Das sind die Lebensversicherer mit den höchsten Solvenzquoten

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Die Corona-Krise und die damit einhergehende Verschärfung der Niedrigzinssituation haben sich im vergangenen Jahr deutlich auf die Solvenzquoten der Versicherer ausgewirkt. Zwischen den einzelnen Anbietern gibt es aber große Unterschiede.

Finanzstärke Bild: Adobe Stock/lassedesignen

Bei der Finanzstärke gibt es teils erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Lebensversicherern. Bild: Adobe Stock/lassedesignen

Die Niedrigzinsphase hat sich im Jahr 2020 angesichts der Corona-Krise nicht nur verschärft, sie wirkt sich auch immer stärker auf die Solvenzquoten der Lebensversicherer aus. Diese lag am 31. Dezember 2020 im arithmetischen Marktdurchschnitt bei rund 385 Prozent und damit deutlich niedriger als im Vorjahr. Damals betrug sie durchschnittlich noch 426 Prozent  

„Trotz des neuerlichen Zinsverfalls im vergangenen Jahr fallen die Solvenzquoten auf Marktebene weiterhin hoch aus“, relativiert Lars Heermann, Bereichsleiter der Kölner Ratingagentur Assekurata, die negative Entwicklung. Allerdings falle die Entwicklung von Unternehmen zu Unternehmen stark unterschiedlich aus. So ist die Spannbereite bei den 77 von Assekurata untersuchten Unternehmen immer noch gewaltig und reicht von gut 150 bis zu über 800 Prozent. Trotz der schwierigen Situation an den Kapitalmärkten im vergangenen Jahr konnten 21 Unternehmen ihre Solvenzquoten im Vergleich zum Vorjahr sogar steigern, bei vielen gab es jedoch teils deutliche Rückgänge zu verzeichnen.  

„Bei einzelnen Anbietern wird das Solvenzkapital aber zunehmend knapper, auch weil die Wirkung von Übergangsmaßnahmen mit der Zeit abnimmt“, mahnte Heermann. So würden einige Unternehmen ohne die Inanspruchnahme von Übergangsmaßnahmen derzeit die erforderliche Marke von 100 Prozent reißen. Laut Zweitmarkthändler Policen Direkt, der ebenfalls die Solvenzberichte der Lebensversicherer ausgewertet hat, scheitern 17 Versicherer derzeit an der sogenannten Nettoquote, sprich der Solvenzquote ohne Übergangsmaßnahmen - im vergangenen Jahr lag deren Zahl noch bei 13.

Die Versicherer müssen die Marke von 100 Prozent erreichen, um rein rechnerisch in der Lage zu sein, im nächsten Jahr die maximal möglichen Verluste ausgleichen zu können. Bis 2032 können die Versicherer hierfür noch Übergangsmaßnahmen in Anspruch nehmen, spätestens dann müsse der Nachweis aber auch ohne diese gelingen, machte Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund jüngst im hauseigenen Bafin-Journal (03/2021) deutlich.    

Sollte die Bafin jedoch erkennen, dass einzelne Versicherer dieses Ziel nicht schaffen, könnte den entsprechenden Unternehmen das Neugeschäft untersagt werden, erklärte Grund gegenüber der „Börsen-Zeitung“. Er erwarte darum von den betroffenen Unternehmen konkrete und ambitionierte Maßnahmen.   Diese dürften allerdings den jeweiligen Versicherern nicht unbedingt leicht fallen, machte Assekurata-Bereichsleiter Heermann deutlich. „Der Umbau des Geschäftsmodells unter den extremen Zinsbedingungen wird dann zu einem echten Kraftakt.“ 

Diese Einschätzung wird auch von Policen-Direkt-Chefaktuar Henning Kühl geteilt, der insgesamt 20 Unternehmen (alle mit einer Nettoquote unter 150 Prozent) vor großen Herausforderungen sieht. Betroffen seien hier vor allem kleinere Versicherer mit hohem Garantiebestand und Versicherer, die bereits in der Vergangenheit nur mit Übergangsmaßnahmen eine Solvenzquote von über 100 Prozent erreichten.

Zumal die Situation durch neue EU-Vorgaben noch einmal verschärft werden könnte. Stichwort: Solvency-II-Review.  „Die beabsichtigten Modelländerungen an den Zinsstrukturkurven würden die Bedeckungsquoten gerade bei den Versicherern mit garantielastigen Beständen, die vielfach schon eine niedrige Solvenzkapitalausstattung aufweisen, zusätzlich unter Druck setzen“, mahnte Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will.

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