BU-Anträge werden nach Corona-Erkrankung teils lange zurückgestellt

Florian Burghardt Versicherungen

Wer Corona-bedingt ins Krankenhaus musste oder an Long-Covid leidet, muss bis zu einem Jahr auf die Bearbeitung seines Antrags auf BU-Schutz warten. Laut einer Umfrage unter den größten Anbietern müssen aber auch symptomlos Genesene oft mit Karenzzeiten rechnen.

Die Umfrage zeigt allerdings auch: Wer noch lange nach seiner Corona-Erkrankung an Symptomen leidet (Longcovid) wird nicht kategorisch von der Chance auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung ausgeschlossen. Bild: Pixabay/Tama66

Die Umfrage zeigt allerdings auch: Wer noch lange nach seiner Corona-Erkrankung an Symptomen leidet (Longcovid) wird nicht kategorisch von der Chance auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung ausgeschlossen. Bild: Pixabay/Tama66

Die Folgen einer Corona-Erkrankung sind noch lange nicht umfassend erforscht. Dennoch oder gerade deswegen lassen die Spätfolgen (Long-Covid) die Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen vorsichtig agieren. Das belegen die Ergebnisse einer Befragung, die das Verbraucherportal Finanztip im März und April 2021 unter 19 großen Lebensversicherern durchgeführt hat.

Dabei zeigt sich: Wer aufgrund eines schweren Corona-Verlaufs ins Krankenhaus musste oder auch nach seiner Genesung (negativer Test) weiterhin gesundheitlich beeinträchtigt ist, hat es bei vielen Anbietern schwer an eine BU-Police zu kommen. Um bis zu 12 Monate kann der Antrag dann bei der Alten Leipziger, der Nürnberger, der Gothaer und der Debeka zurückgestellt werden, gefolgt von einer individuellen Entscheidung über die Versicherbarkeit.

Nur wenige Anbieter legen sich fest

Mit ihren Aussagen sind diese Versicherer aber deutlich konkreter als die meisten anderen. Viele Anbieter verweisen bei Long-Covid-Fällen auf eine individuelle Prüfung. Außerdem würden nach einem schweren Verlauf mit Krankenhausaufenthalt umfangreiche Unterlagen benötigt. Das sind vor allem der Krankenhausentlassungsbericht sowie ein Verlaufsbericht des behandelnden Hausarztes.

Andere BU-Versicherer wie die R+V und die Provinzial gaben auf alle Fragen von Finanztip dieselbe pauschale Antwort – die Vermittler und potenzielle Kunden aber genauso schlau zurücklässt wie bisher. Grundsätzlich würde jeder Antrag individuell geprüft und eingeschätzt, heißt es wiederholend von der R+V. Fragen nach Covid-19-Kriterien ließen sich nicht pauschal beantworten. Die Provinzial verweist darauf, dass dieselben Gesundheitsfragen gestellt würden wie bisher. Man arbeite aber derzeit an einer neuen Richtlinie, die dann auch Corona-Vorerkrankungen mit einbeziehen soll. Die Axa hat als einziges Unternehmen auf keine der Fragen geantwortet.

Mit nur vier Wochen nennt die Huk-Coburg die kürzeste konkrete Zeitspanne für eine Antragsrückstellung nach einem Corona-bedingten Krankenhausaufenthalt. Allerdings wird hier von einer vollständigen Genesung ausgegangen. In solchen klaren Fällen wird der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung auch nach überstandener Corona-Erkrankung wieder sehr realistisch, was procontra bereits in einer eigenen Befragung unter den beliebtesten Biometrie-Versicherern der Makler herausfand.

Selten ohne Karenzzeit

Doch selbst, wer nach einer symptomlosen Corona-Erkrankung wieder vollständig genesen ist, muss bei vielen Anbietern mit einer Rückstellung seines Antrags rechnen. Diese Karenzzeit liegt dann in der Regel zwischen einem (zum Beispiel Alte Leipziger, Volkswohl Bund, Württembergische, Generali-Gruppe) und drei Monaten (zum Beispiel LVM, Swiss Life, Gothaer). Eine Normalaufnahme ist hingegen bei Allianz, Nürnberger und Continentale möglich.

An der Finanztip-Befragung haben teilgenommen: Axa, Alte Leipziger, Allianz, Nürnberger, Huk-Coburg, Volkswohl Bund, Gothaer, Swiss Life, Debeka, Württembergische, Provinzial, Zurich, HDI, Continentale, Generali, R+V, Signal Iduna, LVM und die Versicherungskammer Bayern.