Jeder zweite Selbstständige arbeitet übermäßig lange

Martin Thaler Berater Panorama

Arbeiten, wenn die meisten längst ausspannen: Vor allem Selbstständige arbeiten oftmals bis spät in die Nacht und auch am Wochenende, wie neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Insgesamt geht die durchschnittliche Arbeitszeit allerdings zurück.

Arbeitszeit Bild: Pixabay/Alexas_Fotos

Insbesondere Selbstständige machen Überstunden und arbeiten auch jenseits der regulären Zeiten. Bild: Pixabay/Alexas_Fotos

Auch wenn derzeit vermehrt über die Entgrenzung von Arbeits- und Privatleben in Zeiten der Corona-Krise diskutiert wird, hat die Pandemie nicht dazu geführt, dass die Deutschen länger arbeiten. Zwar gibt laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes knapp jeder zehnte Deutsche (9,7 Prozent) an, länger als 48 Stunden in der Woche zu arbeiten – dies ist aber auch vor 30 Jahren bereits der Fall gewesen. So lag der Anteil der von überlanger Arbeit betroffener Arbeitnehmer 1991 bei 10,3 Prozent.  

Vor allem Führungskräfte und Selbstständige neigen dazu, übermäßig viel Zeit in ihre Arbeit zu stecken. So investierte knapp jeder zweite Selbstständige (46,3 Prozent) gewöhnlich mehr als 48 Stunden in der Woche in seinen Job. Zahlen, die erneut die Notwendigkeit einer BU-Versicherung auch für Selbstständige verdeutlichen – schließlich gilt ständiger Stress als Risikofaktor, der psychische Erkrankungen und Depressionen auslösen kann.  

Belastend dürfte auch das vermehrte Arbeiten abseits der regulären Zeiten wirken – dann, wenn die meisten Menschen ihre Freizeit genießen. Doch 2019 arbeitete jeder Fünfte (18,1 Prozent) bis in die späten Abendstunden (18 – 23 Uhr), jeder Zwanzigste musste auch nachts malochen. Auch hier stechen Selbstständige wieder hervor, zumindest diejenigen, die über Angestellte verfügen: Von ihnen machten knapp 40 Prozent erst spät Feierabend.  

Auch die Wochenenden werden zunehmend nicht mehr allein zur Erholung genutzt. Jeder zweite Selbstständige mit Beschäftigten (54,2 Prozent) war 2019 auch samstags im Einsatz, jeder vierte Selbstständige (26,4 Prozent) auch sonntags. Arbeitnehmer sind von Samstags- (21,8 Prozent) bzw. Sonntagsarbeit (11,7 Prozent) hingegen weit weniger betroffen.  

Insgesamt ging die durchschnittliche Arbeitszeit aller Erwerbstätigen zuletzt aber zurück. In der Regel arbeitet jeder Deutsche 34,8 Stunden in der Woche – das waren fast vier Stunden weniger als noch vor 30 Jahren. Begründet liegt diese Entwicklung in der Zunahme der Teilzeitbeschäftigten, deren wachsende Zahl die Gesamtarbeitszeit deutlich beeinflusst. Für Vollzeiterwerbstätige hat sich im Vergleich zu 1992 hingegen wenig verändert. Statt 41,4 Stunden (1992) arbeiten sie heute in der Regel 41 Stunden in der Woche.

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