Honorar-Factoring: Was die Factura-Insolvenz für den Markt bedeutet

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Panorama

Makler probieren zunehmend Honorarberatung und nehmen Servicegebühren für Zusatzdienste. Bei der Abrechnung sind sie auf Dienstleister angewiesen, um Zeit für die Beratung zu behalten. Die Pleite eines Dienstleisters erschüttert den Markt.

Honorar und Servicepauschalen bringen dem Makler zusätzliches Geld, doch jetzt ist ein Abrechnungsdienstleister pleite. Bild: Pixabay/Mohamed Hassan

Honorar und Servicepauschalen bringen dem Makler zusätzliches Geld, doch jetzt ist ein Abrechnungsdienstleister pleite. Makler müssen handeln. Bild: Pixabay/Mohamed Hassan

Versicherungsmakler dürfen Nebenleistungen und Services gegen Honorar anbieten, sofern gegenüber dem Kunden offenlegt wird, was der Berater an Vergütungen von Produktgebern erhält und er den Mehrwert für seinen kostenpflichtigen Service benennt.

Im Trend liegen dabei Dienste, die nur ein versierter Berater liefern kann, etwa Hilfe beim Risikomanagement, bei der Analyse bestehender Versorgungsansprüche, der Dokumentation und Wertermittlung von Gebäuden, Wertsachen und Geschäftsinhalt oder der Klärung des Sozialversicherungs-Status seines Kunden.

„Für die Abrechnung der Honorare und Services sollte der Makler einen Zahlungsdienstleister einschalten“, rät Peter Süßengut, Inhaber von Süßengut Consulting in Leipzig, einer digitalen Unternehmensberatung für Versicherungsvermittler. Im Markt der Dienstleister sind neben Maklerpools wie Fonds Finanz und Maxpool, die die Verbreitung von Servicegebühren unterstützen, auch einige Spezialisten am Werk. Darunter sind Nischenanbieter, die sich zum Beispiel auf das Rechnungswesen konzentrieren.

Insolvenz der Rhein-Main-Factoring

Einer dieser Dienstleister, der sich auf Rechnungsstellung (Fakturierung), Inkasso und Factoring spezialisiert hat, ist jetzt pleite. Die Rhein-Main-Factoring AG in Würzburg muss Insolvenz anmelden. Leidtragende ist zugleich die Mutter Factura AG, die bis Ende 2018 als Deutsche Verrechnungsstelle für Versicherungs- und Finanzdienstleistungen (DVVF) firmierte, bekannt als Pionier bei der Einführung von Servicepauschalen und Dienstleister für die Abwicklung von Honorarforderungen.

Das hat erhebliche Folgen für den Markt. Erst vor einem Jahr hatte der Honorarberatungs-Dienstleister Con.fee AG der Factura die Abrechnung von Honoraren, die damit verbundene Fakturierung, den Lastschrifteinzug, die Zahlungseingangsüberwachung sowie das Debitorenmanagement für alle an die Con.fee angeschlossenen Berater übertragen.

Die Schieflage der Factura kommt nach eigenen Angaben nicht aus dem operativen Bereich, sondern sei durch die „Insolvenz unserer Tochter Rhein-Main-Factoring AG bedingt, die die Mutter mitreißt“, erklärte Factura-Vorstand Michael A. Hillenbrand dem „versicherungstip“. Hintergrund ist offenbar, dass die Banken Corona-bedingt viel restriktiver Kredite vergeben. Factoring-Institute benötigen zum Ankauf von Forderungen Refinanzierungsmittel. Die sind heute nicht mehr so leicht zu bekommen wie vor zwei oder drei Jahren.

Harter Schlag für das Honorar-Factoring

Jahrelange Aufbauarbeit im Bereich der Servicepauschalen und des Honorar-Factorings sind in Gefahr. Dabei hatte Rhein-Main-Factoring wohl ein erfolgreiches Geschäftsmodell. „Obwohl das Unternehmen Gewinne macht und keine Zahlungsunfähigkeit vorliegt, muss aufgrund der sogenannten negativen Fortführungsprognose der Geschäftsbetrieb eingestellt werden, weil die Banken die Kreditlinien nicht weiter verlängern werden“, so Hillenbrand einem Medienbericht zufolge. Das führe dazu, dass auch die Factura Insolvenz anmelden muss.

Die Redaktion procontra hakte bei Hillenbrand zu Einzelheiten der Insolvenz, zum Ende des Geschäftsbetriebes und zur Zahl der betroffenen Berater nach, doch die Nachfragen blieben auch nach einer Woche ohne Antwort. „Betroffene Versicherungsmakler müssen keine Ausfälle befürchten, denn alle Gelder, die die Factura für die Makler eingezogen hat, liegen auf einem Anderkonto“, ließ sich der Factura-Chef in einem Pressebericht zitieren. Als Sondervermögen bestehe hier ein Aussonderungsrecht. Zudem seien alle Abrechnungen bis Ende März vorgenommen worden.

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Makler bei Suche nach neuem Dienstleister beachten sollten