Elementarversicherung: Doline unterm Haus stellt Versicherungsfall dar

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Der Schutz von Elementarversicherungen umfasst nicht nur Schäden durch Starkregen und Überschwemmungen, auch Erdsenkungen fallen hierunter. Nicht immer scheint jedoch eindeutig, was damit gemeint ist. Das Landgericht Detmold schuf nun ein wenig mehr Klarheit.

Hohlraum Bild: Adobe Stock/sutulastock

Natürliche Hohlräume sind Voraussetzungen für das Inkrafttreten der Elementarschutzversicherung. Bild: Adobe Stock/sutulastock

Wenn über die Elementarversicherung gesprochen wird, geht es zumeist um die Absicherung gegen Überschwemmungen. Kein Wunder, schließlich steigt die Starkregengefahr durch den Klimawandel an. Zumal gilt laut GDV mehr als jedes zehnte Haus als besonders gefährdet.  

Vergessen werden sollte dabei nicht, dass die Elementarversicherung auch gegen andere Naturgefahren Schutz bietet – beispielsweise gegen Erdsenkungen. Dies zeigt nun ein Fall, der kürzlich vor dem Landgericht Detmold (Az: 02 O 318/18) verhandelt worden war.  

Der Fall  

Im Frühjahr 2010 kam es auf dem Grundstück eines Hausbesitzers zu einer Absenkung, wodurch sich auch das Wohnhaus und ein Teil der Terrassenpflasterung absenkten. Als es im Jahre 2014 zu weiteren Absenkungen kam, ließ der Hausbesitzer diverse geologische Untersuchungen vornehmen, die zu dem Schluss kamen: Verantwortlich für die Absackungen war eine sogenannte Doline, eine trichterförmige Senke im Erdboden.  

Der Hausbesitzer verlangte daraufhin von seiner Elementarversicherung insgesamt Leistungen in Höhe von gut 75.000 Euro. Diese sah jedoch keinen Versicherungsfall gegeben. Ein – laut Versicherungsbedingungen notwendiger Hohlraum – existiere nicht unter besagtem Gebäude. Dennoch unterbreitete sie dem Versicherungsnehmer ein Abfindungsangebot von zunächst 20.000, später 25.000 Euro, das dieser jedoch ablehnte. Der Fall landete vor dem Detmolder Landgericht.  

Das Urteil  

Dieses sprach sich zugunsten des Hausbesitzers aus. Der vom Gericht berufene Sachverständige hatte ausgeführt, dass auf dem Grundstück eine Doline vorhanden sei. Diese habe sich über die vergangenen Jahrhunderte mit eingeschwemmtem Lockerboden gefüllt. Da dieser aber nur locker gelagert gewesen sei, war er mit der Zeit nachgesackt. Auf diese Weise seien natürliche Hohlräume entstanden, wodurch es zu den Absenkungen auf dem besagten Grundstück gekommen sei.  

Dass – wie von der Versicherung behauptet – die Absenkungen durch Versickern des Wassers aus dem Versickerungsschacht bzw. durch Sanierungsarbeiten ausgelöst bzw. mitverursacht worden seien, konnte das Gericht hingegen nicht erkennen.  

Ferner sei es unerheblich, dass sich der laut Versicherungsbedingungen versicherte Erdfall bzw. die versicherte Erdsenkung über Jahre hingezogen habe. Der durchschnittliche Versicherungsnehmer könne laut Detmolder Gericht annehmen, dass auch über längere Zeiträume entwickelnde Absenkungen einen Versicherungsfall darstellen würden.  

Das Gericht entschied, dass die Wohngebäudeversicherung folglich zur Leistung verpflichtet sei. Über die Höhe der Leistung fällte das Gericht hingegen kein Urteil.

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