Girokonto-Vergleichsportal: Bafin übernimmt für Check24

Anne Mareile Walter Digital Berater

Nach dem Rückzug des Platzhirschen Check24 stellt jetzt der Staat ein Angebot für den Gebührenvergleich ins Netz. Mit Hilfe einer zentralen Datensammelstelle sollen aber auch private Anbieter zum Zug kommen.

Girokonto Bild: Adobe Stock/Natee Meepian

Ab kommendem Jahr können sich Verbraucher auf einer staatlich betriebenen Webseite über die Konditionen von Girokonten informieren. Bild: Adobe Stock/Natee Meepian

Welche Bank bietet aktuell die günstigsten Konditionen für ein Girokonto an? Ab dem zweiten Quartal 2022 können sich Verbraucher darüber auf einem staatlich betriebenen Vergleichsportal informieren. Die Webseite wird von der Bafin im Auftrag des Bundesfinanzministeriums (BMF) eingerichtet. Als Übergangslösung bietet die Stiftung Warentest ihren bereits vorhandenen Girokontenvergleich ab dem 8. April 2021 kostenlos an. Laut BMF habe sich das Angebot von Stiftung Warentest bewährt und sei nicht provisionsfinanziert. Mit der Bereitstellung einer neutralen Webseite zieht die Bundesregierung Konsequenzen aus dem Streit um das Vergleichsportal Check24, das seinen Online-Girokontenvergleich nach einer Klage von Verbraucherschützern wieder aus dem Netz genommen hatte. Interessenten hatten fortan keine Möglichkeit mehr, sich zu informieren.    

Die für die Bereitstellung des Bafin-Portals erforderlichen Änderungen am Zahlungskontengesetz brachte das BMF bereits auf den Weg. Durch das Bafin-Angebot sollen interessierte private Anbieter allerdings nicht verdrängt werden. Laut BMF sei es weiterhin gesetzlich vorgesehen, dass Vergleichsangebote zertifiziert werden, damit sie im Netz veröffentlicht werden können. 

Verbraucherschützer hatten geklagt

Der Entscheidung waren erhebliche Querelen vorangegangen, die mit der Umsetzung der EU-Zahlungskontenrichtlinie zusammenhingen. Laut dieser Vorschrift müssen sich Anbieter von entsprechenden Vergleichsportalen einem umfangreichen Zertifizierungsprozess durch den Tüv Saarland unterziehen. Dies war vielen Interessenten zu teuer und sie zogen sich zurück. Check24 blieb als einziger Anbieter übrig, kassierte jedoch wenige Monate nach dem Start der Vergleichswebseite eine Klage von Verbraucherschützern. Die Begründung: Check24 decke den Markt unzureichend ab. Zugleich wurden Vorwürfe laut, das Angebot sei zu nah an die übrigen Geschäftsinteressen des Vergleichsportals angelehnt. So bietet Check24 seit Herbst 2020 ein eigenes Girokonto an. Die Münchener entfernten daraufhin ihre Webseite aus dem Netz. Check24 argumentierte, dass eine vollständige Abdeckung des Marktes nur möglich sei, wenn Banken staatlich verpflichtet wären, ihre Girokontenkonditionen in einer zentralen Datenbank zur Verfügung zu stellen.

Genau dies strebt nun die Bafin an. Damit sowohl die staatliche Vergleichswebsite als auch zertifizierte private Angebote einen Großteil des Marktes mit ihrem Vergleich abdecken können, soll eine Datensammelstelle eingerichtet werden. Zu diesem Zweck müssen Zahlungsdienstleister Entgeltinformationen für ihre Konten an die Bafin melden. Die staatliche Vergleichswebseite inklusive Datensammelstelle wird von der Umlagefinanzierung der Bafin getragen, die Kosten werden so letztlich von den Banken übernommen. Laut BMF werden dafür pro Jahr rund 1,5 Millionen Euro veranschlagt.

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