Die Jagdhaftpflichtversicherung und der Autobahnunfall

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Eine Drückjagd in einem Wald, ein auf die Autobahn rennendes Wildschwein, ein verunglückter Transporter und eine zerstörte Brille. Das sind die Zutaten eines Falls, den das Landgericht Gera zu verhandeln hatte. Zu entscheiden galt es: Wann muss die Jagdhaftpflichtversicherung zahlen?

Jägerin Bild: Adobe Stock/Countrypixel

Will ein Unfallopfer Leistungen aus einer Jagdhaftpflichtversicherung, muss es beweisen können, dass die Jagd für den Unfall verantwortlich war. Bild: Adobe Stock/Countrypixel

Ein Fall für die Jagdhaftpflichtversicherung? Im Dezember 2018 war der Fahrer eines VW-Transporters auf der Autobahn 4 in der Nähe des thüringischen Stadtroda mit einem plötzlich auf die Fahrbahn laufenden Wildschwein kollidiert. Das Tier war sofort tot, am Fahrzeug entstand ein Schaden von knapp 4.000 Euro.   Kurze Zeit später tauchten zwei Hunde auf der Autobahn auf, von denen einer ebenfalls überfahren wurde. Es stellte sich heraus: Die Tiere hatten an einer Drückjagd, einer Form der Treibjagd, im angrenzenden Wald teilgenommen.  

Für den verunglückten Transporterfahrer war der Fall klar: Die Hunde hatten das Wildschwein auf die Autobahn getrieben – entsprechend müsse die Jagdhaftpflichtversicherung der beiden Jäger, denen die Hunde gehörten, zahlen. Von dieser forderte der Mann nicht nur die Übernahme des am Fahrzeug entstandenen Schadens sowie die Kostenübernahme für ein beauftragtes Gutachten, sondern auch Ersatz für seine Brille, die beim Öffnen des Airbags beschädigt worden war.

Die Versicherung verweigerte allerdings die Begleichung des Schadens, so dass der Fall vor dem Landgericht Gera landete (Az: 3 O 1531/19).

Das Urteil

Das Gericht lehnte die Klage des Transporter-Fahrers allerdings ab – eine Anspruchsgrundlage gemäß § 833 BGB (Haftung des Tierhalters) bestehe nicht. Eine entsprechende Haftung setze voraus, dass das Wildschwein durch das Verhalten der Hunde auf die Autobahn getrieben worden sei. Hierfür hatte der Kläger aber keinen Beweis erbracht. Die Tatsache, dass die Hunde erwiesenermaßen in einem engen zeitlichen Zusammenhang zum Wildschwein an die Unfallstelle gelangten, stellte aus Sicht des Gerichts keinen Anscheinsbeweis zu Gunsten des Klägers dar.

So gebe es mehrere denkbare Gründe, warum das Wildschwein auf die viel befahrene Autobahn gelaufen sei. Denkbar seien hier unter anderem eine Unruhe im Wildschweinverband, das Erschrecken durch andere Wildtiere oder durch ein vorbeifahrendes Auto. Laut Aussagen eines zu Rate gezogenen Sachverständigen stellten weder die Leitplanken der Autobahn noch der hohe Verkehrslärm für Wildschweine ein Hindernis dar.

Auch das Erscheinen der Hunde kurze Zeit nach dem Wildschwein am Unfallort könne vielfältige Gründe haben – so könnten die Hunde der Fährte des Tieres gefolgt sein, ohne es dabei aber zu hetzen. Auch für Jagdhunde sei es durchaus üblich, dass sie sich außerhalb der Jagd Orten mit hoher Lärmbelastung, wie einer Autobahn, näherten. Schließlich würden sie daran gewöhnt, Lärm zu ertragen und auszublenden.

Da der verunglückte Transporterfahrer keinen Beweis dafür erbringen konnte, dass die stattfindende Drückjagd für das Laufen des Wildschweins auf die Autobahn verantwortlich war, könne er weder die Hundebesitzer, noch die Veranstalter der Jagd und somit nicht deren Versicherer, für den entstandenen Schaden haftbar machen, urteilte das Gericht.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare