Finanzwende und Asta wollen MLP vor die Uni-Tür setzen

Martin Thaler Berater Panorama

Auch im aktuellen Sommersemester bietet der Finanzdienstleister MLP Kurse für Studenten an der Goethe-Universität Frankfurt. Diese dienten nur der Verkaufsanbahnung eigener Produkte, kritisieren Asta und Bürgerbewegung Finanzwende, und fordern eine Ende der Kooperation.

Universität Frankfurt Bild: Adobe Stock/Eberhard

Das Kursangebot von MLP an der Frankfurter Goethe-Universität sorgt regelmäßig für Streit. Bild: Adobe Stock/Eberhard

An deutschen Universitäten beginnen dieser Tage wieder die neuen Semester. Auch an der Universität Frankfurt am Main strömen Studenten wieder in Vorlesungen und Seminare – wenn auch in den meisten Fällen nur digital.  

Manche dieser Kurse sollten aus Sicht der Bürgerbewegung Finanzwende sowie des Astas der Goethe-Universität jedoch am besten vollends entfallen - das betonen beide Parteien nun in einem gemeinsamen Appell an die Universitätsleitung. Konkret geht es um acht Kurse, die im Rahmen des „Career Service“ in Kooperation mit dem Wieslocher Finanzdienstleister MLP angeboten werden. Diese heißen unter anderem:  

  • „Steuergrundlagen für Studierende und Hochschulabsolvent*innen“  
  • „Financial Knowledge für Studierende“  
  • „Gehaltsverhandlungen – Wie bekomme ich, was ich verdiene?“  
  • „Bewerbungstraining für Hochschulabsolvent*innen und Berufseinsteiger*innen“  

Weitere Kurse bietet die Frankfurter Universität darüber hinaus mit der Alten Leipziger, der Direktbank ING (vormals ING-Diba) sowie der Techniker Krankenkasse an. Diese Kooperationen wurden seitens der Finanzwende (noch) nicht kritisiert. Man wolle sich in der Kampagne auf die MLP fokussieren, teilte ein Finanzwende-Sprecher auf procontra-Nachfrage mit. Prinzipiell sei man allerdings gegen jede Form von Finanzvertrieb an Hochschulen.

Kurse dienen der Kontaktanbahnung

Aus Sicht der Bürgerbewegung und der Studentenvertretung geht es bei den kritisierten MLP-Seminaren  nur vordergründig um die Vermittlung von Finanzwissen. Ziel des Angebots sei es in erster Linie, Kontakte mit der lukrativen Zielgruppe der jungen Akademiker herzustellen. „Die Kurse dienen MLP zur Kontaktanbahnung und am Ende zum Verkauf von Finanzprodukten an eine junge, lukrative Zielgruppe. Dass die Universität einem Finanzkonzern beim Vertrieb behilflich ist, geht immer wieder zulasten von Studierenden, die sich im Vertrauen auf die Hochschule auf MLP einlassen“, kritisiert Lena Blanken, die bei der Bürgerbewegung die entsprechende Kampagne leitet.  

Die Kritik ist nicht neu: Schon zum Start des vergangenen Jahres hatte die Bürgerbewegung die Kooperation der Uni Frankfurt mit MLP kritisiert und eine Protestmail-Kampagne in die Wege geleitet. 5.000 Menschen hätten seitdem bereits eine entsprechende Mail geschrieben, teilte der Finanzwende-Sprecher mit. Die Kritik war seitens der Universitätsleitung jedoch damals zurückgewiesen worden. Gegenüber der Hessenschau erklärte ein Hochschul-Sprecher, dass die Universität sich als Teil der Bürgergesellschaft verstehe. Hierzu gehörten auch Kooperationen mit externen Partnern. Die entsprechenden Kurse würden zudem seitens der Studenten stark nachgefragt und zudem gut bewertet. 

Auch MLP hatte in der Vergangenheit darauf verwiesen, dass die Kurse ohne Verpflichtungen für die Teilnehmer angeboten würden. Die Kritik der Finanzwende bezeichnete das Wieslocher Unternehmen als "polemisch", der Bürgerbewegung würde es lediglich um eine Skandalisierung, nicht aber um einen sachlichen Austausch gehen. 

Seitens des Astas ist die hier vorliegende Vermischung von Forschung und Lehre mit wirtschaftlichen Interessen allerdings höchst problematisch. „Das darf so nicht weitergehen“, erklärte Asta-Vorsitzende Kyra Beninga. Hoffnung war in dieser Hinsicht auf den neuen Universitätspräsidenten Enrico Schleiff gesetzt worden – allerdings scheint auch dieser, die seit zwölf Jahren bestehende Kooperation weiter fortführen zu wollen.