Honorar-Factoring: Was die Factura-Insolvenz für den Markt bedeutet

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Panorama

Was Betroffene zu April-Forderungen wissen sollten

Allerdings gehe es mit den Forderungen an die Bestandskunden im April ja weiter. Da Factura kein Geld mehr einzieht und die Factoring-Tochter ebenfalls keine Dienstleistung mehr erbringt, müssten Makler aktiv werden. Das Unternehmen hat dazu dem Bericht zufolge einen „Insolvenz-Leitfaden“ erstellt, der hilft, die Kunden- und Rechnungsdaten zu exportieren. Trotz Nachfrage hat procontra diesen Leitfaden nicht erhalten.

„Die Fälligkeiten zum 1. April müssten Betroffene selbst bearbeiten", soll es darin heißen. Maklern wird geraten, sich vom Factura-Portal gemäß Leitfaden die Kunden-, Rechnungs- und Turnuslisten sowie Rechnungskopien zu ziehen, um weiterarbeiten zu können.

Con.fee muss sich nach einem neuen Dienstleister umsehen. Als neuen Partner empfiehlt die Firma ihren angeschlossenen Honorarberatern die digitale Honorarabwicklungsplattform Dipay, die von der IQ²strategies GmbH betrieben wird. „Wir haben uns von deren umfangreichen Leistungen überzeugen lassen“, lässt sich Con.fee-Vorstand Walter Hubel in einem Branchendienst zitieren.

Con.fee empfiehlt als Alternative nun Dipay

Dipay könne für Con.fee-Partner nicht dasselbe Schicksal wie Factura ereilen, sagen Handan Isik und Dirk Erfurth, Geschäftsführer von IQ²strategies, auf Nachfrage von procontra. Man sei selber kein Zahlungsdienstleister, sondern biete nur eine Payment- und Serviceplattform.

„Für die Zahlungsabwicklung haben wir über eine Plattform-Schnittstelle mit ‚Stripe‘ einen der weltweit größten Zahlungsdienstleister angebunden, der nun in die Bresche springen kann“, ergänzt Erfurth. Um den Risiken und Folgen des sehr unwahrscheinlichen Ausfalls von Stripe vorzubeugen, sei hervorzuheben, dass alle Verträge, Rechnungen und Kundendaten beim Makler in dessen eigenen Dipay-Plattform-Account verwaltet werden. „Wir könnten somit jederzeit und kurzfristig über die Plattform-Schnittstelle weitere Zahlungsdienstleister anbinden, ohne dass die Rechnungs- und Zahlungsabwicklung betroffen wäre“, so Erfurth weiter.

Für Vermittler, die zunächst nur das Abrechnungstool für automatisierte Rechnungsstellung und Onlinezahlung buchen möchten, gibt es ab Mai „Dipay Light“ als zusätzliche, kostengünstige Option, blickt Erfurth voraus. Dies sei auch für Factura-Partner interessant, denn damit könnten sie bestehende Verträge sofort einbinden und fortführen. 

Bonität der Dienstleister im Blick behalten

Was auf die Factura-Insolvenzanmeldung folgt, bleibt abzuwarten. Im Zuge des möglichen Insolvenzverfahrens könnten die Daten für Makler früher oder später nicht mehr zugänglich sind. Die Suche nach einem neuen Abrechnungs-Dienstleister sollte jetzt Priorität haben. Dabei ist der Blick auch auf die Bonität wichtig.

Zum 1. April fällige Forderungen werden nicht wertlos, bloß weil noch keine Rechnung gestellt wurde. Zu nennenswertem Schaden für Makler sollte es damit also nicht kommen. Für die Abwicklung von Honorarforderungen generell im Markt ist die Factura-Insolvenz jedoch ein herber Rückschlag.

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Makler bei Suche nach neuem Dienstleister beachten sollten