bei kleineren Schäden unwirtschaftlich sein. Zudem seien 50 Kilometer für Reisende aus Zeitgründen nicht zumutbar.

Neben der unangemessenen Entfernung beanstandete das Gericht die Klausel zudem als intransparent. Für den Verbraucher werde dabei nicht klar, welche Folgen es habe, wenn er gegen die Werkstattklausel verstoße, so das Gericht. Auch hier müsse der Kfz-Versicherer nacharbeiten. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

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