D&O: „Deutlich größere Kreativität vom Makler gefordert“

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News

procontra: Daraus resultieren offenbar noch andere Baustellen: Große Firmenkunden und Makler klagen teilweise über Kapazitätsprobleme, also dass für manche Policen einfach nicht genug Versicherungssumme eingekauft werden kann…

Briese: Genau. Deckungen von mehreren hundert Millionen Euro für Neuverträge gibt es zunehmend nicht mehr. Aufgrund der steigenden Risiken reduzieren viele Versicherer ihr Engagement oder ziehen sich sogar ganz vom Markt zurück.

procontra: Ist das die unvermeidbare Zukunft, auf die Makler ihre Kunden einstellen müssen? Also dass die Unternehmen mehr Risiko selbst tragen müssen?

Briese: Als Versicherungsmakler muss man wahrscheinlich internationaler werden, um noch genügend Deckung für seine Kunden zusammenzukaufen. Das heißt, nicht mehr nur bei deutschen Versicherern Deckung suchen, sondern vor allem auch auf dem Londoner Markt. Diese Deckung muss dann aber wiederum von Versicherern kommen, die im Zuge des Brexits auch auf dem deutschen Markt zeichnen dürfen. Deshalb ist mittlerweile in der D&O eine deutlich größere Kreativität seitens des Maklers gefordert.

procontra: Wie sollten Makler diese Hiobsbotschaft denn am besten bei ihren Kunden kommunizieren?

Briese: Es ist einfach so, dass die Versicherer jahrelang nicht kostendeckend gearbeitet haben. Wenn man das als Makler beim Kunden überhaupt nicht anmoderiert hat, dann ist die Gesprächsgrundlage schwierig. Ein Argument ist aber sicher, dass die Preissprünge jetzt dafür sorgen, dass es in Zukunft überhaupt noch Versicherungsschutz in der gewünschten Höhe geben wird. Man sollte auch erwähnen, dass die Kunden in der Vergangenheit großes Glück hatten mit den viel zu niedrigen Prämien. Aber die Parameter haben sich nun komplett gedreht.

<span>„Nicht gleich den Makler verklagen“</span>

procontra: Viele Kunden werden die Entwicklung trotzdem negativ auffassen. Wenn sie nicht mehr genug Deckungssumme bekommen, ist dann im Schadenfall mit Ansprüchen gegen die Vermittler aufgrund der Beratungshaftung zu rechnen?

Briese: Auch als Vermögensschadenhaftpflichtversicherer glauben wir, dass die Anspruchsmentalität hierzulande noch nicht so weit gekommen ist, dass die D&O-Policeninhaber im Schadenfall gleich ihren Anwalt oder ihren Makler verklagen.

procontra: Sollten Makler dann mit der Beratung von D&O-Neukunden oder der Umdeckung von Policen erst noch abwarten bis sich der Markt etwas stabilisiert hat?

Briese: Auf gar keinen Fall. Der Makler muss sich viel mehr mit diesem Thema beschäftigen, alles andere wäre fahrlässig. Aus meiner Sicht ist die D&O genauso wichtig wie eine funktionierende Feuer- oder Betriebshaftpflichtversicherung. Zudem bietet sie ein super Akquisitionspotenzial. Schließlich hat man hier ein Thema, mit dem man den Entscheidungsträger im Unternehmen direkt ansprechen kann. Es geht dabei ja um seine persönliche Haftung. Sein Vermögen, sein Haus – das kann im Schadenfall alles weg sein. Und darum herum kann man auch gut ein eigenes Versicherungsportfolio aufbauen. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass viele Menschen immer noch nicht wissen, welches persönliche Haftungsrisiko sie in einer solchen Entscheiderfunktion tragen. Viele sind dann glücklich, dass ihnen das überhaupt mal jemand erklärt.

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