Beitragssteigerungen bei Krankentagegeldversicherungen erwartet

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Mehr Versicherungsnehmer als sonst haben im vergangenen Jahr ihre Krankentagegeldversicherung in Anspruch genommen. Die hohen Schadenquoten dürften Auswirkungen haben – beim Preis und bei der Leistungsprüfung. Umso mehr lohnt ein genauer Blick ins Bedingungswerk.

Krankentagegeld Bild: Pixabay/Myriams-Fotos

Eine Krankentagegeldversicherung gehört zur Einkommensabsicherung dazu. Im vergangenen Jahr wurde sie offenbar deutlich häufiger in Anspruch genommen. Bild: Pixabay/Myriams-Fotos

Die Krankentagegeldversicherung – wichtiger Baustein bei der Absicherung von Einkommensverlusten – wurde im vergangenen Jahr offenbar wesentlich häufiger seitens der Kunden in Anspruch genommen als in den Jahren zuvor. Laut Angaben der Kölner Ratingagentur Assekurata lag die Schadenquote, also der Anteil gezahlter Leistungen an den Bruttobeiträgen, Mitte des Jahres bei über 100 Prozent. Zum Vergleich: Von 2015 bis 2019 lag die durchschnittliche Schadenquote bei 74 Prozent.  

Abdulkadir Cebi, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata, geht davon aus, dass die Schadenquote auch in den kommenden Jahren überdurchschnittlich ausfallen dürfte. In einem Blogbeitrag zog Cebi einen Vergleich zur Finanzkrise 2008 – auch damals stieg die Schadenquote in den folgenden drei Jahren an, erst seit 2011 zeigte sich wieder eine rückläufige Entwicklung. Die derzeitige Krise, die sowohl wirtschaftliche als auch gesundheitliche Verwerfungen mit sich bringt, dürfte nach Einschätzung Cebis die Schadenquote zudem stärker beeinflussen.  

Da die Versicherer bestrebt sind, die steigenden Kosten einzufangen, werde der Leistungsprüfung eine höhere Bedeutung zufallen, ist Cebi überzeugt. Umso wichtiger sei es, beim Abschluss auf eindeutig formulierte Versicherungsbedingungen zu achten. Cebi weist in diesem Zusammenhang auf einige Stolperfallen hin:  

  • Definition der Arbeitsunfähigkeit: Frauen sollten insbesondere darauf achten, dass Arbeitsunfähigkeit wegen Schwangerschaft, nichts rechtswidrigem Schwangerschaftsabbruch oder Fehlgeburten explizit als Versicherungsfall aufgelistet ist  
  • Bezugsdauer: Die Versicherung sollte nicht aus Altersgründen vor dem 67. Lebensjahr enden. Im besten Fall passt der Versicherer die Altersgrenze anstandslos und zeitnah an, wenn der Gesetzgeber das maximale Renteneintrittsalter erhöht  
  • Der Bezug einer privaten Rente darf – anders als der Bezug der gesetzlichen Rente oder Leistungen eines Versorgungswerkes – keinen Einfluss auf das Fortbestehen der Versicherung haben  
  • Die Krankentagegeldversicherung sollte auch zahlen, wenn eine Rente aus der Berufsunfähigkeitsversicherung bezogen wird. Sollte das nicht der Fall sein, muss der Versicherte im Fall einer Berufsunfähigkeit Leistungen aus seiner Krankentagegeldversicherung zurückzahlen, wenn rückwirkend seine BU-Versicherung einspringt. Das kann insbesondere dann ärgerlich werden, wenn die Höhe des Krankentagegeldes über der BU-Rente lag  

Darüber hinaus geht Assekurata-Bereichsleiter Cebi davon aus, dass Versicherungsnehmern marktweit in nächster Zeit Beitragserhöhungen drohen. Knapp kalkulierte Tarife seien hiervon jedoch besonders betroffen. Allerdings sei es für Vermittler und erst recht für den Kunden äußerst schwierig zu erkennen, welche Tarife zu optimistisch und ohne ausreichenden Sicherheitspuffer kalkuliert wurden. Cebi schreibt in diesem Zusammenhang von einer „Informationssymetrie zu Lasten von Kunden und Vermittlern“. Um hier qualifizierte Aussagen treffen zu können, seien Vermittler auf Informationen angewiesen, die die Versicherer nur im Zuge von umfassenden Tarifuntersuchungen offenlegen würden.  

Trotz potentieller Beitragssteigerungen ändere sich an der Bedeutung von Krankentagegeldpolicen allerdings nichts, betont Cebi: Weiterhin hätte sie eine existenzielle Bedeutung, die durch die Corona-Krise noch einmal steigen dürfte. Cebi geht darum auch von einer steigenden Nachfrage aus. Potential scheint noch reichlich vorhanden: Laut einer aktuellen Umfrage der Gothaer besitzt gerade einmal jeder Dritte eine entsprechende Versicherung. Eine Zahnzusatzversicherung, die sicherlich nicht zu den existenziellen Absicherungen zu zählen ist, hatten hingegen 77 Prozent der Befragten.    

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